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05.04.2002 - 

Telecom-Markt/Mit Multimedia Messaging und dem Trägerdienst GPRS auf dem Weg zu UMTS

Anstoß zur neuen Mobilfunkzukunft

Die dritte Mobilfunkgeneration UMTS steht vor der Tür. Damit sie ein Erfolg wird, müssen die Verbraucher schnell an künftige mobile Dienste herangeführt werden. Entscheidende Bedeutung als Wegbereiter kommt dabei dem SMS-Nachfolger Multimedia Message Service (MMS) sowie der Trägertechnik General Radio Packet Service (GPRS) zu.

Dienstag, 11. Juni 2002, Shizuoka Stadium, Japan: Für die deutsche Fußballnationalmannschaft schlägt die Stunde der Wahrheit. Sie tritt im entscheidenden Vorrundenspiel der Gruppe E bei der Fußball-WM gegen Kamerun, den Sieger des Afrikacups, an. In Deutschland ist es 13.30 Uhr - für viele Fußballfans Arbeitszeit, kein Fernsehapparat vorhanden.

13.51 Uhr: Elfmeter für Deutschland. Mehmet Scholl läuft an. Harter, platzierter Schuss in den rechten Torwinkel. 1:0.

13.52 Uhr: Noch während die deutschen Spieler sich in den Armen liegen, bekommen Abonnenten des Service "WM 2002 - mobil dabei" das Tor als Videostream auf ihr Handy übertragen. Für die wichtigsten Spielszenen ist somit gesorgt, der Sportfreund kann leichter verschmerzen, nicht zu Hause im Fernsehsessel, sondern im Büro zu sitzen.

Erneuter Marketing-Rummel auf der CeBITUtopie ist dieses Szenario nicht. Zur WM in diesem Jahr wird es allerdings noch nicht klappen, auch wenn die Netzbetreiber und Gerätehersteller eifrig bemüht sind, für den Mobilfunk ein rosarotes, multimediales Zukunftsbild zu malen. Auf der CeBIT überschlugen sie sich förmlich mit Ankündigungen, Trailern und Animationen, die sowohl Privat- als auch Geschäftskunden einen Vorgeschmack auf künftige mobile Anwendungen gaben. Die kommende dritte Mobilfunkgeneration Universal Mobile Telecommunications System (UMTS), auch 3G genannt, lässt grüßen.

Doch zwischen Messeschein und Realität liegen Welten. Die meisten gezeigten Anwendungsbeispiele dürfen getrost noch als Mogelpackungen bezeichnet werden, weil sie unter Laborbedingungen ablaufen. Im Klartext heißt das: Sie suggerieren vor allem Bandbreite satt. Davon kann heute im Mobilfunk jedoch nicht die Rede sein. Der zügige Transfer bandbreitenhungriger Applikationen sowie Audio- und Videoclips aufs Handy, Smartphones oder anderer Kombigeräte - wie zum Beispiel die geschilderte Fußballsequenz - bleiben vorerst Zukunftsmusik, die maximale UMTS-Transferrate von 2 Mbit/s ohnehin graue Theorie.

Wieder einmal scheint die Branche ihrer Zeit voraus, wie auch vor zwei Jahren, als sie großmundig die Einführung des Datentransferstandards General Packet Radio Service (GPRS, siehe Kasten "GPRS - die Technik") für den Herbst 2000 ankündigte. Es war, nach ähnlichen Erfahrungen mit dem Wireless Application Protocol (WAP) zuvor, keine Überraschung, dass sich der Zeitplan als Makulatur erwies. Zum einen verzögerte sich die Aufrüstung der Netze bis ins Frühjahr 2001, zum anderen ließen erste GPRS-fähige Endgeräte sogar bis zum Herbst letzten Jahres auf sich warten.

GPRS - eine weitere Totgeburt?Kein Wunder also, dass GPRS bisher weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Dabei wird der Dienst von den Carriern insbesondere nach der 50 Milliarden Euro teuren UMTS-Auktion im Sommer 2000 mit großen Vorschusslorbeeren bedacht und als Vorbote von 3G gepriesen. Die Prognosen, schon 2001 nennenswerte Umsätze mit GPRS zu generieren, erwiesen sich jedoch als krasse Fehleinschätzung. Auf Umsatz- und Teilnehmerzahlen von GPRS angesprochen, hüllen sich die vier deutschen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und Viag Interkom, das ab 1. Mai O2 heißen wird, vornehm in Schweigen. Einzig T-Mobile nannte die Zahl von 100000 Nutzern. In der offiziellen Sprachregelung werden GPRS und WAP gemeinsam mit dem Erfolgsdienst Short Message Service (SMS) geschickt unter der Rubrik Datendienste verpackt und damit Volumen vorgetäuscht. Immerhin erwirtschaften die Anbieter mit den Kurznachrichten rund 14 Prozent ihres gesamten Umsatzes.

Der Anteil von GPRS und WAP an dieser Erfolgsstatistik dürfte jedoch im Promillebereich rangieren. Auf den ersten Blick deutet also nichts darauf hin, dass diese Technologie die in sie gesteckten Hoffnungen als Wegbereiter für die UMTS-Dienste der Zukunft erfüllen kann. Diese Rolle muss GPRS aber spielen, denn was mobile Bandbreite betrifft, ist der Standard im Moment das Maß der Dinge. Sie liegt derzeit bei 32 Kbit/s, wie Messungen der Zeitschrift "Connect" kürzlich ergaben. Damit ist das Verfahren zwar weit von seiner theoretischen Maximalleistung von 171,2 Kbit/s entfernt, die jedoch ebenso hypothetisch ist wie 2 Mbit/s in UMTS-Netzen.

Konkurrenz erwächst GPRS gegenwärtig nur durch den Dienst High Speed Circuit Switched Data (HSCSD), der die maximal zu übertragende Datenmenge je GSM-Kanal von 9,6 auf 14,4 Kbit/s erhöht und durch die Bündelung von bis zu vier Kanälen eine Geschwindigkeit von bis zu 57,6 Kbit/s schafft. HSCSD wird allerdings nur von E-Plus, Vodafone und Quam angeboten und stieß bisher trotz moderater Tarifierung auf wenig Echo.

Ungeachtet dieses Alleinstellungsmerkmals haben die Netzbetreiber für das Image von GPRS und dessen Vermarktung bis jetzt herzlich wenig getan. Sie reichen den schwarzen Peter lieber an die Handy-Hersteller weiter und machen vor allem deren Verspätung bei GPRS-fähigen Endgeräten für den Fehlstart verantwortlich.

Dieses Argument ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dennoch sollten T-Mobile & Co. auch vor ihrer eigenen Türe kehren. Die Tarifpolitik der Netzbetreiber war bisher kaum darauf ausgerichtet, den Verbrauchern GPRS schmackhaft zu machen. Gewohnt intransparente und saftige Preismodelle mit und ohne Grundgebühr vernebeln dem Kunden den Durchblick und führen beim Studium der Rechnung schnell zum Schockerlebnis.

Das Mobilfunkportal www.xonio.de hatte vor der CeBIT einen Preisvergleich für den Download von 50 WAP-Seiten sowie einer PDF- und Sound-Datei angestellt, mit erstaunlichen Resultaten. Während die Preisdifferenz zwischen den Anbietern bei 50 WAP-Seiten mit insgesamt 100 KB Volumen noch bei einem Euro lag und sich die Gebühren auf 2,50 bis 3,50 Euro beliefen, klaffte die Schere bei höheren Volumina gewaltig auseinander. Das günstigste Angebot für das Laden einer PDF-Datei (500 KB) lag bei 2,50 Euro (Viag Interkom), das höchste bei 17,50 Euro (T-Mobil und Vodafone).

Wucherpreise dämpfen NachfrageBei solchen Wucherpreisen muss dem Verbraucher jegliche Lust am Datensaugen vergehen. Rückblende: Allein die Übertragung von Scholls Elfmeter aufs Handy würde, wäre sie heute technisch schon realisierbar, ein Vermögen kosten.

Angesichts solcher Preise konnte GPRS bisher die bahnbrechende Vorreiterrolle für UMTS nicht spielen. Dass die Carrier der kommenden Mobilfunkgeneration damit einen Bärendienst erweisen, haben sie aber offenbar begriffen. Auf der CeBIT kündigten die Schwergewichte T-Mobile und Vodafone Tarifsenkungen für Mitte des Jahres an.

Neben ersten Verbesserungen in Sachen Tarifierung scheint in den Konzernzentralen auch die Erkenntnis zu reifen, GPRS zielstrebiger vermarkten zu müssen. Vodafone hat beispielsweise die Initiative "GPRS World" gestartet. Ziel ist es, den Dienst nutzungsorientierter anzubieten, zum Beispiel in Sachen E-Mail. Dazu sollen die Kunden mit Hilfe von Connectivity-Bundles geködert werden. Konkret heißt das, der Benutzer kann einen mit GPRS-Client vorkonfigurierten Ipaq-PDA beziehen, der über Bluetooth mit einem entsprechenden Handy kommuniziert und auf diesem Weg via Trägermedium GPRS-Daten auf den Weg bringt.

Noch einen Schritt weiter als Vodafone geht Viag Interkom. Die Münchner präsentierten auf der CeBIT mit dem "Pocket PC O2 xda" einen GPRS-fähigen Handheld, der Telefon und Rechner in sich vereint. Mit dem Gerät können nicht nur Termine und Adressen verwaltet sowie Textdateien bearbeitet, sondern via GPRS auch E-Mails gesendet und empfangen sowie auf das Internet zugegriffen werden. In Sachen paketbasiertem Transferdienst bieten die Münchner ferner drei Applikationen an. "GPRS IP VPN" soll Mitarbeitern erlauben, von extern via Handy oder Notebook auf gewohnte Anwendungen im Firmennetz zuzugreifen und Daten verschlüsselt zu übermitteln.

An Anwender des "Mobile Information Server" von Microsoft schließlich richtet sich das Angebot, mobil das Firmen-Intranet zu nutzen und Kontakte und Kalendereinträge online über GPRS zu synchronisieren. Vergleichbare Angebote plant auch T-Mobile.

Solche Angebote von Anwendungen und Endgeräten sind nach Ansicht von Helmut an de Meulen, Geschäftsführer der Materna Information und Communication, Anbieter von Content-Plattformen, ein wichtiger Fingerzeig: "Es kommt nicht darauf an, dem Kunden GPRS zu erklären. Viel wichtiger ist die Botschaft: Das ist ein SX45 von Fujitsu-Siemens, damit wird Ihre SMS bunt, laut und bewegt."

Kundenanimation über Farb-DisplaysKonkret heißt das, die Neugier von Privat- und Geschäftskunden für Dienste und Anwendungen der Zukunft muss über animierte Action auf einer neuen Farb-Display-Generation von Handys, PDAs und Kombigeräten geweckt werden. Dass GPRS mindestens bis zur Einführung von UMTS das Trägermedium dieser Services sein wird, braucht den Kunden nicht zu interessieren. Der Hebel muss vielmehr am Lieblingsdienst der Deutschen, der SMS, angesetzt werden. Die Wahrscheinlichkeit, beim Konsumenten auf Bereitschaft zu treffen, diese Textnachrichten peppiger über den Äther zu jagen, dürfte jedenfalls groß sein. Die neuen Schlagworte heißen in diesem Zusammenhang Premium-SMS und Multimedia Message Service (MMS).

Die Premium-SMS selbst ist dabei noch keine Zauberei. Sie berechtigt den Verbraucher lediglich, über eine solche Nachricht zum Beispiel auf kostenpflichtigen Content im Internet zuzugreifen beziehungsweise Spiele, Reiseinformationen oder Bilder auf sein Handy zu laden. Laut Insider an de Meulen ist die Premium-SMS eine Übertragung des 0190-Rufnummernmodells von der Sprach- auf die Datenkommunikation. Bezogen auf das Fallbeispiel Fußball-WM 2002 hieße das, der Kunde abonniert per Premium-SMS gebührenpflichtige Tickermeldungen zu den Spielen und bekommt sie automatisch auf sein mobiles Endgerät geschickt.

MMS ist derzeit noch Fata MorganaViel weiter reicht die MMS. Wie der Terminus schon sagt, sollen Nachrichten damit multimedial werden. Bis die MMS ihrem Namen allerdings gerecht wird und Livestreams deutscher Kicker über den Handy-Bildschirm flimmern, dürfte noch viel Wasser rheinabwärts fließen. Zunächst heißt es, dienstetechnisch kleinere Brötchen zu backen. Das bedeutet, aus der SMS wird eine optimierte Nachricht, in der individuell formatierte Texte mit Melodien, Bildern, Grafiken und Animationen kombiniert werden können. Außerdem entfällt die bisher übliche Beschränkung auf 160 Zeichen.

Der wahrscheinlich revolutionären Bedeutung der MMS sind sich die Netzbetreiber jedenfalls bewusst. Alle haben sich dieses Thema groß auf die Fahnen geschrieben und noch für dieses Jahr den Start solcher Dienste propagiert. Aber Vorsicht! Interessenten benötigen dafür MMS- und GPRS-fähige Handys, die in dieser Kombination derzeit noch Mangelware sind. Kandidaten sind das "T68i" von Ericsson und das "7650" von Nokia.

Die Anbieter versprechen sich von ihren MMS-Kampagnen Wirkung in zweierlei Hinsicht: Erstens sollen die Kunden für die kommenden UMTS-Anwendungen angefixt werden. Zweitens erhoffen sie sich wieder einen Anstieg des durchschnittlichen Umsatzvolumens pro Kunde. Diese Quote war in letzter Zeit stark rückläufig und sank zum Beispiel bei Vodafone im vierten Quartal 2001 von 26 auf 24 Euro.

Um die Konsumenten bei Laune zu halten, wagt E-Plus jetzt sogar einen Sonderweg. Der Düsseldorfer Provider startete zur CeBIT den in Japan äußerst erfolgreichen Dienst "I-Mode", der GPRS als Träger nutzen kann. "I-Mode ist ein buntes, animiertes und polyphones WAP, letztlich eine Art Browser-Technologie", lobt an de Meulen den Service. Das Geheimnis des Dienstes liegt aber vor allem darin, dass I-Mode, verglichen mit den WAP-Angeboten hierzulande, komfortabler ist und bereits nach japanischem Muster Ideen für vielfältige Inhalte existieren, die von Nachrichten über Unterhaltung, Erotik und Spiele bis hin zu Geschäftsanwendungen reichen.

Schlüssel des Erfolges sind in Japan jedoch nicht nur die umfassenden Dienste, sondern auch die transparenten Tarife. Das Prinzip des Betreibers NTT Docomo ist simpel und lautet: Damit ein Service akzeptiert wird, sollte er nicht mehr als eine Zigarette kosten. Das Wohl von I-Mode wird also entscheidend vom Pricing des Providers E-Plus abhängen. Die in Hannover angekündigten Tarife sind zumindest so, dass sie keine größeren Nutzungsbarrieren aufbauen.

Etwas differenzierter klingen die Aussagen des Unternehmens zu GPRS, das für die auf 9,6 Kbit/s begrenzten I-Mode-Services nicht zwingend nötig ist. "GPRS wird als Übertragungstechnologie für viele Dienste und Produkte die Basis bilden. Wenn diese Services den Kunden begeistern und ihm einen Mehrwert liefern, wird er auch bereit sein, dafür zu bezahlen", hieß es sibyllinisch auf Anfrage der COMPUTERWOCHE. (pg)

GPRS - die TechnikDer General Packet Radio Service (GPRS) ist ein paketvermitteltes Datenübertragungsverfahren für GSM-Netze. Aufgrund des paketorientierten Ansatzes können sich mehrere Datenpakete mit unterschiedlichen Zieladressen einen Übertragungskanal teilen. Zur Steigerung der Bandbreite nutzt GPRS darüber hinaus die Technik der Kanalbündelung. Außerdem definiert es vier verschiedene Übertragungsstufen (Code Schemes = CS), die abhängig vom Aufwand der Fehlerkorrektur unterschiedlich hohe Transferraten erlauben. Die Transferrate wird bei CS1 mit 9,05 Kbit/s, bei CS2 mit 13,4 Kbit/s, bei CS3 mit 15,6 Kbit/s und bei CS4 mit 21,4 Kbit/s angegeben. In der höchsten Stufe erreicht GPRS also einen Datendurchsatz von 21,4 Kbit/s pro Kanal beziehungsweise Zeitschlitz. Bei einer Bündelung von maximal acht Kanälen ergibt sich daher eine Gesamtdatenrate von 171,2 Kbit/s. In der Praxis geht man jedoch von einer mittleren Geschwindigkeit von 58 Kbit/s aus, die auf vier Zeitschlitzen basiert.