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18.04.1997 - 

Die Computer-Service-Branche an der Börse

Anleger sollten sich öfter in die zweite Reihe begeben

In den vergangenen Monaten schnitt der Aktienindex für Unternehmen im Bereich Computer-Services, der sich im wesentlichen aus Titeln von US-Companies zusammensetzt, deutlich schlechter ab als breiter angelegte Technologie-Indices beziehungsweise der gesamte US-Aktienmarkt. Für die seit Mitte 1996 zu beobachtende unterdurchschnittliche Entwicklung dieses Sektors sind mehrere Ursachen zu nennen.

Zum einen fand im Laufe des vergangenen Jahres ein Favoritenwechsel der institutionellen Anleger hin zu Aktien mit höchster Volatilität statt. Infolge dieser Umschichtung wurde der eher defensive Technologiebereich Computer Services bei der Depotzusammensetzung niedriger gewichtet. Hinzu kam, daß das höchstkapitalisierte (über 20 Milliarden Dollar) Unternehmen der Branche, Electronic Data Systems (EDS), im Oktober 1996 eine Gewinnwarnung herausgab. Die für das Dezemberquartal berichteten Gewinne je Aktie blieben denn auch in der Tat hinter den Erwartungen zurück. Daraufhin wurden auch die optimistischen Gewinnerwartungen für andere Anbieter nach unten korrigiert. Folge davon waren ebenfalls sinkende Aktienkurse.

Insgesamt hat sich das Kurs-Gewinnverhältnis der Branche durch die Kurskorrekturen deutlich reduziert. Als Beispiel kann hier wieder der Outsourcing-Marktführer EDS herangezogen werden: Die Notiz verlor im Oktober 1996 als Folge der ausgesprochenen Gewinnwarnung binnen weniger Wochen das seit Mitte 1995 eroberte Terrain. Konkret: In der Spitze büßte die EDS-Aktie im Oktober 1996 über ein Drittel ihres Kurswertes ein. Auch gemessen am aktuellen Kurs ergibt sich noch eine Korrektur von mehr als 25 Prozent.

Da die Auftragseingänge in den Bereichen Outsourcing und Systemintegration auch im vergangenen Jahr zunahmen, kann man davon ausgehen, daß die für das generelle Wachstum der Branche sorgenden positiven Trends Bestand haben werden. Vor diesem Hintergrund bietet der Kursrückgang der EDS-Aktie eine Kaufgelegenheit. Für 1998 werden zudem 2,78 Dollar Gewinn je Aktie prognostiziert. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 16 - für die Texaner eine eher bescheidene Bewertung.

Ähnlich stellt sich die Sitaution beim Wettbewerber Computer Science Corp. (CSC) dar. Auch hier kam es zu einem - wenn auch moderateren - Kursrückgang. Von der Spitze über 80 Dollar fiel der Kurs der CSC-Aktie auf unter 70 Dollar. Die CSC-Anteilseigner haben damit per saldo seit Beginn vergangenen Jahres einen Kursverlust hinnehmen müssen. Der hohe Auftragseingang trägt aber zumindest das derzeitige Kursniveau. Bei für 1998 geschätzten 3,43 Dollar Gewinn pro Anteilsschein errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17, die Umsatzerwartung für das kommende Jahr liegt bei 4,7 Milliarden Dollar.

Per saldo verdienen konnten 1996 die Aktionäre von Automatic Data Processing. Da das Unternehmen mit seinen Geschäftsbereichen Employer- und Payroll-Services nicht direkt mit EDS vergleichbar ist, konnte sich die Notiz der Company in der Nähe ihrer "Tops" behaupten. Die Umsatzerwartung für 1998 liegt bei 4,5 Milliarden Dollar.

Die First Data Corp., mit 6,5 Milliarden Dollar Umsatz (Schätzung für 1998) die Nummer zwei der Branche, schnitt im vergangenen Jahr schlechter als der Durchschnitt aller US-Technologiewerte ab. Die auf Services für Kreditkartenunternehmen spezialisierte Company konnte zwar im Laufe des ersten Quartals 1996 ihren Unternehmenswert durch einen Kursanstieg der Aktie von gut 30 auf über 40 Dollar steigern, im vierten Quartal fiel die Notiz jedoch wieder auf 35 Dollar zurück. Mit geschätzten 1,90 Dollar Gewinn je Aktie für 1998 wird die First Data Corp. mit dem 19,2fachen Gewinn bewertet - was, gemessen am Gewinndurchschnitt der vergangenen Jahre, eher niedrig ist. Das anzunehmende weitere kräftige Wachstum der Company sowie die Möglichkeit, daß das Kurs-Gewinn-Verhältnis wieder heraufgesetzt werden könnte, machen den Titel attraktiv.

Zu den besten Performern der vergangenen zwei Jahre zählte die Aktie der National Data Corp. (NDC). Das schwerpunktmäßig in den Bereichen Finanzwirtschaft und Handel tätige Unternehmen konnte seit Anfang 1995 seinen Aktienkurs verdoppeln. Zum Jahresende erreichte die Notiz der mit einem Umsatz von 325 Millionen Dollar im Vergleich zu First Data deutlich kleineren Company einen neuen historischen Höchstkurs in der Nähe der 50-Dollar-Marke. Unter Druck kam der NDC-Kurs erst wieder im ersten Quartal 1997, als die Aktionäre Einbußen von rund zehn Dollar hinnehmen mußten.

Die Neuemmission The Sabre Group (TSG) wurde erst im vierten Quartal 1996 an der Börse eingeführt. Nach Kursen von deutlich über 30 Dollar hat sich der Wert der Notiz jetzt bei etwa 25 Dollar eingependelt. Sabre bietet im wesentlichen der Reise-, Luftfahrt- und Tourismusbranche zwei Service-Arten an: Einen elektronischen Marktplatz für Endverbraucher zur Buchung von Flugreisen, Hotels und Mietwägen sowie im weitesten Sinne DV-Lösungen (Software, Consulting, Systemintegration und Outsourcing) für Fluglinien und Reiseveranstalter.

1996 wurden etwa 43 Prozent der Flugbuchungen in den USA sowie 33 Prozent aller internationalen Flugreservierungen über Sabre abgewickelt. Auch in Europa erhöht sich der Marktanteil von Sabre überdurchschnittlich. Mit einem für die kommenden Jahre geschätzten jährlichen Wachstum von etwa zehn Prozent bei einem zugleich überproportionalen Gewinnanstieg stellt das Unternehmen ohne Zweifel eine Bereicherung des Börsenangebots im Bereich Computer Services dar.

Per saldo seitwärts bewegt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten der Aktienkurs von Sapient. Der Entwickler sogenannter Customized Software ist aber vor dem Hintergrund der Gewinnschätzung (80 Cent pro Aktie für 1997; 1,17 Dollar für 1998) auch auf dem gegenwärtigen Niveau (35 Dollar) verhältnismäßig hoch bewertet.

"Branchennachbar" Technology Solutions konnte hingegen seine Aktionäre 1996 durch eine Kursverdoppelung erfreuen. Der Anbieter von Management-, Consulting- und Systemintegration-Services sollte zudem auch 1997 den Ertrag je Aktie im Vorjahresvergleich verdoppeln können. Allerdings war auch diese Company ab Dezember 1996 nicht mehr in der Lage, sich dem allgemeinen Konsolidierungstrend der Branche zu entziehen. Der Kurs der Aktie fiel von 40 auf 27 Dollar.

Ganz unterschiedlich verlief die Entwicklung einiger kleinerer, auf spezielle Services ausgerichteter Spezialisten. Hier nur ein Beispiel: Dendrite, ein Software-Dienstleister für den Vertrieb der pharmazeutischen Industrie, mußte kräftig Federn lassen. Nachdem der Kurs - beginnend im vierten Quartal 1995 bis ins vierte Quartal 1996 hinein - kräftig von 15 auf deutlich über 30 Dollar gestiegen war, fiel die Aktie danach relativ abrupt auf neun Dollar. Der Kurssturz wurde ähnlich wie bei EDS durch eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal ausgelöst. Hintergrund der Gewinnenttäuschung war die verspätete Auslieferung angekündigter Software-Implementationen.

Ein gutes Börsenjahr erlebten 1996 die Aktionäre von Transaction Systems Architects. Der Anbieter von Electronic Fund Transfer Software akquiriert seine Kunden vorwiegend im Finanzdienstleistungsbereich. Nach einer Kursverdoppelung 1996 folgte jedoch auch hier die Korrektur auf dem Fuß. Noch im vierten Quartal fiel der Titel von über 40 auf 24 Dollar. Auf dem derzeitigen Niveau von 27 Dollar wird Transaction Systems mit dem knapp 30fachen des für 1997 geschätzten Gewinns bewertet - bei einem zu erwartenden Gewinnanstieg von 30 Prozent jährlich eine moderate Bewertung. Das Unternehmen verdient auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil es mehr als die Hälfte seiner Einnahmen außerhalb der USA erzielt und das internationale Geschäft doppelt so stark wie die US-Aktivitäten wächst.

Der größte börsennotierte europäische IT-Dienstleister, Cap Gemini, bereitete seinen Aktionären im vergangenen Jahr ausgiebig Freude. Der Kurs der Aktie verdoppelte sich und steigt seit Anfang 1997 weiter, zuletzt auf 359 Franc. Für 1997 werden 10,5 Franc Gewinn je Aktie geschätzt. Cap Gemini ist damit sehr hoch bewertet. Auslöser für den Kursanstieg war die Schaffung einer neuen Unternehmensstruktur. Zudem flammten ab Herbst wieder alte Gerüchte auf, die Daimler-Benz-Tochter Debis wolle ihren Anteil an Cap Gemini aufstocken. Dem steht jedoch derzeit noch der Bank Holding Company Act in den USA entgegen. Bei einem durchschnittluchen jährlichen Wachstum von 15 Prozent und den anstehenden DV-Großprokjekten (Euro, Jahr 2000) sollten sich auch die Erträge der Franzosen jedoch weiter überdurchschnittlich entwickeln können. so daß der Gewinn je Aktie allmählich an die Bewertung heranwachsen kann.

Fazit: Die zum Teil unterschiedliche Entwicklung einzelner Unternehmen im Markt für Computer Services sowie die im Vergleich zum gesamten Technologie-Segment schwache Tendenz des Branchenindex zeigt, daß Investoren trotz der Wallstreet-Hausse weiter ihre Hausaufgaben machen müssen. Insbesondere der Bereich der niedriger kapitalisierten Nebenwerte hat sich in den vergangenen Jahren deutlich schlechter entwickelt als die marktbreiten Standardwerte. Die in den Nachrichten präsenten Höchstkurse der bekannten Player spiegeln jedoch nicht unbedingt die tatsächliche Verfassung des Marktes wider. Immer noch gilt: Bei sorgfältiger Selektion lassen sich in allen Märkten und Branchen preiswerte Sondersituationen entdecken. In Kombination mit einer entsprechenden "Einkaufspolitik" der Verwalter großer Pensions- und Versicherungsfonds hat die Situation an den internationalen Börsen dieses Marktsegment betreffend jedoch zu einer Vernachlässigung der zweiten und dritten Reihe geführt.

ANALYSE

Welches IT-Marktsegment hat in den zurückliegenden zwölf Monaten welche Rolle auf dem internationalen Börsenparkett gespielt? Welche Companies zählten bei den Wallstreet-Analysten zu den Lieblingen, welche zu den Verlierern? Die COMPUTERWOCHE bringt in unregelmäßigen Abständen eine branchenspezifische Rückschau auf den Kursverlauf der Aktien der entsprechenden Hersteller und Anbieter. Nach einer Betrachtung der PC-Software-Branche (erschienen in CW Nr. 9 vom 28. Februar 1997, Seite 68) folgt nun das Marktsegment Computer Services.

*Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in München.