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09.07.1993

Antizyklisches Verhalten ist wichtiger, als Trends nachzulaufen Jungtechniker lassen sich von der schlechten Stimmung beeinflussen

MUENCHEN (hk) - Resignation und zuwenig Eigeninitiative der Besucher kennzeichneten das Bild der diesjaehrigen Industriekontaktmesse in Muenchen, die sich vor allem an Absolventen technischer Studiengaenge wendete. Studenten sollten die Wahl ihres Faches weniger von Trends abhaengig machen und sich mehr an ihren Neigungen orientieren, lautete die Forderung aus der Industrie.

Trotz der Krise scheint Orientierung beim technischen Nachwuchs wenig gefragt. Nur so laesst sich der Rueckgang des Interesses im allgemeinen und der Besucherzahlen im besonderen auf der fuenften Hochschulkontaktmesse Ikom in Muenchen erklaeren.

Der neue BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Eberhard von Kuenheim forderte die Nachwuchstechniker in seiner Eroeffnungsrede auf, das Studium nach ihren Neigungen auszuwaehlen und sich weniger an der derzeitigen konjunkturellen Entwicklung zu orientieren. Die Rezession spiele sich zu stark in den Koepfen der Menschen ab: "Nur wer Interesse hat, ist auch motiviert", und nur wer mutig sei, werde belohnt, dozierte der Muenchner Manager.

Dass solche Toene noetiger denn je sind, zeigte sich deutlich: Denn wer davon ausging, dass die Zahl der Besucher steigen werde, weil die Studenten von den Firmen im direkten Gespraech wissen wollten, was Sache ist, der sah sich getaeuscht. Die Organisatoren meldeten naemlich einen Rueckgang der Besucherzahlen, dagegen blieb die Zahl der anwesenden Unternehmen mit 50 gegenueber dem Vorjahr unveraendert.

Die Studenten haetten sich der allgemeinen Wirtschaftslage angepasst und seien mit gesenktem Haupt zu den Staenden gekommen, um zoegerlich nach Jobs zu fragen, charakterisierte ein Unternehmensvertreter die Stimmung - und das sei der falsche Weg.

Angesichts dieser Situation vermisst Guido Brueckmann vom Messeorganisations-Komitee bei den Studenten das langfristige Denken. Zu sehr kreisten die Gespraeche um Praktika und Jobmoeglichkeiten und zuwenig etwa um Anforderungen, die die Betriebe an ihre zukuenftigen Mitarbeiter stellen.

Werner Brendli vom Muenchner Fachvermittlungsdienst wuenscht sich von den Studenten ein antizyklisches Verhalten. Es sei nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn sich jetzt alle Jungakademiker auf ein Architektur- oder ein Bauingenieurstudium stuerzten, weil es im Moment fuer diese Berufe am Arbeitsmarkt gut ausssehe. Man koenne jetzt schon voraussagen, dass diese Berufe in fuenf Jahren zu den Problemgruppen des Arbeitsmarktes zaehlen wuerden.

Aktuelles Beispiel seien die Ingenieure und Datenverarbeiter, denen noch vor einigen Jahren Traumkarrieren vorhergesagt wurden und die sich nun schwertun, Arbeit zu finden.

Die Auswirkungen der schlechten Berufsperspektiven machen sich schon bemerkbar. In einer Untersuchung stellt der Verband der Elektrotechniker (VDE) fest, dass die Zahl der Studienanfaenger in Elektrotechnik und Informatik in Westdeutschland in den letzten drei Jahren um 30 Prozent zurueckgegangen ist. Der Osten der Republik verzeichnet ein Minus von gleich 70 Prozent. Der VDE warnt bereits jetzt vor einem Mangel an qualifizierten Elektrotechnikern und Informatikern gegen Ende des Jahrzehnts. Das heutige Fernbleiben der Abiturienten von diesen Studiengaengen werden die Firmen in ein paar Jahren zu spueren bekommen.

Den Studenten bleibe in der aktuellen Lage nichts anderes uebrig, so Martin Thurner vom Organisationskomitee, als mehr Eigeninitiative zu entwickeln, denn "bisher ist alles von allein gelaufen", in Zukunft werde das nicht mehr funktionieren. Ein Diplom habe schliesslich jeder, so Thurner weiter, und so muesse sich jeder Absolvent ueberlegen, mit welchen Zusatzkenntnissen er auffallen und sich beim zukuenftigen Arbeitgeber interessant machen kann.