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19.04.1991

Anwender akzeptieren Edifact als Norm für den elektronischen DatenaustauschEDI ist aus der Wirtschaft heute nicht mehr wegzudenken

1991 könnte zum Jahr von EDI werden. Diese Schlußfolgerung zieht der Autor aus dem seit seiner Einführung 1988 zu beobachtenden kontinuierlichen Wachstum des ISO -Standards 9735 Edifact. In zahlreichen Industriebereichen weltweit im Einsatz, hat sich der EDI-Standard zu einer führenden und einheitlichen Syntax für den internationalen

Datenaustausch zwischen EDV-Systemen entwickelt.

Es ist zunehmend festzustellen, daß die heutige Wirtschaft sich in immer stärkerem Maße auf einen optimalen Kommunikationsfluß stützt, der von zwei technischen Einrichtungen geprägt ist - der Telekommunikation und der Computeranwendung. Beweis dafür ist die ungeheuer schnelle Zunahme von Telefaxeinrichtungen und deren häufiger Einsatz in den Betrieben.

Deren Anwendung ist zunächst einfach. Die mit Computerhilfe erstellten Handelsformulare werden per Fax dem Handelspartner zugeleitet. Das geht schnell und ist preiswert, hat jedoch für die optimale Nutzung der übermittelten Daten ein gravierendes Handicap: Die empfangenen Daten müssen beim Geschäftspartner für die interne Weiterverarbeitung wieder neu erfaßt werden Dies ist zeitaufwendig sowie teuer und hebt den zweitgenannten Vorteil auf. Es mußte also eine Lösung gefunden werden die die jeweiligen Rechner via Telekommunikation miteinander kommunizieren läßt.

Die Bedingungen für eine EDI-Realisierung

Nun ist bekannt, daß die Vernetzung von Computern nicht ohne weiteres realisiert werden kann. Es gibt unterschiedliche Hardware, verschiedene Betriebssysteme und Programme für interne Abwicklungen. Vor allem aber sind unter Umständen große Entfernungen, manchmal Hunderte von Kilometern, zu überbrücken. Also doch zurück zum Fax? Nein, es geht, man hat glücklicherweise einen Weg gefunden, oder besser: Man hat sich auf eine gemeinsame Lösung geeinigt. Zu ihr gehören allerdings spezifische Regeln und die Anwendung einheitlicher Bausteine zu deren Verwirklichung. Bausteine, die in erster Linie für die breite Anwendung national wie international standardisiert sein müssen.

Drei standardisierte Essentials sind für die Realisierung notwendig, zum einen eine Syntax, mittels der die unterschiedlichen Computer kommunizieren können - eine gemeinsame Computersprache also. Zum zweiten werden einheitliche Nachrichteninhalte für die gezielte Weiterverarbeitung gebraucht, beispielsweise standardisierte Handelsnachrichten. Drittens benötigt man Standardprotokolle für die Telekommunikation zur Übertragung der Daten. Alle genannten Bedingungen sind in mehr oder weniger abgestimmter Form vorhanden, weil zumindest bei den Protokollen unterschiedliche Standards für die Anwendung auswählbar sind.

Aufgrund des geschilderten Sachverhalts ist die internationale Einigung auf eine einheitliche Syntax für den Datenaustausch zwischen Computern als eines der bedeutendsten Ereignisse für den Welthandel zu werten. Zwar gab und gibt es einige Insellösungen, die in bestimmten Branchen schon früher entstanden sind und die momentan noch Anwendung finden, doch werden diese zugunsten der genannten einheitlichen Syntax aufgegeben.

Diese Syntax beziehungsweise der Standard, auf den man sich einigte, ist der mittlerweile bekannte ISO-Standard 9735 Edifact. Die 1988 veröffentlichte Norm kommt heute schon in mehr als 30 Branchen weltweit zum Einsatz, unterstützt von nahezu allen Staaten der Erde und unter der Betreuung der wichtigsten Institutionen der Welt wie der UNO, der ISO, des CEN sowie von den Handelsvereinfachungsorganisationen der wichtigsten Handelsnationen.

Eng mit dem Standard Edifact verbunden, ja sogar Voraussetzung für dessen Anwendung, ist der zweite der genannten Bausteine, die zwischen den Partnern auszutauschenden einheitlichen Informationsinhalte - die Nachrichten. Es ist kaum vorstellbar, wie viele Nachrichten für die Anwendung von Edifact nach dessen Veröffentlichung in den verschiedenen industriellen und administrativen Bereichen schon entwickelt wurden. Momentan sind über 100 Nachrichten bekannt. Ein Teil davon hat oder erhält einen internationalen Status und wird branchenübergreifend benutzt. Ein anderer Teil bleibt branchenbezogen oder der internen Anwendung vorbehalten.

Die hohe Zahl der Nachrichten und die vielen unterschiedlichen Branchen, die sich zur Zeit mit diesem Standard befassen, unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung. Man hat erkannt, welchen Einfluß ein beschleunigter Informationsfluß auf die Wirtschaft hat, insbesondere im internationalen Wettbewerb. Die Unternehmen, die sich frühzeitig darauf einstellen, haben auf jeden Fall einen Wettbewerbsvorteil.

Große Unternehmen, durch ihr beträchtliches Datenvolumen im Handel und den Informationsbedarf besonders betroffen, begannen als erste mit der EDI-Nutzung. Wie Marktanalysen zeigen, verfügen daher auch schon viele der "ganz Großen" über Erfahrungen in der Nutzung des Standards Edifact. Bei ihnen lohnte sich der Edi-Einsatz am ehesten, und schon nach kurzer Zeit konnte ein "return on investment" erreicht werden. Doch auch die kleineren Anwender beginnen mehr und mehr Edifact einzuführen, insbesondere natürlich diejenigen, die mit den "Großen" ins Geschäft kommen wollen. Daß schon einige die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich einen Vorteil ergattern wollen, zeigt die immer rascher voranschreitende Zunahme von EDI-Anwendungen in diesem Bereich.

Edifact als Motor für den Binnenmarkt

Auch die EG-Kommission, im Rahmen von Tedis (Trade Electronic Data Interchange Systems), verantwortlich für die koordinierte Einführung des Standards in Europa, scheint dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Wurden in der ersten Phase dieses Programmes rund fünf Millionen ECU bewilligt, werden nun zur Fortsetzung dieses Programmes für drei Jahre weitere 30 Millionen ECU (zirka 60 Millionen Mark) beantragt. Betrachtet man die Bedeutung, die EDI in letzter Zeit erlangt hat, sowie die Entwicklung in den einzelnen Branchen, sollte eigentlich kein Zweifel bestehen, daß dieser Betrag auch bewilligt wird. EDI gehört zu einer der Voraussetzungen, damit der Gemeinsame Markt Europas seine Position im Weltmarkt behaupten kann. Die Hauptziele des neuen Tedis-Programmes sind daher einmal die Sicherstellung, daß die Einrichtung von Systemen für den elektronischen Datenaustausch optimal verläuft. Des weiteren sorgt es für die Bereitstellung von Hilfsmitteln, die für diese Optimierung auf Gemeinschaftsebene erforderlich sind. Aufgrund dieser Zielsetzung werden sich die Bemühungen, wie von der EG-Kommission dargestellt, auf folgende Maßnahmen konzentrieren: die sektorübergreifende Integration von Arbeiten in den Mitgliedstaaten zur Entwicklung und zum Einsatz von EDI-Systemen, wobei sicherlich die Belange der EFTA -Staaten ebenfalls Berücksichtigung finden werden, außerdem die Prüfung der Auswirkungen von EDI auf die Unternehmensführung im öffentlichen und privaten Sektor sowie der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkung von EDI.

In der Mitteilung der Kommission an den Rat zum elektronischen Datenaustausch (EDI) über Telematikdienste (KOM (90) 475) heißt es in der Einleitung: "Die schrittweise Vollendung des Raums ohne Binnengrenzen bis zum 31. Dezember 1992 verlangt, daß alle öffentlichen und privaten Akteure der europäischen Wirtschaft beim Informationsaustausch die Geschwindigkeit, Vereinfachung und Systematisierung erzielen die ihren Tätigkeiten am förderlichsten ist.

EDI-Lawine setzt sich in Bewegung

Die neue Dimension des Marktes ist nicht allein geographisch, denn sie bringt auch eine größere Vielfalt in Handel und Verwaltung mit sich (Sprachen, Verwaltungs- und Handelspraktiken), die von Akteuren so bald wie möglich mit den modernsten und wirksamsten Mitteln integriert werden muß.

Neben einer Verkürzung der Datenübermittlungszeiten verlangt der Raum ohne Grenzen die Sicherheit der Daten sowie die Gewährleistung, daß sie von allen Teilnehmern in der gleichen Art und Weise verstanden und akzeptiert werden. Aufgrund der technischen Entwicklung wird der Einsatz des elektronischen Datenaustausches in Handel und Verwaltung zu einem selbstverständlichen und grundlegenden Erfordernis, dessen Bedeutung ständig wächst."

Wird also das Jahr 1991 zum EDI-Jahr, in dem die EDI-Lawine in Bewegung kommt? Auf dem Weg dahin ist man sicherlich. Wir haben erkannt, daß die EDI -Entwicklung von der Entwicklung des Marktes beeinflußt wird und umgekehrt. Wenn der Markt sich entwickelt, entwickelt sich auch EDI oder wenn EDI sich entwickelt, entwickelt sich der Markt.

Wie die GLI, Gesellschaft für Logistik und Informationssysteme mbH, eines der führenden EDI-Softwarehäuser feststellt gibt es daher zur Zeit auch erhöhte Marktanforderungen an EDI-Software, insbesondere hervorgerufen durch die gewonnene Erfahrung, aber auch durch den schärfer werdenden Konkurrenzkampf. Die Verarbeitung eines größeren Volumens an Nachrichtentypen durch größere Branchenvielfalt stellt höhere Anforderungen an den Markt. Auch die Berücksichtigung unterschiedlicher Unternehmensgrößen findet zunehmend Niederschlag im EDI-Anforderungskatalog, ebenso eine größere Softwarefunktionalität und Nachverarbeitungsbausteine, sowie ein verbesserter Kundenservice.

Um diesen neuen Marktanforderungen bei einem möglichst unverändertem Preisgefüge gerecht zu werden, heißt es, flexibel zu reagieren und die EDI Erfahrung voll zur Geltung zu bringen.

Dies bedeutet letztlich, daß flexible beziehungsweise modulare Konzepte für die Anwendung von Standardsoftware an Bedeutung gewinnen werden, wobei nicht nur PC-Software, sondern auch Mainframe-Lösungen Berücksichtigung finden müssen.

Ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium ist dabei die Anbindung an Protokolle und TK-Einrichtungen, die möglichst auf der Basis von standardisierten Schnittstellen erfolgen sollte. Gerade in diesem Punkt muß man sich auf die Beratung und vorhandene Produktpalette der erfahrenen EDI-Softwarehäuser verlassen können.

Bezüglich der angesprochenen Nachverarbeitungsmodule ist als eines der interessantesten und erfolgversprechendsten Lösungen die Nachverarbeitung zur elektronischen Fernmelderechnung zu nennen, eine Lösung, mit der viele Unternehmen die ersten Schritte auf dem EDI-Parkett unternommen haben. Diese EDI-Nachricht, 1989 unter Leitung von Helmut Handwerg von der Generaldirektion Telekom entwickelt, hat sich mittlerweile zu einer der erfolgreichsten Edifact-Anwendungen in Europa gemausert. Wir sind sicher, daß andere erfolgreiche Anwendungen folgen werden.

Die Verbreitung des weltweiten elektronischen Datenaustausches geht mit großen Schritten voran. Dieses Wachstum ist vorsichtig zu steuern, sowohl vom verwaltungstechnischen als auch vom technischen Standpunkt aus. Nur gute Anwendungen können EDI fördern, denn: "Nothing succeeds like success."