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27.04.2006

Anwender begrüßen die Linux-Visionen von Oracle

Die Ankündigung von Lawrence Ellison, er könne sich ein eigenes Betriebssystem auf Linux-Basis gut vorstellen, findet Anklang bei den Nutzern.

Eine Oracle-eigene Linux-Version wäre zweifellos die beste Plattform, um eine Oracle-Datenbank zu betreiben, meinte Tony Jedlinski, Executive Vice President der Independent Oracle Users Group (IOUG). Er würde nicht zögern, eine Linux-Version zu kaufen, wenn Oracles Name darauf stünde: "Ein Oracle-Linux verliehe dem Open-Source-Betriebssystem mehr Glaubwürdigkeit."

Die Spekulationen um eine Oracle-eigene Linux-Distribution hatte Mitte April Konzernchef Ellison selbst ins Rollen gebracht. Gegenüber der "Financial Times" erklärte er: "Ich hätte gern einen kompletten Stack. Uns fehlt ein Betriebssystem." Der Oracle-CEO räumte ein, eine Übernahme der Linux-Distributoren Red Hat und Novell/Suse zumindest erwogen zu haben. Diese Pläne habe er aber angesichts der übertriebenen Marktkapitalisierung beider Anbieter wieder verworfen.

Die Anwender würden eine tiefere Integration zwischen Betriebssystem und Datenbank durchaus begrüßen, war aus den Reihen der IOUG zu hören. Die Idee eines kompletten Software-Stacks habe ihren Reiz, sagte IOUG-President Ari Kaplan. Dies würde eine bessere Leistung bedeuten und eine effizientere Verwaltung der Datenbanksoftware erlauben.

Einer Untersuchung der Oracle-Anwendergruppe zufolge könnte Linux im Lauf der kommenden zwölf Monate Solaris als dominierende Datenbankplattform ablösen. Bislang favorisierte die überwiegende Mehrheit der Oracle-Nutzer das Betriebssystem von Sun Microsystems. Es folgen Windows 2000 mit 40 Prozent und Windows Server 2003 sowie Linux mit jeweils 37 Prozent. Dieses Verhältnis könnte sich im kommenden Jahr jedoch ändern. Für 2007 nannten 44 Prozent der befragten Datenbankbetreiber Linux als Plattform Nummer eins, dicht gefolgt von Solaris mit 43 Prozent.

Neben den positiven Tönen zu Oracles Linux-Plänen gab es im Umfeld der IOUG aber auch kritische Kommentare. Demnach sei immer noch nicht eindeutig klar, wie die künftigen Anwendungs-Releases auf Basis der zugekauften Produkte von Peoplesoft inklusive J.D. Edwards sowie Retek, Siebel und anderen übernommenen Softwareanbietern aussehen werden, monierte John Matelski, Leiter der auf die Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Anwendungen fokussierten Anwendergruppe Quest International Users Groups. Außerdem liege der Update-Pfad in Richtung Fusion noch im Dunklen. "Kein Nutzer möchte mehr Migrationen durchmachen als unbedingt notwendig", sagte Matelski. Mit Fusion will Oracle auf Basis der eigenen Middleware eine Service-orientierte Architektur (SOA) aufbauen. (ba)