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06.07.2001 - 

Server out of the box

Anstöpseln und vergessen

MÜNCHEN (hi) - Ein Ende der TCO-Debatte versprechen die Hersteller von Appliance-Systemen. Out of the box sollen diese Geräte Aufgaben wie Web-Hosting, Mail-Versand, Caching oder Firewall-Schutz schneller und kostengünstiger erledigen als die bislang üblichen Allzweckmodelle vom Format eines Windows-Servers.

Für die einen ist der Siegeszug der elektronischen Kommunikationsmittel wie Internet und E-Mail ein Segen, für die anderen ein Fluch: Die IT-Abteilungen befinden sich in einem ständigen Aufrüstungswettlauf, um der wachsenden Flut an E-Mails und Webpages Herr zu werden. Im Klartext heißt das: Neben den alltäglichen Wartungsarbeiten wie Software-Upgrades etc. sind diese General-Pur-pose-Server etwa mit mehr RAM, Festplattenspeicher oder Rechenleistung auszubauen oder gar gleich leistungsfähigere Plattformen anzuschaffen.

Arbeiten, die für die Unternehmen ins Geld gehen, zumal leistungsstarke Server trotz sinkender Hardwarepreise nicht billig sind. Doch neben den direkt sichtbaren Ausgaben für Hard- und Software wartet auf die Firmen noch ein weiterer Kostenfaktor: Die stetig wachsenden Server-Farmen benötigen fachkundiges Personal zur Wartung. Und dies kommt teuer, denn wegen ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit erfordern moderne Server-Plattformen wie Windows, Netware oder Suns Sparc Spezialisten, die sich mit den Untiefen und Fallstricken der Betriebssysteme und Programme auskennen.

Muss das sein? Nein. Eine derzeit noch kleine Schar an Herstellern verspricht den Tritt auf die Kostenbremse. Ihren Marketing-Sprüchen wollen Produzenten wie Cobalt Networks, Rightvision, Network Appliance, Mirapoint oder aber prominente Player wie etwa Nokia, um nur einige zu nennen, mit so genannten Internet-Server-Appliances Taten folgen lassen. Damit sind Geräte gemeint, welche die Anbieter vor vornherein für bestimmte, festgelegte Einsatzzwecke konzipiert haben. Für solche Produkte versprechen die Hersteller eine schnelle Inbetriebnahme ohne langwierige Installations- und Konfigurationsarbeiten. Die Liste der möglichen Applikationen reicht dabei vom Web-Seiten-Hosting über E-MailSysteme und File-Caching bis hin zu Firewall-Lösungen.

Einfach und faszinierend

Das Konzept, das sich dahinter verbirgt, klingt ebenso einfach wie faszinierend: Man nehme einen nicht mehr ganz aktuellen Intel-Prozessor der Pentium-Klasse mit 300 bis 400 Megahertz Taktfrequenz, weitere Standardkomponenten wie Motherboards, Arbeitsspeicher und Festplatten und verpacke alles in eine Black Box, so dass der Anwender mit der darunter liegenden Technik nicht in Berührung kommt. Server-Appliances nach dieser Bauart sollen dann bereits für knapp unter 1000 Dollar zu erhalten sein.

Bis hierhin ist diese Vision eigentlich nichts Neues. Seit Jahren propagiert das Linux-Lager die Idee, mit Hardware, die nicht dem neuesten Stand entspricht, und einem Freeware-Betriebssystem kostengünstige Server aufzubauen. Nur hatten und haben die Linux-Verfechter dabei mit einem Problem zu kämpfen: Genau wie bei den Allzweck-Server-Plattformen ist auch das Aufsetzen und Warten eines Linux-Servers nicht ganz trivial, muss doch der Anwender noch viel Arbeit in das Feintuning stecken. Arbeiten, die wiederum teure Personalressourcen binden. Und genau hier unterscheiden sich die Appliance-Hersteller von den Linux-Jüngern. Sie bedienen sich abgeleiteter, abgespeckter Varianten von Linux oder BSD, die an den jeweiligen Einsatzzweck angepasst wurden. Darauf setzen die Hersteller dann die eigentliche Applikationssoftware auf, so dass der Anwender lediglich seine IP-Adressen und noch - etwa im Fall eines Mail-Systems - die Accounts der Benutzer einrichten muss.

Sicher gegen Hacking-Versuche

Diese Vorgehensweise, bei der der Anwender nicht mit dem darunter liegenden Betriebssystem in Berührung kommt, hat für Dietmar Stommel, verantwortlich für die Systembetreuung bei Netcologne, noch einen weiteren Vorteil: "Ein Appliance-System ist sicherer, da es für diese proprietären, geschlossenen Systeme im Gegensatz zu Unix oder Windows nicht an jeder Ecke im Internet Hacking-Tools gibt." Galt der Begriff "proprietär" in der Diskussion um offene Server-Standards lange Zeit als Schimpfwort, so preisen die Appliance-Anbieter gerade diese Geräteeigenschaft als Vorteil an, da es sich um geschlossene Systeme handle. "Durch den proprietären Aufbau sind wir in der Lage, Devices zu entwickeln, deren Leistung für einen einzigen Einsatzzweck optimiert ist", erklärt etwa Jörg Bonarius, Director Solution Provider Business Europe beim Mail-Appliance-Hersteller Mirapoint.

Der Ansatz, für spezielle Dienste optimierte Boxen zu vermarkten, ist jedoch nur eine Spielart. Anbieter wie beispielsweise Rightvision, München, gehen einen anderen Weg. Der Produzent verspricht mit seiner "Eye-Box One" eine Komplettlösung für mittelständische Unternehmen in Sachen Internet. Hierzu hat die Company Dienste wie Web-Hosting, E-Mail oder Virtual Private Networking (VPN) in einer Black Box integriert.

Marktpositionierung

Angesichts dieser unterschiedlichen Positionierung tun sich die Hersteller schwer, ihre Zielgruppen konkret zu spezifizieren. Während Rightvision mit seiner kleinen Appliance- Lösung bereits Mittelständler mit rund 200 Clients als Zielgruppe sieht, will man sich bei Mirapoint nicht auf eine typische Unternehmensgröße festlegen. Bonarius sieht die potenziellen Appliance-Anwender für seine Produkte eher bei Unternehmen und Service-Providern mit starkem Mail-Aufkommen, die zudem auf eine hohe Ausfallsicherheit Wert legen.

Besonders deutlich wird das Dilemma in Sachen Zielgruppen und Anwendungsgebiete am Beispiel Sun. Der Hersteller vermarktet nämlich zum einen mit seinen Sparc-Rechnern typische Allzweck-Server, zum anderen aber über die im September 2000 gekaufte Tochter Cobalt Networks auch Internet-Server-Appliances. Auf die Frage nach der konkreten Positionierung der Produkte gerät die Antwort zum Eiertanz. So preist Sun etwa den "Cobalt Cube 3" als leistungsfähigen Server an, der Java-, CGI- und Perl-tauglich sowie für den Mail-Einsatz geeignet ist. Auf der anderen Seite empfiehlt der Hersteller bereits dem Mittelständler, der eine flexible, universelle Lösung wünscht, die teureren Sparc-Server. "Letztlich ist der Cube", begründet Carsten Müller von Sun den Spagat zwischen Appliance und Sparc-Server, "nicht für Internet-Sites mit mehreren Millionen Seitenzugriffen pro Tag konzipiert."

Auf der anderen Seite erfreuen sich die Server-Appliances laut Sun aber gerade bei Internet-Providern einer immer größeren Beliebtheit. Sie verwenden die Black Boxes für das Server-Housing, um ihren Kunden statt virtuellem Diskspace dedizierte Server zu offerieren. Auf diesen können die Benutzer dann ihre Shopping-Lösungen und andere eigene Anwendungen realisieren. Hierbei sticht wieder das Argument der einfachen Administration, da die Appliances für die Service-Provider kaum Wartungsarbeit bedeuten und die Kunden per Browser im Fernzugriff die darauf laufenden Applikationen pflegen können.

Wegen der verschiedenartigen Einsatzgebiete sind Server-Appliances unterschiedlich teuer. So erstreckt sich das Preisspektrum von einfachen Geräten für unter 1000 Dollar bis in die Preisregionen klassischer Server. Im Highend-Bereich erhält der Anwender dann allerdings auch Geräte mit redundanter Stromversorgung, schnellen Fiber-Channel-Festplatten mit Raid 1 und 5 sowie einem Gigabyte Arbeitsspeicher.

Marktforscher prophezeien Boom

Doch selbst Appliances in diesen Preisregionen rechnen sich nach einer Studie des Marktforschungsinstituts IDC ("Where is the market for Internet-Server-Appliances in Western Europe") noch für den Anwender. Er bekommt dafür nämlich, so die Analysten, ein robustes und einfach zu administrierendes System. Überzeugt von diesem Ansatz, prognostizieren die Marktforscher steigende Absatzzahlen. Im Jahr 2004 stehen laut IDC 1744000 verkauften General-Purpose-Servern 742000 vermarktete Appliances gegenüber.

Während sich die Einsatzgebiete der verschiedenen Black Boxes unterscheiden, schlagen die Hersteller beim Management ihrer Devices wieder ähnliche Wege ein. Die Administration dieser geschlossenen Systeme erfolgt über einen Web-Browser, einen Java-fähigen Client oder für die Verächter grafischer Benutzer-Interfaces über eine Command Line Interface (CLI). In der Regel bleibt der Benutzer bei der Verwaltung der Appliances von dem darunter liegenden Betriebssystem abgeschottet. Um den Anwender jedoch nicht vollständig zu entmündigen, bietet ein Teil der Produzenten noch einen so genannten Expertenmodus. Hier kann der Spezialist dann im Einzelfall bis auf die Betriebssystem-Ebene hinuntergehen und an der vorkonfigurierten Plattform ein Fein-Tuning vornehmen, falls er mit den Standardeinstellungen unzufrieden ist. Ein Feature, das allerdings die wenigsten Anwender nutzen dürften, denn Systembetreuer wie Stommel bei Netcologne schätzen an den Appliances ja gerade, dass die umfangreichen Konfigurationsarbeiten entfallen.

Konkurrenz für Microsoft und Co.?

Angesichts der genannten Vorteile müssten eigentlich auf die Hersteller klassischer Server-Plattformen wie etwa Microsoft, Sun und Novell magere Zeiten zukommen. Doch die Softwarehäuser sehen der neuen Konkurrenz gelassen entgegen. Zwar räumt etwa Microsoft den Appliances durchaus eine Daseinsberechtigung als einfache Mail-Server ein, verweist aber gleichzeitig darauf, dass man mit SBS (Small Business Server) und Bundles ebenfalls Out-of-the-box-Lösungen anbiete, die einfach zu installieren und betreiben seien. Zudem hält Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner den Ansatz "One size fits all" für problematisch. Gerade im E-Commerce-Bereich, so argumentiert er, seien individuelle Lösungen gefragt, um die eigene Business-Logik zu realisieren, denn kaum einem Anbieter könne an einem uniformen Web-Auftritt gelegen sein. Darüber hinaus zweifelt man bei Microsoft an der Skalierbarkeit der Appliance-Plattformen. Hier eröffne das hauseigene Windows dem Anwender mehr Optionen: Nämlich Leistungsteigerung in Form von Mehrprozessor-Maschinen sowie das Auslagern in Form von Server-Farmen, die dem Anwender neben mehr Leistung auch eine höhere Ausfallsicherheit bieten würden.

Die Kritik, es fehle den Appliances an Skalierbarkeit, hält Bonarius für nicht ganz nachvollziehbar, "denn es ist kein Problem, mehrere Appliance-Server in den Racks zusammenzuschalten". Ferner habe der Anwender den Vorteil, dass er das OSI-Schichtenmodell in einem Rack logisch und physikalisch nachbilden könne, indem er in den unteren Teil des Racks Router und andere Netz-Devices der niedereren Netzschichten installiert und darüber die Caching-, Firewall- oder Mail-Systeme der oberen OSI-Schichten.

Dass der Gedanke der modularen, miteinander verknüften Server-Appliances, die ohne teures IT-Personal zur Administration auskommen, durchaus seinen Charme hat und eventuell ein Trend der nahen Zukunft sein könnte, zeigt eine weitere Entwicklung: Bekannte Hardwarehersteller wie etwa Compaq befassen sich bereits intern mit demThema und arbeiten an entsprechenden Produktstrategien. Und Dell hat erst jüngst eine "Oracle 8i-Appliance" auf Basis des "Dell Poweredge 6450 Servers" vorgestellt.

Ausgewählte Server-Appliances

Vom Caching-System über Firewalls, Web- und Mail-Server bis hin zu VPN-Servern reicht das Angebot an Appliance-Servern. Die folgende Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vor allem einen Eindruck vom Leistungsspektrum der Appliance-Systeme vermitteln.

Auf eine spezialisierte Appliance für ein eng umgrenztes Einsatzgebiet setzt Dell, wobei Puristen der Appliance-Definition Dells Sprößling wohl eher im Bereich der Bundles ansiedeln. Das Unternehmen hat mit der "Dell Poweredge Oracle 8i Appliance" ein Paket zum Einsatz von Internet-Datenbanken in Unternehmen entwickelt. Zu den Softwarekomponenten zählen die Oracle 8i Database Engine, der Web-Enabling-Server, Oracle-Portal-Applikationen und die Oracle Enterprise Manager Suite. Hardwareseitig verfügt der Server über umfangreiche Administrationsfunktionen und lässt sich mit bis zu vier Pentium-III-Xeon-Prozessoren von Intel, 2 MB L2-Cache und 8 GB Arbeitsspeicher konfigurieren.

Ein ganze Appliance-Familie offeriert die Sun-Tochter Cobalt Networks Inc.: Das Angebot reicht vom Einstiegsmodell "Cube" über Caching-Systeme wie "Cache Raq 4" bis hin zum Rack-basierten Server "Raq XTR". Während die Caching-Systeme dafür konzipiert sind, die Netzauslastung durch die lokale Speicherung von Internet-Seiten zu verringern und so den Zugriff zu beschleunigen, dienen die Server-Appliances als Plattform für Websites und Web-Applikationen sowie den Mail-Versand. Dabei wartet bereits die "Cube 3" mit Funktionen wie PPPoE für DSL-Verbindungen auf und unterstützt CGI-, Perl-, PHP-Scripting, Interbase 6, My SQL, Postgre-SQL-Datenbanken sowie Frontpage-2000-Server-Extensions. Zudem beherrscht das Einstiegsmodell LDAP zum Import und Export von User-Daten.

Den Ansatz, Appliances für dedizierte Lösungen zu verwenden, verfolgt Mirapoint. Das Unternehmen vermarktet etwa mit seiner Produktfamilie aus "M200", "M300", "M2000" und "M3000" spezialisierte Message-Systeme für Service-Provider und mittlere bis größere Unternehmen. Preislich sind diese Produkte eher in den oberen Regionen angesiedelt, da der Hersteller großen Wert auf die Ausfallsicherheit legt und RaidSysteme, Fiber-Channel-Festplatten sowie redundante Stromversorgungen verbaut.

Auf eine Komplettlösung für Web-Hosting, E-Mail und VPN setzt auch Rightvision mit seiner "Eyebox". Die "Eyebox One" ist für den Einsatz in kleineren und mittelständischen Unternehmen konzipiert. Das Produkt kann laut Anbieter entweder als Komplettlösung zur Abwicklung aller relevanten Internet-Dienste oder als Modullösung für spezifische Services eingesetzt werden. Mit der "Eyebox Pro" wendet sich Rightvision dagegen an ISPs und Netzbetreiber, die eine unkomplizierte Web-Hosting-Lösung suchen. Beide Produktversionen laufen unter dem Betriebssystem Linux Red Hat. Der Zugriff auf die Internet-Appliances ist über jeden beliebigen Browser möglich. Die Appliances beinhalten unter anderem einen Router, VPN-Gateway, eine Firewall (NAT, IP-Paketfilter), einen Apache-Web-Server, E-Mail (auf Basis von SMTP, POP 3, Imap 4), DNS, FTP sowie einen File-Server. Die LAN-Anbindung erfolgt über zwei Ethernet-Anschlüsse mit 10/100-Mbit/s-Übertragungskapazität, während die WAN-Anbindung über ISDN, DSL oder Standleitung realisiert werden kann. Das Herzstück der Rightvision-Geräte bildet ein Intel-Celeron-Prozessor.

Eine Firewalll mit "demilitarisierter" Zone bietet der Augsburger Hersteller Linogate mit seiner Black Box "Defendo" an. Nach Angaben der Augsburger lässt sich mit dem Gerät eine Pufferzone zwischen LAN und Internet einrichten. In diesem überwachten Teilnetz könnten dann Web-Shops, Mail-Server oder E-Commerce-Lösungen installiert werden, ohne die Sicherheit des eigenen Intranet zu gefährden. Die Appliance übernimmt dabei die Funktion eines externen sowie internen Routers.

Abb: Der Server- und Appliance-Markt in Westeuropa 1998-2004

Einen steigenden Stellenwert gewinnen die Appliances in den nächsten Jahren gegenüber den Allzweck-Servern. Quelle: IDC