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22.10.1976

Angst vor Einführung der Datenbank?

- Auf dem diesjährigen süddeutschen IBM-Institut hier in München hielten Sie einen praxisbezogenen Vortrag zum Thema "Warum Datenbank?" Ihre erste Frage war: Ist das Konzept einer Datenbank nur eine Mode?"

Das Konzept einer Datenbank ist sicherlich keine Mode. "Datenbank" mag ein Mode-Wort sein. Datenbank-Techniken entsprechen der Entwicklungstendenz, eher die Basisfunktionen des Systems zu übernehmen, die in der Vergangenheit noch in der Anwendungsprogrammierung lagen.

- Das bringt Erleichterungen bei der Anwendungsprogrammierung, aber eben auch den beträchtlichen internen Verwaltungsaufwand. Das eine spart, das andere kostet Geld. Gibt es ein Kalkül, das ausweist, wann man den Schritt zur Datenbank tun soll?

Generell läßt sich sagen, daß es durchaus der Entwicklung der letzten Jahre entspricht. Die Leistungsfähigkeit der Menschen, der Programmierer, hat nur in geringem Maße zugenommen, während die Leistungsfähigkeit der Hardware - bezogen auf Preise - in den letzten Jahren jeweils in Zehnerpotenzen her aufgegangen sind. Daraus folgt, daß die Frage, wann ein Datenbanksystem eingesetzt werden sollte, heute anders beantwortet werden muß als gestern und morgen anders beantwortet werden wird als heute.

-Bleiben wir beim heute?

Die heutigen Datenbanksysteme, die in der Vielzahl angeboten werden, scheinen nicht dazu geeignet zu sein, eine sogenannte Gesamtumstellung vorzunehmen, wie es die Datenbankphilosophen gerne vorschreiben wollen. Statt dessen kann man heute in einer konventionellen EDV-Umwelt schwerpunktmäßig für spezielle, vornehmlich neue Anwendungen Datenbanksysteme einsetzen.

- Sie empfehlen also den schrittweisen Übergang, das heißt, daß aber zunächst nur wenig umgestellt wird, was die Wirtschaftlichkeit der Bereitstellung der ja immer aufwendigen Datenbank-Software wie auch zusätzlich die Maschinenbelastung in Frage stellt.

Ja, deshalb empfehle ich den Einsatz neuer Systeme da zu erwägen, wo einfache Aufgaben viel Geld bringen, das heißt zum Beispiel, daß in einer großen Firma durchaus der Einsatz eines Datenbanksystems gerechtfertigt sein kann, um die Probleme und Kosten der Datenerfassung zu senken und die damit verbundenen Datenverwaltungen durch das System machen zu lassen. All die schönen und eleganten Dinge könnten später einmal hinzukommen. Die Alternative einer Gesamtumstellung würde im allgemeinen bedeuten, daß man seinen EDV-Laden für 1 Jahr schließen müßte, was in der Praxis nur selten möglich sein wird.

- Ist die Einführung von Datenbanken von der Größe des Unternehmens abhängig?

Nein. Es gibt heute am Markt eine Vielzahl von Systemen, die sich selbst Datenbanksysteme nennen. Es scheint so zu sein, daß alles, was ein wenig über ISAM- hinausgeht, heute Datenbank-Management-System genannt wird. Viele dieser Systeme sind mit relativ kleinem Aufwand einzuführen und eine Anzahl dieser Systeme sind viel besser als unsere konventionellen Methoden, so daß sich die Einführung auch in kleinem Rahmen lohnt.

- Sagen Sie damit, daß vielfach ein gutes File-Management-System genügt hätte, wo statt dessen aufwendige und komplexe Datenbanksoftware gewählt wurde?

Ja, sicherlich in all den Fällen, wo sich herausgestellt hat, daß die betreffende EDV-Organisation sich mit der Einführung übernommen hat. Es ist natürlich leicht, hinterher zu sagen, daß man es auch einfacher und besser hätte haben können. Sehr viel besser ist es, wenn man sich vorher im Rahmen seiner Möglichkeiten überlegt, welches System bei geringstem Aufwand den größten Nutzen bringen kann.

- Ist die Entscheidung für ein bestimmtes Datenbanksystem eine Bindung für die Zukunft?

Wenn man sich mit dieser Entscheidung in die Hand eines Herstellers begeben hat, ja. Und gerade deshalb würde ich empfehlen, sich auf dem Markt umzusehen, auf dem es viele interessante Alternativen gibt Der spätere Wechsel von einem frühen einfachen System auf ein besseres anderes System ist um so leichter, je mehr man sich bei der Erstbeschäftigung mit Datenbanksystemen das entsprechende organisatorische Umfeld in, der eigenen Organisation geschaffen hat.

- Wollen Sie das bitte vielleicht noch etwas präzisieren?

Eine sogenannte 1:1-Umstellung bisheriger Arbeitsweisen auf ein Datenbanksystem wird den Weg in die Zukunft verbauen, unabhängig von der Frage, ob das Datenbanksystem irgendwann gewechselt wird. Denn die herkömmlichen Arbeitsweisen kranken meist an dem Mangel, daß die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen in den Dateien und Prozessen aus unabhängig voneinander entwickelten Anwendungen innerhalb der Gesamtorganisation entstanden sind. Wenn man bei der Einführung eines Datenbanksystems - sei es noch so einfach oder auch nur für eine Teilaufgabe die organisatorischen und begrifflichen Zusammenhänge im Gesamtunternehmen neu überdenkt, dann steht einem Wachstum und auch, einer, Umstellung auf ein größeres System später nichts im Wege.

- Die Einführung von Datenbanken zwingt also zu einer besseren Organisation, zwingt zu Anwendungen, die von vornherein unter dem Gesichtspunkt späterer Gesamtintegration realisiert werden.

Sie zwingt nicht unbedingt zu einer besseren Organisation im Gesamtunternehmen, sondern nur zu einer besseren Abbildung der organisatorischen Zusammenhänge in der EDV-Arbeit.

- Diese Abbildung der Organisation muß aber vereinheitlicht werden, wenn man Datenbanken einführt?

Ja, jedes Unternehmen, jede Organisation, hat eine eigene Sprache. Das heißt, die Begriffe, die in dem Unternehmen gebraucht werden und Gültigkeit haben, müssen eindeutig auf entsprechende Prozesse innerhalb der EDV-Arbeiten abgebildet werden können. Hierfür ein Beispiel: Eine Firma stellt eine Reihe von Produkten her. Die Gesamtmenge dieser Produkte existiert in unterschiedlichen Katalogen. In der Herstellung, in der Lagerung, im Verkauf, in der Werbung. In den dazugehörigen EDV-Systemen gibt es eine Reihe von Schlüsseln, die die Produktpalette beschreiben sollen. In den meisten Fällen ist es kaum möglich, die eine Schlüsselmenge auf eine andere Schlüsselmenge innerhalb desselben Unternehmens abzubilden. Genau das wäre aber erforderlich, wenn man an ein allumfassendes Datenbanksystem für die spätere Zukunft denkt.

- Wie nun löst sich das Problem?

Dies ist in erster Linie keine Frage, die innerhalb der EDV oder im Zusammenhang mit ihr gelöst werden muß, sondern eine Aufgabe, die mit den unterschiedlichen Fachabteilungen und dem Management geklärt werden muß. Es ist natürlich vorzuziehen, das diese Aufgabe nicht von der EDV, sondern von der Organisationsabteilung gelöst wird. Ein Data-Base-Administrator wäre hiermit überfordert. Gebraucht wird hier ein - wie in dem ANSI-Report zu diesem Thema vorgeschlagen - Enterprise-Administrator.

- Das alles, was Sie hier vortragen, könnte beim Anwender die Angst vor der Datenbank, die ja bekanntlich weit verbreitet sein soll, eher noch bestärken.

Natürlich nicht. Vor der Einführung eines Datenbanksystemes braucht man keine Angst zu haben, nur sollte man sich nicht zu sicher fühlen, wenn man nicht bereit oder in der Lage ist, die angesprochenen anderen Probleme in der Organisation vorher zu lösen.

- Wie sah das bei Ihnen im Hause Axel Springer in der Praxis aus?

Wir haben ziemlich lange geplant und untersucht und haben auch die Phase der Angst durchgemacht. Wir haben dann aber angefangen ein Datenbank-Managementsystem als eins von vielen Werkzeugen der EDV-Technik zu benutzen, in Bereichen, die leicht umzustellen waren und bei denen das organisatorische Umfeld vorher zu klären war. Im einzelnen heißt das, wir haben moderne Techniken des Entwurfs von Datensystemen benutzt, nämlich Datenstrukturdiagramme, und bei diesen Untersuchungen Teilkomplexe ausgewählt, die sich für eine leichte Umstellung auf Datenbanksysteme eigneten.