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Ankuendigungswelle von PC-Herstellern Die Aufruestung auf Pentium koennte fuer Anwender mit Problemen enden

28.05.1993

MUENCHEN (jm) - Eine Ankuendigungswelle kommt auf die Anwender zu: Alle bekannten Systemanbieter zeigen Flagge und praesentieren erste Tisch- und Server-Systeme mit Intels Pentium-Prozessor - obwohl der 486-Nachfolger 1993 nur in sehr geringen Stueckzahlen verfuegbar sein wird. Unangenehme Ueberraschung darueber hinaus fuer Anwender, die in den vergangenen Monaten sogenannte aufruestfaehige Rechner gekauft haben: 90 Prozent dieser Systeme sind fuer Intels Pentium- Overdrive-Chip moeglicherweise ueberhaupt nicht geeignet.

Nach einer Untersuchung der Brokerfirma Donaldson, Lufkin & Jenrette aus New York soll lediglich jeder zehnte der als "Pentium-aufruestfaehig" deklarierten Rechner auch tatsaechlich von 486- auf Pentium-Niveau gehievt werden koennen.

Fuer die Leistungsspritze bedient sich Intel der Overdrive- Prozessortechnologie: Hierbei motzt man die Rechenleistung durch einen zusaetzlichen Prozessor auf, der anstelle der 486-CPU seinen Dienst versieht. Den hierfuer benoetigten zusaetzlichen Sockel integrieren viele Systemanbieter schon seit laengerem in ihre 486- Rechner - wie etwa Compaq beim Deskpro/M-Modell bereits ab September 1991.

Abgesehen davon, dass nach Aussagen von Intel Pentium-Overdrive- CPUs erst ab 1994 verfuegbar sein werden, sind Informationen ueber thermische Probleme, die im Zusammenhang mit dem auch als "P24T" bezeichneten Chip entstehen koennen, unbestritten.

Der Prozessor strahlt, bestaetigen auch Quellen aus dem Hause Intel, so viel Waerme ab, dass deren Ableitung zu einer technologischen Herausforderung wird.

Einige Hersteller werden mit der Aussage zitiert, die Hitzeentwicklung sei derart hoch, dass einzelne Komponenten schmelzen koennten. Frank Greer von NCRs Workstation-Division befuerchtet, dass auch Subsysteme - etwa Festplatten - durch die Hitzeemission des Prozessors in Mitleidenschaft gezogen wuerden.

Hinter den Kulissen schieben sich Intel und die PC-Hersteller gegenseitig die Schuld an den Problemen zu. Einerseits verlangt Intel von den PC-Fabrikanten, in einer Erklaerung zu versichern, sich genauestens an Intels Systemdesign-Kriterien gehalten zu haben. Erst dann erhalten die Unternehmen die Lizenz fuer den 238- Pin-Sockel, in den die Overdrive-Prozessoren gesteckt werden. Die Rechnerproduzenten verteidigen sich andererseits mit dem Argument, Intel habe nie besonderen Wert auf die genaue Umsetzung der Systemspezifikationen gelegt.

Informationen von Brancheninsidern besagen, dass Intel dem Dilemma nun mit einem neuen Overdrive-Prozessorsockel begegnen will, der lediglich 237 Pins besitzt. US-Prozessorguru Michael Slater zeigte fuer diesen Schachzug allerdings nur wenig Verstaendnis: "Dieser 237-Pin-Sockel ist eigentlich voellig unnoetig. Er stellt natuerlich keine Loesung fuer das Problem dar." Intels neue Spezifikation sei lediglich der Versuch, die PC-Hersteller ueber ein geaendertes Design wieder besser in den Griff zu bekommen.

Hersteller sollen gute

Kuehlung garantieren

Gefragt, wie Anwender denn sicherstellen koennten, bei "Pentium- aufruestbaren" Systemen spaeter keine boese Ueberraschung zu erleben, meinte Slater: "Man sollte sich beim PC-Hersteller versichern, dass er mit seinem Systemdesign auch wirklich zuverlaessige Kuehlmethoden garantiert."

Slater glaubt in dieser fuer Anwender recht fatalen Angelegenheit, dass vor allem gegenueber den Rechneranbietern Aufmerksamkeit geboten scheint. Vertritt er doch die Meinung, dass diese das Guetesiegel der Pentium-Aufruestbarkeit vor allem als Marketing- Argument verstanden haben.

Der britische Brancheninformationsdienst "Computergram" zitiert Dell, DEC, AST sowie ALR mit der Aussage, sie wuerden Intels Spezifikationen fuer die Kuehlung einhalten.

Abgesehen von den thermischen Unwaegbarkeiten daempfen Marktbeobachter zudem die jetzt anhebende Marketing-Euphorie um den Pentium-Chip mit dem Argument der nur sehr eingeschraenkten Verfuegbarkeit des 486-Nachfolgers. "Mit dem ganzen Marketing- Rummel wollen einige Hersteller nur Flagge zeigen und beweisen, dass sie zu denen gehoeren, die von Intel mit Pentium-Chips beliefert werden", meint etwa Richard Zwetchkenbaum, Analyst des Marktforschungsunternehmens International Data Corp. (IDC). Er schaetzt, dass 1993 nur 80 000 PCs mit der Pentium-CPU in den USA ausgeliefert werden. Ian Wilson von Intel gab an, dass man bis Ende 1993 mit rund 100 000 weltweit ausgelieferten Pentium-Maschinen rechnet, Ende kommenden Jahres erwarte man eine Million veraeusserter Systeme.

Um ihre Produktionskapazitaeten zu erhoehen, steht die Intel Corp. nach unbestaetigten Informationen mit der IBM in Verhandlungen. Der Pentium-Hersteller will moeglicherweise Fabrikationsstaetten von Big Blue nutzen koennen.

Ausserdem ruesten die US-Amerikaner eine Wafer-Fabrik in Leixlip, Irland, von der 486- auf die Pentium-Produktion um. Das 600- Millionen-Dollar-Projekt soll 1994 in der Lage sein, pro Woche 3500 Acht-Zoll-Wafer zu produzieren. Auf volle Produktionskapazitaeten hochgefahren, werde, so eine Intelsprecherin, der irische Produktionsstandort woechentlich 6000 Wafer herstellen.

Ferner ist in Rio Rancho im US-Bundesstaat New Mexiko ein weiterer, eine Milliarde Dollar teurer Produktionsstandort geplant. Er soll Anfang 1995 in Betrieb gehen.

Die Lieferengpaesse fuer den Pentium duerften dabei den Software- Entwicklern in die Haende spielen. Bekannt ist, dass heutige Applikationen auf dem neuen Chip zwar schneller laufen. Die Intel Corp. spricht im Vergleich zu ihrer momentan leistungsfaehigsten CPU (486DX2 mit 66/33 Megahertz Taktrate) von einer Verdoppelung der Rechengeschwindigkeit. Wirklich interessante Leistungssteigerungen sind aber erst dann zu erwarten, wenn die Softwarehersteller ihre Anwendungen durch Rekompilierung optimal auf die 32-Bit-Architektur des neuen Topprozessors abstimmen.

Pentium so teuer

wie RISC-Prozessoren

Allerdings, daempft Alex Morrow von der Lotus Development Corp. ueberzogene Erwartungen gleich wieder, wuerden 16-Bit-DOS-Windows- Anwendungen auch durch Rekompilierung nicht signifikant schneller.

Softwerker seien aber, so der Lotus-Mann, durch die Umstellung auf zeitgemaesse 32-Bit-Betriebssysteme wie Windows NT ohnehin gezwungen, ihre Produkte umzustricken. Es mache deshalb durchaus Sinn, auch Pentium-Scheduler-Code als Teil der Standardentwicklung fuer 32-Bit-Umgebungen in die Applikationen zu integrieren.

Auch der Preis fuer Pentium-Systeme wird im Blickpunkt des Interesses stehen: Nachdem die Intel Corp. PC-Herstellern das Plazet fuer Pentium-Ankuendigungen erteilte, veroeffentlichte sie auch erstmals offizielle Preisvorstellungen fuer den neuen Flagg- Chip: Mit der Power-CPU betritt Intel ein Preissegment, das bislang den hochpotenten RISC-Angeboten vorbehalten war. Die 60- Megahertz-Version wird bei 1000er Stueckzahlen 878 Dollar kosten, fuer die 66-Megahertz-Variante sind 965 Dollar zu berappen. Dies ist erheblich mehr als die 542 Dollar, fuer die der 486DX2-66 zu haben ist.

Der wesentlich leistungsfaehigere Mips-Prozessor R4400SC (150 Megahertz) ist je nach Produzent um die 1250 Dollar teuer, der im Vergleich zum Pentium aehnlich leistungsstarke Supersparc-Prozessor (40 Megahertz) liegt mit 999 Dollar im selben Bereich wie die Intel-CPU. Der momentan leistungsfaehigste Prozessor, DECs Alpha- Chip 21064 (150 Megahertz), schlaegt mit knapp 1100 Dollar zu Buche, soll aber laut brancheninternen Geruechten auch schon unter der 1000-Dollar-Grenze gehandelt werden.

Zum Hecht im Karpfenteich koennte sich das Gemeinschaftsprodukt Power-PC 601 von der IBM und Motorola entwickeln: Bei praktisch gleichen Leistungswerten, wie sie der Pentium bietet (60 Specint92/80 Specfp92 gegenueber 64,5 Specint92/56,9 Specfp92 der Intel-CPU), kostet die 66-Megahertz-Version des weniger als halb so grossen Power-PCs bei Abnahme von 20 000 Stueck nur 374 Dollar.

Analyst Slater errechnet daraus den ueblichen Preis pro 1000er Stueckelung von unter 470 Dollar fuer den Prozessor, der gemaess Vereinbarung mit der IBM von Motorola weltweit an jeden Abnehmer verkauft werden darf. (Zusammenfassung der diversen Pentium- Systemanbieter folgt.)

Ein Vergleich gaengiger RISC-Prozessoren mit dem Pentium-Chip zeigt, dass die Intel-CPU eine ausgewogene Rechenleistung bezueglich Integer- und Fliesskommaoperationen besitzt. RISC-Chips ueberzeugen vor allem bei arithmetischen Operationen.