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07.05.1976

Anpassungsaufwand bei Standard-Software-Paketen

Peter Pfeifer, Leiter der System- und Anwender-Programmierung Landeszentralbank Bayern Hauptverwaltung München

Gründe wie Wettbewerbsfähigkeit, Rationalisierung, Kosteneinsparung und die Notwendigkeit, die zur Verfügung stehenden Hardware- und Personalkapazitäten besser auszunützen, zwingen viele Unternehmen neben den klassischen Arbeitsgebieten wie z. B. Lohn, Buchhaltung etc. weitere Arbeitsgebiete mittels EDV abzuwickeln.

Gegen Eigenentwicklungen der anstehenden Probleme sprechen jedoch die zu erwartenden Übernahmekosten sowie mangelnde Personalkapazitäten und gestiegene Lohnkosten, um nur einige wesentliche Gründe zu nennen. Während die EDV-Hersteller ihre Kapazitäten in erster Linie auf die Entwicklung von Betriebssystem-Software konzentrieren, wird das fast unbegrenzte Arbeitsfeld der Standard-Software zumeist von Software-Häusern, Hochschulinstituten und von kapazitätspotenten Anwendern beherrscht. Das Angebot ist dementsprechend groß, die fehlende Transparenz erschwert jedoch dem Suchenden die Entscheidung zur Auswahl eines bestimmten Programmpaketes. Das Ziel, daß sich die Kosten für Standard-Software-Pakete durch wirtschaftlich wesentlich höher liegende Rationalisierungserfolge auszahlen sollen, kann nur durch ein gutes Auswahlverfahren sichergestellt werden.

Ein Standard-Software-Paket muß in den meisten Fällen in eine bestehende Organisationsform eingegliedert werden. Es erhebt sich somit die Frage: Wie hoch ist der dafür notwendige Anpassungsaufwand?

Die rechtzeitige Klärung dieser Frage sei jedem Software-Suchenden angeraten, denn selbst ein "Super-Software-Paket" kann sein bisher gutes Image verlieren (und hauptsächlich auch der, der es ausgewählt hat), wenn sich später herausstellt, daß die Anpassung nur durch einen enormen Kapazitäteneinsatz durchgeführt werden kann.

Von einigen Software-Herstellern wird der Anpassungsaufwand oftmals als einmalige Angelegenheit dargestellt und in den Dokumentationen und Werbeprospekten zu Standard-Software-Paketen imponieren zuweilen solche Worte wie "totale Dynamik und Anpassungsfähigkeit". Sie sind grundsätzlich richtig, wenn sie in den richtigen Relationen gesehen werden. Tatsächlich ist der Anpassungsaufwand in der Implementierungsphase relativ groß - und auch in der Einsatzphase der Programme in gewissem Umfang ständig vorhanden.

Den Software-Hersteller nach dem Anpassungsaufwand vor dem Einsatz seines Programm-Paketes zu befragen ist notwendig, ein Urteil über den tatsächlichen Anpassungsaufwand sollte sich der Anwender jedoch selbst bilden. Allgemeingültige Aussagen über den Anpassungsaufwand bei Standard-Software-Paketen lassen sich nicht machen, denn dieser hängt von dem jeweiligen Problem und der Einsatzumgebung ab. Ferner von der Intensität, mit der der Anwender an die von ihm zu erbringenden Vorleistungen herangeht. Es gibt jedoch bestimmte grundsätzliche Faktoren, die gewisse Aussagen über den Anpassungsaufwand allgemein geben.

Dazu muß unterschieden werden, ob es sich bei dem entsprechenden Standard-Software-Paket um eine "individuelle" Lösung handelt oder um eine "universelle". Der Anpassungsaufwand bei der individuellen Lösung ist relativ gering, da dieses Programm-Paket für eine bestimmte Konfiguration und ein bestimmtes Problem erstellt wurde. Es läßt sich im allgemeinen leicht implementieren, da keine Benutzeranpassung mehr vorgenommen werden muß, beziehungsweise vorgenommen werden kann. Und hier liegt aber auch der Nachteil des "individuellen" Standard-Software-Pakets - der Anwender erhält ein starres Programmsystem, das er seiner Organisationsform nicht anpassen kann, vielmehr muß er seine Organisation dem Programm-Paket anpassen. Als Folge können solche starren Anwendungen, hauptsächlich dann, wenn mehrere dieser "individuellen" Programmpunkte im EDV-Betrieb eingesetzt werden, organisatorisch in eine Sackgasse führen. Sie behindern zudem einen flexible und damit effektiven Einsatz der Hardwarekapazitäten.

Deshalb ist diese Art von Standard-Software meines Erachtens eine schlechtere Alternative.

Diese Aussagen treffen bei den "universellen" Lösungen von Standard-Software-Paketen, die nach den Grundsätzen der modernen Programmiermethoden (Strukt. Prog., Modulare Prog. etc.) aufgebaut wurden, nicht zu. Der Anpassungsaufwand bei Standard-Software-Paketen hängt deshalb sehr von dem strukturellen Aufbau der Programm-Pakete ab.

Dieser Aufbau schafft eine wesentliche Voraussetzung für einen einigermaßen vertretbaren Anpassungsaufwand. Ein starker Trend in Richtung Modularisierung bis hin zu Einzelfunktionen ist bei den Herstellern von Standard-Software-Paketen seit längerer Zeit erkennbar. Die Praxis läßt hier jedoch noch viele Wünsche offen.

Einige grundsätzliche Faktoren, die den Anpassungsaufwand beeinflussen, sind z. B. die Integrationsmöglichkeiten von bestehenden Programmen in das Gesamtkonzept eines Standard-Software-Paketes sowie die Generierungsmöglichkeiten des vom Benutzer gewünschten Systems aus dem angebotenen Programmspektrum eines Standard-Software-Paketes. Der Anpassungsaufwand wird erheblich erleichtert, wenn der Anwender z. B. durch Parameterdefinition die Generierung vornehmen kann bzw. Ergänzungen und Änderungen in das System einfügen (Benutzerexits) und es somit für seine speziellen Anforderungen zuschneiden kann.

Die Implementierung wird überproportional verlängert, wenn zur Erweiterung oder Modifikation des entsprechenden Standard-Software-Paketes auf eine Programmiersprache zurückgegriffen werden muß, mit der im Hause bisher nicht gearbeitet wird. Wie schon angedeutet, ist die Anpassung eines Standard-Software-Paketes an die bestehende Organisationsform zumeist sehr problematisch. Hier schafft nur ein in höchstem Maße flexibel aufgebautes Software-Paket den nötigen Gleichlauf zu bestehenden Anwender- und Systemkomponenten.