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17.12.1999 - 

System-Management

Anwender benötigen sehr viel Ausdauer

Ohne moderne IT- und Netzwerklösungen sind wichtige Weichenstellungen für die Zukunft nicht möglich. Das ist den Entscheidern klar. Doch ob sich die Investition in neue Technologien auch rechnet, wird nach wie vor bezweifelt. Dieses Problem trifft insbesondere auf System-Management-Projekte zu, wie Winfried Gertz* von Anwendern und Insidern erfahren hat.

Ihre Abhängigkeit von der Datenverarbeitung geht den Verantwortlichen der Reuters Plc., London, durch Mark und Bein. Versagten die Systeme nur für wenige Minuten ihren Dienst, stünde das Topmanagement vor einem Riesenproblem. Denn die Kunden des Informationsgiganten erwarten, daß alles reibungslos funktioniert. Etwa eine halbe Million Menschen in rund 58000 Unternehmen und Institutionen beziehen aus dem High Performance External Services Network (ESN) individuelle Informationen über Märkte, Wettbewerber und Börsentrends. An ESN docken 360000 Workstations an. Deshalb vertrauen die Entscheider auf ein Enterprise-Management-System. Seine Aufgabe: Es muß einen 100prozentig sicheren und rund um die Uhr verfügbaren Informationsfluß gewährleisten.

Großes Vertrauen ins System-Management setzt auch die Electrolux IT Solutions, eine Tochter des schwedischen Konzerns Electrolux AB in Stockholm. 18 Monate nimmt man sich Zeit, um Geschäftsprozesse zu analysieren und im Tivoli-Framework abzubilden. Denn der weltweit führende Hausgerätehersteller mit mehr als 100 Niederlassungen rund um den Globus will seine gesamte Informationstechnik zentral steuern und strategisch ausrichten. Um seine Spitzenposition in puncto Servicequalität, technische Kompetenz und Kundenorientierung auszubauen, soll auch der Wert der Datenverarbeitung beträchtlich zulegen.

Keine Frage - die Verwaltung von IT-Ressourcen ist zu einer Paradedisziplin der Software-Industrie avanciert. Nicht nur große Unternehmen und Konzerne investieren in Produkte und Dienstleistungen, auch der Mittelstand will damit seine akuten oder absehbaren IT-Probleme bewältigen. Im Zuge ihres Wachstums entdecken immer mehr Firmen die Potentiale des Internet oder des Enterprise Resource Planning à la SAP R/3, um Geschäftsprozesse zu konsolidieren beziehungsweise mit Partnern und Kunden abzustimmen. Doch je mehr sie in neue Systeme investieren, desto höher ist der Tribut, den sie dem Management der gewachsenen heterogenen Systemarchitektur zollen müssen.

Daß sich das System-Management einer guten Konjunktur erfreut, bestätigen die Studien der Marktbeobachter. Laut IDC sollen die weltweiten Lizenzumsätze von 9,7 Milliarden Dollar in 1998 auf 11,3 Milliarden in 1999 und 18 Milliarden Dollar in 2003 klettern. Europaweit bietet sich das gleiche Bild. Wie Frost & Sullivan erwartet, soll der Markt von 4,3 Milliarden in 1998 auf 5,1 Milliarden in 1999 sowie 10,8 Milliarden Dollar im Jahr 2003 anwachsen. Einheitlich sehen IDC und Frost & Sullivan Computer Associates als Nummer eins mit rund 30 Prozent Marktanteil. Gleich dahinter rangieren IBM und die Tochter Tivoli sowie Hewlett-Packard.

Aufgeteilt ist der Markt für System-Management nach Angaben der Meta Group in Anbieter von Frameworks wie "Tivoli TME" und "CA Unicenter", Mini-Frameworks wie "Hewlett-Packard Open View" und "Microsoft SMS" sowie einer Vielzahl von sogenannten Punktlösungen. Wie Lutz Peichert von der Meta Group GmbH in Ismaning erläutert, stehen insbesondere die Anbieter von Punktlösungen vor einem großen Boom.

Ist das realistisch? Eine Lösung für alle Probleme

Ihr Funktionsspektrum sei beachtlich: Sie wachen über Sicherheitsstandards, steuern die automatische Softwareverteilung im Netz und melden sofort jede Änderung. Sie kontrollieren komplexe Lebenszyklen bis zur Deinstallation und Verschrottung und erleichtern die Erhebung des physischen Systembestands innerhalb eines Netzwerks. Werkzeuge für Softwareverteilung, Netzwerkadministration, Speicher-, Performance- und Konfigurations-Management unterstützen IT-Shops bei immer heikleren Aufgaben. "Der Druck nimmt gewaltig zu", so Peichert. "Plötzlich wird die Leistung nicht mehr intern beurteilt, sondern vom Kunden." Denn dem bleibt nicht verborgen, wenn ein Web-Server ausgefallen ist.

Für jedes Management-Problem eine Lösung zu erhalten ist ein großer Vorteil. Doch was nützt den Verantwortlichen ein Sammelsurium an Werkzeugen, die sich nicht hinreichend in ein Gesamtkonzept integrieren lassen? Zwar sind Systeme für Backup-, Security- und Netzwerk-Management überschaubar und schnell zu implementieren.

Im Störungsfall jedoch ist die Ursache nur schwer herauszufinden, denn die einzelnen Funktionen sind nicht miteinander verbunden. Peichert: "Auf die Frage, wie das Unternehmen betroffen ist oder welche Services unter dem Ausfall leiden, bieten sie keine Antwort."

Eigentlich ein gefundenes Fressen für die Anbieter von Frameworks, Lösungen also, die sich durch eine übergreifende Datenbasis, Anwendungsintegration sowie durch einheitliche Oberflächen auszeichnen. Das Manko indes liegt hier auf der Hand: Wer sich bis dato für Frameworks entschieden hatte, lieferte sich auf Jahre an die Plattform eines Herstellers aus. Mit gefährlichen Konsequenzen, denn die viel länger als geplant laufenden Projekte verschlingen ein Vielfaches der Kosten der eigentlich erworbenen Lizenzen.

Dies belegt eine Studie der Beratungsgesellschaft Lucent Netcare (vormals INS), die IT- und Netzwerkverantwortliche aus 100 Unternehmen in den USA und Europa befragte. Ergebnis: 17 Prozent der Kosten für System- und Netzwerk-Management entfallen auf die Planung, 27 Prozent auf die Beschaffung von Hard- und Software, 26 Prozent auf Installation und Pilotierung und 30 Prozent auf den Betrieb. Doch wer durch den Einsatz solcher Lösungen tatsächlich Geld sparen will, hat ein Problem. Denn die geforderte Kompetenz ist kaum verfügbar, sondern muß teuer eingekauft werden. Um Aufgaben wie Systemauswahl, Planung, Installation und Integration zu erledigen, holen Anwender spezialisierte Dienstleister ins Haus. Kein Mittelständler kann es sich leisten, für intensive Weiterbildung tief in die Tasche zu greifen.

Nicht nur Peichert beobachtet, daß Framework-Anbieter wie Tivoli oder CA mit Workgroup- und Single-Edition-Lösungen zu niedrigen Preisen aufrüsten. Eine kluge Entscheidung, denn vor allem mittelständische Unternehmen gehen zwar einen Schritt nach dem anderen, können aber gewaltig wachsen. Ein Ansatz, der auch Stefan Link von der A. Racke GmbH & Co. aus Bingen überzeugte. Wie viele IT-Leiter kennt Link auch das Problem: Kosten und Aufwand der Datenverarbeitung müssen herunter, ihre Effizienz soll sich aber erhöhen.

Um diesen Gordischen Knoten zu durchhauen, entschied sich Link für "CA Unicenter TNG". Als im Rheinland von Altweiberfastnacht bis zum Rosenmontag alle Puppen tanzten, rüstete Links Rollkommando die Arbeitsplätze der rund 500 Mitarbeiter komplett mit Hard- und Software um. Automatisch lief sowohl die Migration von Banyan Vines auf Windows NT als auch die Verteilung der Softwareprogramme auf die PCs ab. Ein einzelnes Tool, so Link, kann noch so sehr überzeugen - läßt es sich nicht in die Systemlandschaft integrieren oder versagt es bei Überschreiten einer limitierten User-Zahl seinen Dienst, geraten Entscheider in Erklärungsnot. Bei Racke war das nicht der Fall. "Für den Ausbau des System-Managements hat uns die Geschäftsführung grünes Licht gegeben."

Ähnliche Voraussetzungen herrschten bei der HSB Systemhaus GmbH in Selb. Ohne viel Federlesens wurde die inzwischen ausgegliederte DV-Abteilung der Hutschenreuther AG mit der Entscheidung des Mutterhauses über die Einführung von SAP R/3 informiert. Binnen kürzester Zeit sollen Stefan Schraml und sein Team die nicht R/3-tauglichen PCs an drei etwa 100 Kilometer voneinander entfernten Standorten austauschen und neue Rechner installieren. Für die automatische Einrichtung von Betriebssystem und Anwendungen entschied sich HSB für ein Software-Distributions-Tool von On Technology. Sowohl Windows NT als auch Standardsoftware wie Office 97, Internet Explorer und der SAP-Client GUI wurden in die verstreuten Computer eingespielt. "Würden wir selbst Hand anlegen, bräuchte die Installation von NT einen halben Tag. Mit dem neuen Werkzeug gelingt das in wenigen Minuten", skizziert Schraml den Vorteil von System-Management. Durch Hinzunahme weiterer Werkzeuge für Helpdesk und Netzwerküberwachung kann Schraml die Hochverfügbarkeit garantieren, die das Mutterhaus von seinen geschäftskritischen Anwendungen fordert. In Selb entschied man sich also gegen die Plattformalternative.

Die Anwender sind gut beraten, ihre Organisation vor dem Einsatz von System-Management kritisch zu überprüfen. Die Quote von, so Peichert, weltweit 60 Prozent fehlgeschlagenen System-Management-Projekten macht dies notwendig. Kritiker empfehlen, zunächst mit dem Design von Geschäftsprozessen zu beginnen und erst danach über Lizenzen nachzudenken. Damit Werkzeuge überhaupt funktionierten, argumentiert Peichert, sei extrem viel Prozeß- und Organisationsdesign erforderlich.

Was steht eigentlich auf dem Spiel? Fällt eine konkrete Anwendung an einem bestimmten Tag für zwei Stunden aus, kostet das das Unternehmen beispielsweise einige tausend Mark. Peichert: "Gefragt sind Experten, die sich sowohl in den Geschäftsprozessen als auch in der IT auskennen." Für viele DVler ein Problem. Obwohl die Firma wächst, bleiben sie in ihrem traditionellen Selbstverständnis gefangen. Investitionen nicht mehr nach Kosten und Ausgaben, sondern nach dem Nutzen zu beurteilen, ist für die meisten eine Nummer zu groß.

*Winfried Gertz ist freier Journalist in München.