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05.08.1988 - 

Amerikanischer Provinzrichter sah einen Mangel an Beweisen:

Antitrust-Verfahren gegen IBM eingestellt

PHILADELPHIA (lDG) - Wieder einmal überstand DV-Gigant IBM ein Antitrust-Verfahren ungeschoren. Ein Bezirksrichter in Pennsylvania wies die Klage eines DV-Dienstleisters ab, der den "Blauen Riesen" wegen Verletzung des Sherman Antitrust Act angezeigt hatte. Monopol-Experten wie Richard De Lamarter reagierten verständnislos.

Behinderung des Wettbewerbs hatte die Geschäftsführung der Allen-Myland Inc., die sich auf die Rekonfiguration von IBM-Rechnern spezialisiert hat, dem Konzern 1985 vorgeworfen. Besonders zwei Praktiken von Big Blue stießen dem kleinen Unternehmen aus dem Ort Broomall sauer auf: die Einführung einer Extra-Gebühr, die bei der Installation importierter Mainframes fällig wurde (ab 1980), sowie das Bündeln von Teilen und Arbeitszeit zu einem einzigen Preis beim Upgrading von 3080-Rechnern.

Diese Mischkalkulation aus teuren Teilen und geringem Arbeitsentgelt empfand der Kläger als besonders geschäftsschädigend. Doch Richter Thomas O'Neill zeigte sich unbeeindruckt von dieser Argumentation: Die neuen "Thermal Conduction Modules" hätten Upgrades derart vereinfacht daß eine Senkung der Lohnkosten ein Leichtes gewesen sei.

Für das Gericht war das Verfahren mit einem schier unüberschaubaren Aufwand verbunden: Mehr als 350 000 Seiten an Unterlagen waren durchzuarbeiten - Zeugenaussagen und als Beweisstücke eingereichte Dokumente. Zu den Zeugen zählten höchstrangige IBM-Manager wie der frühere Vice Chairman Paul Rizzo und Senior Vice President Michael Armstrong. Außerdem sagten Vorstandsmitglieder der Leasingfirmen - Comdisco und CMI sowie einige DV-Leiter aus.

Der Richter folgte in der 93 Seiten langen Begründung seiner Entscheidung schließlich der Argumentation der IBM-Vertreter. Der Marktbegriff könne, wenn es um einen Antitrust-Vorwurf gehe, nicht an den Verkaufszahlen neuer Mainframes festgemacht werden, befand O'Neill. Die Leasingfirmen müßten als Konkurrenz angesehen werden, und auch die Anbieter von Minicomputer-Clustern, Speicher- und Kanalerweiterungen oder Software zählten zu den Wettbewerbern. Eine ähnliche Verteidigungsstrategie, wie sie die Big-Blue-Anwälte hier erfolgreich anwandten, hatte der Konzern bereits in den sechziger Jahren im Antitrust-Verfahren vor dem Justizministerium verfolgt.

Richard DeLamarter, seinerzeit an diesem Verfahren beteiligt und heute als Autor des Buchs "Big Blue: IBMs Use and Abuse of Power" bekannt, zeigte für O'Neills Entscheidung kein Verständnis- "Die IBM verteidigt sich doch damit, daß sie bis auf die Küchenspüle alles (in den Markt) einbezieht, um ihren Anteil an diesem Markt klein erscheinen zu lassen." Branchenfunktionär Kenneth Bouldin, Chef der Computer Dealers and Lessors Association (CDLA), hieb in dieselbe Kerbe - mit dem Wortspiel: "It sounds like Allen-Myland just got outlawyerd", was frei übersetzt soviel bedeutet wie "von Anwälten (lawyers) für vogelfrei (outlaw) erklärt". Bouldin weiter: "Die IBM brachte den Richter dazu, ihre Markttheorie anzuerkennen Aber ein IBM-Marktanteil von 20 oder 30 Prozent - das ist schierer Unsinn." (Siehe Kolumne, Seite 9).