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24.11.2000 - 

Internet-Provider sucht Hilfe bei Goldman Sachs

Angeschlagene Psinet bietet sich zum Kauf an

MÜNCHEN (CW) - Der Internet-Service-Provider (ISP) Psinet steht zum Verkauf. Das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen sucht mit Hilfe der Investment-Bank Goldman Sachs einen Interessenten, der es in Teilen oder komplett übernimmt.

Psinet hatte der US-Börsenaufsicht erst vor wenigen Wochen nach Bekanntgabe eines schwachen dritten Geschäftsquartals angekündigt, sich von strategischen Geschäftsfeldern zu trennen und die Restrukturierung schnell voranzutreiben. Diese Ziele werde man nicht ohne fremde Hilfe erreichen. Als besonders schwierig scheint sich der geplante Verkauf des 80-prozentigen Anteils an der Web-Consulting-Gesellschaft Xpedior zu gestalten, die Psinet zusammen mit der Übernahme von Metamor Worldwide im Juni dieses Jahres erworben hatte. Für Metamor hatte Psinet 1,9 Milliarden Dollar in Aktien gezahlt.

Gemeinsam mit den Investment-Bankern von Goldman Sachs will der selbst ernannte "Internet Super Carrier" nun "verschiedene Finanzierungsalternativen analysieren und erwägen". Möglich sei unter anderem eine strategische Allianz mit einem anderen Unternehmen sowie der Verkauf von Teilen oder des gesamten Konzerns. Erst wenige Wochen zuvor hatte Chief Executive Officer (CEO) William Schrader angedeutet, sein Unternehmen sei ein "Edelstein", der das Portfolio so manches TK-Carriers deutlich aufwerten würde.

Am Preis kann das bisherige Desinteresse kaum liegen: Der Börsenkurs von Psinet notiert inzwischen bei etwas mehr als einem Dollar, nachdem er in diesem Jahr bereits 60,94 Dollar erreicht hatte. Nicht zuletzt den schwachen Zahlen des dritten Geschäftsquartals 2000 ist der Kurssturz zuzuschreiben: Der Umsatz belief sich auf 352,5 Millionen Dollar, was einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum entspricht. An der Wallstreet war jedoch mit Einnahmen von mindestens 400 Millionen Dollar gerechnet worden. Heftiger noch fiel der Verlust aus: Inklusive Abschreibungen, Restrukturierungsaufwendungen und anderen Sondereinflüssen belief sich das Minus auf 1,4 Milliarden Dollar.

Psinet hatte in den vergangenen Jahren einen abenteuerlichen Expansionskurs verfolgt. Binnen zwei Jahren schluckte der Konzern 65 Firmen. Im Mai dieses Jahres erklärte der ISP, er verfüge noch über Bargeldreserven von zwei Milliarden Dollar. Vergangene Woche waren die liquiden Mittel bereits auf eine Milliarde Dollar zusammengeschrumpft.

Die Schwierigkeiten von Psinet nehmen Analysten als Bestätigung für ihre These, dass sich der ISP-Markt weltweit in einer Konsolidierungsphase befindet. Es gebe zu viele Anbieter, die mit Venture Capital aufgebaut worden seien und nun mit zu geringen Profitmargen und einer zu dünnen Kapitaldecke kämpften. Gleichzeitig müssten aber immense Summen in Infrastruktur und Werbung gesteckt werden. Das führe am Ende dazu, dass viele ISPs geschluckt würden oder Pleite gingen.