Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.11.1982 - 

Abwicklung des Mikroelektronikprogramms unter Beschuß

Antragsflut überrollt VDI-Technologiezentrum

BERLIN/BONN - Verärgerte Antragsteller, Überlastete Prüfer und Überschreitung der zugesagten Bearbeitungsfrist von sechs Wochen - das ist die Kehrseite der Erfolgsbilanz beim Sonderprogramm "Anwendung der Mikroelektronik". Von der großen Resonanz schienen die Initiatoren im Bundesforschungsministerium (BMFT) sowie der Projektträger, das VDI-Technologiezentrum (VDI-TZ) wohl selbst am meisten überrascht worden zu sein, Die Folge: zu wenig Personal, um die Anträge fristgerecht und schnell zu bearbeiten.

Mit rund 1500 Anträgen bis zum September 1984 hatte man im BMFT und im VDI-TZ gerechnet, statt dessen wurden innerhalb eines halben Jahres 2400 Anträge gezählt. Trotz einer Mittelaufstockung von 300 Millionen auf 450 Millionen mußte das Mikroelektronikprogramm bereits im Sommer wieder geschlossen werden. Das Klassenziel hält man in Berlin und Bonn denn auch für mehr als erreicht. Hartmut Grunau, der zuständige BMFT-Referent: "Durch das Programm wurden Entwicklungen, soweit bis jetzt absehbar, früher als sonst vorgenommen." Der Leiter der Abteilung Technologieinformation im VDI-TZ, Lutz Ostermann, bestätigt, daß die "indirekt-spezifische Fördermaßnahme" - so die amtliche Charakterisierung - den beabsichtigten Innovationsschub ausgelöst habe und das Know-how über mikroelektronische Anwendungen Schnell und massiv in der Bundesrepublik etabliert worden sei.

Für die unmittelbar Betroffenen Prüfer wie Antragsteller - zeigen sich dagegen eher die negativen Auswirkungen der Antragslawine. Die Antragsteller sind verärgert, daß sie entgegen der vielpropagierten Sechs-Wochen-Frist oft mehr als drei Monate auf einen Bescheid aus Berlin warten müssen. Damit sei, so ist immer wieder zu hören, der "kritische Zeitpunkt" für die erfolgreiche Markteinführung neuer Produkte auf Grund der schnellen technologischen Entwicklung oftmals bereits überschritten. Die Anrufe im Berliner Technologiezentrum, in denen die Förderkandidaten ihrem Unmut Luft machen, häuften sich.

Die VDI-Prüfer freilich fühlen sich zu Unrecht kritisiert und beschimpft. Sie verweisen darauf, daß sie trotz zusätzlicher Hilfskräfte seit geraumer Zeit Überstunden machen und Wochenendschichten einlegen, um von der Antragsflut nicht gänzlich überrollt zu werden. Manch einer mag sich unfreiwillig in die Rolle des Zauberlehrlings versetzt fühlen, der der Geister, die er rief, nun nicht mehr Herr wird.

Von dem häufig gehörten Vorwurf, man treibe einen zu großen Verwaltungsaufwand und hinke deswegen mit der Antragsbearbeitung hinterher, nimmt Lutz Ostermann deshalb die zwölf technischen und die sechs kaufmännischen Prüfer seines Hauses sowie die mit der Gegenprüfung beauftragten Mitarbeiter im BMFT-Referat 411 in Schutz.

"Vom eigentlichen Bearbeitungsgang her", so betont er, "dauert die Prüfung bei uns und im Ministerium tatsächlich nur sechs Wochen. Wenn man aber auf einen Schlag so viele Anträge auf den Tisch bekommt, kann man nur im Batchbetrieb arbeiten." Ostermann wertet es angesichts der zur Verfügung stehenden personellen Kapazität als Erfolg, daß bereits 240 Millionen Mark an Fördergeldern bewilligt und 1200 Anträge entschieden worden seien, davon zehn Prozent negativ. Bis zum Jahresende hoffe man, den Antragsberg völlig abtragen zu können.

Für nicht gerechtfertigt hält man im VDI-TZ den Vorwurf mangelnder oder schlechter Personalplanung bei der Programmabwicklung. Man habe bis zum September 1984 mit jeweils 500 Anträgen pro Jahr gerechnet und sich darauf auch personell eingerichtet. Technologieinformationsexperte Ostermann weiter: "Wir haben ja bereits früher Förderprogramme bei uns im Haus abgewickelt, und von daher wußten wir, daß sich im Extremfall 50 Antragsteller im Jahr beteiligen." Offensichtlich sei aber dieses Mal das Marketing so gut gewesen, daß die Information über das Programm die Interessenten sehr schnell erreichte und die Anträge ebenso schnell gestellt wurden. Andere Länder, die mit ähnlichen Fördermaßnahmen die Anwendung der Mikroelektronik vorantreiben wollten, seien jedenfalls nicht so erfolgreich gewesen.

Hohe Beteiligung kleiner Unternehmen

Eine exakte statistische Auswertung über die Teilnehmer und die Beteiligung einzelner Branchen liegt noch nicht vor, da die Programmabwicklung unbedingten Vorrang hat. BMFT-Referent Grunau schätzt aber, daß rund die Hälfte aller Anträge Produktinnovationen der Meß- und Regeltechnik und hier vor allem für den Maschinenbau, für Energieeinsparung und Umweltschutz sind. Etwa 25 Prozent zielten auf den Markt für Büro- und Kommunikationstechnik und der Rest verteile sich auf Anwendungen im Kfz-Sektor, auf Hausgeräte sowie auf medizinische Apparaturen.

Darüber hinaus zeichneten sich folgende Trends ab: Mehr als zwei Drittel der antragstellenden Firmen haben weniger als 200 Beschäftigte, der Anteil von Unternehmen mit einem Umsatz von 500 Millionen Mark Umsatz pro Jahr liegt unter zehn Prozent. Erfreulich hoch ist Grunau zufolge die Beteiligung junger Firmen, deren Gründung erst sechs oder sieben Jahre zurückliege, Die Mitnahmeeffekte, die bei keinem Förderprogramm ganz auszuschließen seien, hält er für sehr gering.

Unterschiedliche Bewertungen gab es bei den Förderanträgen nach übereinstimmender Auskunft aus Berlin und Bonn lediglich in einem Prozent aller Fälle. Auf die Frage, wer den härteren Maßstab angelegt habe, meint Ostermann vom VDI-TZ:. "Wenn hier jemand positiver geprüft hat, dann war es das BMFT."