Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.07.1995

Anwender bemaengeln Praxistauglichkeit der aktuellen High-speed- Modelle Modems bauen den PC zum Kommunikationszentrum aus

MUENCHEN (hi) - Neue Online-Dienste, Internet-Hysterie, Faxen am PC - glaubt man den Prognosen, so ist der PC auf dem besten Wege, zum multifunktionalen Kommunikationsterminal zu mutieren. Doch bevor der Anwender in die Welt der globalen Kommunikation einsteigt und mit den Eskimos in Alaska Online die neuesten Wetternachrichten austauschen kann, muss entsprechende Elektronik die Verbindung mit den Datennetzen ermoeglichen.

Bei der Wahl des entsprechenden Endgeraetes stehen manche User in Deutschland momentan vor der Entscheidung: ISDN-Karte oder Modem. Meist ist allerdings keine Wahl moeglich, denn an die ueblichen analogen Telefonanschluesse lassen sich nur Modems anschliessen.

Kein Wunder also, dass die in Muenchen auf Einladung von Computer 2000 versammelten Vertreter der Modemindustrie angesichts des prognostizierten Booms der Online-Dienste auch fuer sich goldenen Zeiten kommen sehen. Zumal Deutschland im Gegensatz zu den USA einen deutlichen Nachholbedarf hat, sind doch hierzulande von den rund 24 Millionen installierten PCs nur zehn Prozent fuer moderne Kommunikationsdienste ausgeruestet.

Kein Wunder also, dass die Hersteller fuer das naechste Jahr phantastische Wachstumsraten in Sachen Modems erwarten. Waehrend man bei der Multitech Computers GmbH in Muenchen mit einer Wachstumsrate von 20 Prozent eine eher konservative Schaetzung abgibt, hofft Klaus Langner, Geschaeftsfuehrer der Elsa GmbH mit Sitz in Aachen, auf eine Zuwachsrate von 60 Prozent. Genaue Zahlen darueber, wie diese Geraete eingesetzt werden, haben die Hersteller allerdings nicht, Fred Schuckert, Geschaeftsfuehrer der Creatix Polymedia GmbH, Saarbruecken, die ihre Modems bundesweit ueber die Marketing-Firma 1&1 an den Mann bringt, glaubt allerdings, dass Anwender Modems nicht nur zur Kommunikation mit Online-Diensten nutzen, sondern oft als PC-Fax-Loesung kaufen.

Die Hersteller gehen davon aus, dass kuenftig die Nachfrage weniger durch weitere Geschwindigkeitssteigerungen als vielmehr durch neue Kombigeraete mit mehr Funktionalitaet angeheizt wird. Zwar planen alle inlaendischen Anbieter noch V.34bis-Geraete mit Transferraten von rund 32000 Bit/s, doch darueber hinaus setzt die Physik der analogen Telefonleitungen der Weiterentwicklung Grenzen. So hegt denn auch Schuckert Zweifel, ob die Anwender wirklich bereit sind, fuer diese geringe Geschwindigkeitssteigerung ihre 28000-Bit/s- Modems (1996 sollen zwei Drittel der verkauften Modems diese Transferrate unterstuetzen) zum Alteisen zu legen.

Erschwerend kommt hinzu, dass zahlreiche Anwender - entgegen den Aussagen von Michael Sprott, Leiter Multitech Deutschland GmbH, fuer den "28800 Bit/s in Deutschland kein Problem sind" - haeufig darueber klagen, dass sie diese Transferraten nur in den Ortsnetzen erzielen koennen, waehrend bei Fernverbindungen im Telefonnetz oft 14400 Bit/s das Hoechste der Gefuehle seien.

Erfahrungen, die auch die CW-Schwesterpublikation "Network World" nur bestaetigen kann. Die amerikanischen Kollegen, die elf V.34- Modems testen liessen, kamen zu dem ernuechternden Ergebnis, dass unter realen Netzbedingungen in kaum der Haelfte der Verbindungszeit wirklich Transferraten von 28800 Bit/s realisierbar waren.

Unter bestimmten Bedingungen war dies sogar, so die Network World, nur in weniger als zehn Prozent der Faelle moeglich.

Zwar ergibt sich auf dem Papier immer noch eine Reduzierung der Kommunikationskosten um die Haelfte im Vergleich zu den bisher ueblichen 14 400-Bit/s-Modems. Doch dies rechtfertigt nur in der Theorie die Kosten fuer ein Modem-Upgrade, denn in der Praxis, so ein weiteres Ergebnis des Tests, verbringen die professionellen Anwender fast 50 Prozent der Zeit mit User-abhaengigen Vorgaengen wie Logon, dem Verfassen von E-Mails oder der Suche nach den gewuenschten Files auf remoten Rechnern. Alles Taetigkeiten, bei denen selbst unter Einsatz der aktuellen High-speed-Modems die Online-Zeit nicht verkuerzt wird.

Internet-Teilstrecken sind noch immer ein Hindernis

Ebenso wenig nutzt, wie auch Volker Klose, Prokurist und Leiter Technik bei der Dr. Neuhaus GmbH in Hamburg, einraeumt, das schnellste Modem etwas, wenn im Internet auf Teilstrecken immer noch 9600 Bit/s die Hoechstgeschwindigkeit sind. Oder wenn wie im Falle Compuserve zwar schneller Kontakt zum lokalen Einwahlknoten moeglich ist, die Verbindung zum Zentralrechner im amerikanischen Ohio allerdings aufgrund des Besucheransturms nicht mehr die erforderliche Bandbreite bereitstellen kann. Resigniert stellt Klose fest: "Wenn Sie Internet anwerfen, koennen sie erst mal Kaffee kochen gehen." Darum fordert der Neuhaus-Mitarbeiter von den Online-Anbietern einen parallelen Ausbau der Infrastruktur zur Erweiterung des Angebotes.

Zyniker vergleichen die Online-Reise mit einem der modernen schnellen Modems denn auch mit der Fahrt in einem Porsche ueber eine schlaglochgespickte Landstrasse: Der Motor will zwar Gas geben, die Strasse aber bremst. So wundert es nicht, dass selbst die Modemhersteller wenig Vertrauen in die Attraktivitaet einer weiteren Geschwindigkeitssteigerung als Kaufanreiz haben. Unisono setzen sie lieber auf Add-ons, um ihre eingangs erwaehnten phantastischen Wachstumsraten zu realisieren.

Dabei schwebt den Herstellern neben den bisherigen Einsatzgebieten Fax- und Datenkommunikation vor allem die Integration dreier neuer Funktionalitaeten vor: Anrufbeantworter, Freisprechen, neudeutsch Speakerphone, sowie Digital Simultaneous Voice and Data (DSVD). Der dank multifunktionalem Modem zum Kommunikationszentrum aufgewertete PC soll es so ermoeglichen, ohne einen Telefonhoerer in die Hand zu nehmen, direkt vom PC aus zu telefonieren. Dies funktioniert in der Regel ueber eine Kombination aus Modem und Soundboard oder bei internen Modemkarten ueber den auf der Karte integrierten Soundteil. Ein Telefongespraech wird dabei ueber Lautsprecher und Mikrofon gefuehrt.

Grundgedanke beim DSVD ist die simultane Nutzung einer analogen Telefonleitung fuer die Daten- und Sprachkommunikation. Somit koennte der Mitarbeiter einer Support-Hotline, waehrend er die Rechnerkonfiguration des Anrufers untersucht, diesem bereits ueber Sprache entsprechende Tips geben. Pragmatischer beurteilt allerdings Creatix-Geschaeftsfuehrer Schuckert diese neue Form der kombinierten Kommunikation: "Die Doom-Kids sind schon ganz heiss darauf."