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03.11.1978 - 

Umfrage der Hamburger Handelsdienst GmbH bei DV-Erstanwendern:

Anpassungsaufwand bei "problemlosen Standardsoftwarepaketen" unterschätzt

HAMBURG (hz) - "Erfahrungen bei EDV-Installationen - Mittlere Datentechnik" war das Thema einer Umfrage, die die Hamburger Unternehmensberatung Handelsdienst GmbH im Frühjahr 1978 durchführte. Mit der Erhebung, an der sich 143 Mitgliedsfirmen des Arbeitgeberverbandes Groß- und Außenhandel e.V. (AGA) beteiligten, sollten Erfahrungen im Zusammenhang mit EDV-Installationen erfaßt und für spätere Investitionsvorhaben im DV-Bereich nutzbar gemacht werden. Die Handelsdienst GmbH weist darauf hin, daß in den Ergebnisbericht auch Erkenntnisse des Verbandes eingeflossen sind. Dieser bereitet zur Zeit ein Merkblatt für "Zielorientierte Ablaufplanung bei EDV-Installationen" vor, um den Entscheidungsprozeß im Unternehmen zu erleichtern und die Risiken zu mindern.

Die Auswertung zeigt, daß in den vergangenen zwei Jahren ein deutlicher Trend zur bildschirmorientierten Plattenanlage besteht: Bei 50 Prozent der beteiligten Unternehmen sind Plattenanlagen installiert, bei 22 Prozent Diskettenanlagen, bei 20 Prozent Magnetkontencomputer und bei den restlichen 8 Prozent Bandkassettenanlagen.

Der Anteil der Firmen, die ihre Anlagen kauften oder einen Miet- oder Leasing-Vertrag abschlossen, ist nahezu gleich hoch.

Die Kaufpreise lagen zwischen 50 000 und 250 000 Mark.

Die Software wird vom Hersteller mitgeliefert

Bei 50 Prozent der beteiligten Unternehmen wurde die Software vom Hersteller entwickelt, bei 42 Prozent von einem Softwarehaus, bei 8 Prozent von eigenen Programmierern. Aus diesen Zahlen - so die Handelsdienst GmbH wird deutlich, daß die Befürchtung mancher Anwender nicht begründet ist, ein Programmierer oder DV-Spezialist sei in jedem Fall erforderlich. Die meisten Probleme könnten mit Standardprogrammen abgedeckt werden, in denen die individuellen Anforderungen des Anwenders berücksichtigt werden.

Wenn der Einsatz von Standardprogrammen nicht möglich oder sinnvoll erscheine, sei es in der Regel wirtschaftlicher, auf das Angebot eines der etwa 300 Softwarehäuser zurückzugreifen, bevor "ehrgeizige Eigenentwicklungen" durchgeführt werden. Des weiteren berichtet die Handelsdienst GmbH, daß die Softwarekosten bei MDT-Anlagen nur in Ausnahmefällen mehr als 50 Prozent der Hardwarekosten betrugen. Die Mehrzahl der Nennungen lag zwischen 25 und 40 Prozent der Hardwarekosten. Es zeichne sich jedoch - bedingt durch den Hardware-Preisverfall - der Trend zu einem wachsenden Anteil der Softwarekosten an den Gesamtkosten ab.

Die Unternehmensberatung betont, daß auch die Höhe der Wartungskosten einen erheblichen Einfluß auf die Relation Software- und Hardwarekosten haben kann: Besonders kritisch solle der Einfluß der Wartungskosten beim Einsatz von gebrauchten MDT-Anlagen geprüft werden.

Des weiteren sollte bei künftigen Installationen dem Softwarebereich wesentlich größere Beachtung als in der Vergangenheit geschenkt werden. Dies gelte besonders, wenn "problemlose Standardsoftwarepakete" an die individuellen Anforderungen eines Unternehmens angepaßt werden müssen.

Anforderungskatalog als Vertragsgrundlage nicht brauchbar

Etwa 72 Prozent der Befragten geben an, daß dem Hersteller ein detaillierter

Anforderungskatalog übergeben wurde. Der von den Unternehmen aufgestellte Detaillierungsgrad für Hard- und Software-Anforderungen kann - so die Handelsdienst GmbH - in der Regel nur als grober Orientierungsrahmen angesehen werden und ist deshalb als Vertragsgrundlage nicht brauchbar. Wer Risiken bei EDV-Installationen mindern wolle, müsse darauf drängen, daß der Anforderungskatalog zum Vertragsbestandteil wird. Die Erhebung zeigt jedoch, daß diese wichtige Forderung nur von nahezu der Hälfte der befragten Firmen durchgesetzt wurde.

Fast 40 Prozent der Teilnehmer gaben an, daß durch Fehleinschätzungen des Herstellers oder des Softwarehauses die installierte Anlage nachträglich aufgerüstet werden mußte. Diese Zahl sollte jedoch relativiert werden, weil nach Ansicht der Unternehmensberatung sehr häufig der Anforderungskatalog wegen mangelnder Erfahrung des Anwenders nicht detailliert ausgearbeitet wurde. In einzelnen Fällen mögen auch verkaufspolitische Motive dazu geführt haben, daß zunächst ein relativ kleines und daher preiswertes System eingesetzt wurde. Bei einem Drittel der befragten Anwender reichte jedoch die gewählte Konfiguration wegen zusätzlichen eigenen Anforderungen nicht mehr aus.

Softwareprobleme werden oft unterschätzt

Bei der Auswahl der Anlage, der Erstellung von Programmvorgaben sowie bei der Übewachung der Einführung arbeitete mehr als ein Drittel der Firmen mit einem herstellerunabhängigen Berater. Besonders aufschlußreich - so die Handelsdienst GmbH -sind Antworten hinsichtlich der Terminabweichung. Wesentliche Terminabweichungen ergaben sich für

- Hardware bei 15 Prozent der Befragten

- Software bei 40 Prozent der Befragten

- Erstverarbeitung bei 46 Prozent der Befragten

Nach Ansicht der Unternehmensberatung werden hierbei besonders die Probleme der Softwareentwicklung unterschätzt. Sie rät daher den EDV-Neulingen, mit realistischen Zeitvorgaben für die einzelnen Phasen der EDV-Einführung zu arbeiten, um sich gegen "unsichtbare Folgekosten abzusichern.

Planung tut not

Zwei Drittel der befragten Unternehmen sind mit der Leistungsfähigkeit der Hardware zufrieden. Bei der Software sind es nur noch 50 Prozent. Völlig unzufrieden mit der gelieferten Hardware sind 12 Prozent der Firmen, mit der Software 20 Prozent. Den hohen Prozentsatz der Negativ-Antworten fuhrt die Handelsdienst GmbH darauf zurück, daß in den betreffenden Unternehmen die Planung nicht gründlich genug durchgeführt wurde. Bei EDV-Installationen im MDT-Bereich solle durchschnittlich ein Jahr vor der Installation mit den Vorbereitungen begonnen werden. Analog zu den Ergebnissen über die Leistungsfähigkeit der Anlagen sind die Negativ-Abweichungen bei den Kosten für Hard- und Software: 15 Prozent der Befragten bezeichnen die Kostenabweichungen bei der Hardware als wesentlich, bei der Software sind es 23 Prozent.

Für aufschlußreich hält die Hamburger Unternehmensberatung den hohen Prozentsatz der Firmen, die betonten, daß sie die Schwierigkeiten vor der Umstellung unterschätzt hätten. Die Befürchtung, daß die anfänglichen Widerstände der Mitarbeiter gegen die Einführung der EDV nicht abgebaut werden könnten, habe sieh als nicht haltbar erwiesen.

Quelle: "Erfahrungen bei EDV-Installationen - Mittlere Datentechnik" (Erhebung der Handelsdienst GmbH, Kurze Mühren 2, 2000 Hamburg 1, Tel 040/33 71 97).