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09.12.1998 - 

Suns James Gosling im Zeugenstand

Anklage interessiert sich für Microsofts Java-Politik

MÜNCHEN (CW) - Im Anitrust-Verfahren gegen Microsoft wollen die Vertreter der Anklage nun am Beispiel von Java belegen, daß die Gates-Company ihr Monopol bei Betriebssystemen mißbrauchte, um konkurrierende Technologien auszuschalten. Die Verteidigung sprach Java die von Sun angepriesenen Fähigkeiten ab, warf dem Konkurrenten aber gleichzeitig vor, Microsoft mit Java aus dem Geschäft drängen zu wollen.

Der Prozeß des US-Justizministeriums und von 20 Bundesstaaten gegen Microsoft dreht sich nun um einen Anklagepunkt, bei dem Bill Gates erst unlängst in einem anderen Verfahren eine Niederlage einstecken mußte. In dem von Sun Microsystems angestrengten Prozeß wurde der Windows-Anbieter in erster Instanz dazu verurteilt, seine Java-Implementierung den Vorgaben des Lizenzgebers anzupassen (siehe CW 48/98, Seite 7).

Im Antitrust-Verfahren stützten sich die Vertreter der Anklage auf eine 35 Seiten starke Darstellung des Java-Erfinders James Gosling, in der dieser Microsoft vorwirft, die wichtigsten Bestandteile der Technologie so verändert zu haben, daß dafür geschriebene Programme nicht mehr plattformunabhängig sind. Im Zeugenstand nahmen die Microsoft-Anwälte den Sun-Mitarbeiter von zwei Seiten ins Verhör. Einerseits sollte er eingestehen, daß Java das Versprechen der Plattformunabhängigkeit ohnehin nicht halten könne und unter zahlreichen technischen Mängeln, darunter langsamer Ausführungsgeschwindigkeit, leide. Microsoft versucht nämlich, die Anpassung seiner Java-Version an Windows mit Vorteilen für den Anwender zu rechtfertigen. Diesem biete die enge Windows-Integration größeren Funktionsreichtum und bessere Performance.

McNealy: "Erledigt alle auf einmal"

Auf der anderen Seite will die Gates-Company aber belegen, daß Windows unter starkem Konkurrenzdruck steht. Sie wirft deshalb Sun vor, mit Java und eigenen Prozessoren für dessen Bytecode Wintel-Systeme vom Markt drängen zu wollen - auch wenn die Technologie angeblich unausgereift und mangelhaft ist. Die Microsoft-Anwälte stützen sich dabei auf interne E-Mails von Sun, wo Scott McNealy 1995 nach einer Java-Demonstration schrieb: "Durchladen! Erledigt Hewlett-Packard, IBM, Microsoft und Apple alle auf einmal."

Nicht so martialisch, aber keineswegs vornehm war der Ton auf der Gegenseite, als es darum ging, die Java Foundation Classes (JFC) zu torpedieren. Mit diesen zog Java bei der Entwicklung von grafischen Oberflächen mit Windows gleich. Entsprechend wollte ein Microsoft-Entwickler in einer E-Mail an Bill Gates "bei jeder Gelegenheit darauf pissen". In Video-Einspielungen der Gates-Vernehmung litt der Office-Milliardär allerdings an mangelnder Phantasie und schwachem Gedächtnis - er könne sich nicht vorstellen, was damit gemeint gewesen sei. Auch eine E-Mail des Managers Todd Nielsen, in der dieser forderte, Sun Hindernisse in den Weg zu legen, wußte Bill Gates nicht zu interpretieren: "Ich weiß nicht, was das bedeutet."

Unter Druck geriet der Softwareriese aus Redmond zusätzlich durch Untersuchungen, die relativ steigende Ausgaben für Betriebssysteme ergaben. Die vom Wirtschaftsexperten Frederick Warren-Boulton vorgetragenen Ergebnisse zeigen, daß bei PCs die Kosten für das Betriebssystem im Vergleich zur Hardware von 1990 bis 1996 von 0,5 auf 2,5 Prozent angestiegen seien. In den letzten beiden Jahren habe sich dieser Betrag auf fünf Prozent verdoppelt. Der Ökonom referierte zudem eine Microsoft-Studie, die zum Ergebnis kommt, daß die Anhebung der Lizenzkosten für Windows von 49 auf 89 Dollar trotz geringeren Stückzahlenverkaufs insgesamt die höchsten Profite abwerfen würde.