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04.07.1997 - 

Manchmal gehts nicht ohne

Anwender berichten über den Sinn von Extranets

Die LSI Logic Corp. aus dem kalifornischen Milpitas brachte 1994 pünktlich zur Weihnachtszeit, sechs Wochen vor der Konkurrenz, einen Chip für die 32-Bit-Sony-Playstation heraus. Einen großen Anteil am Erfolg hatte nach Angaben von LSI-Global-Security-Managerin Nicole Crawford die Kommunikationsinfrastruktur, die mit Hilfe von Internet-Technik erstellt wurde. "Wir haben mit dem Aufbau begonnen, noch bevor ich wußte, was der Begriff Extranet bedeutet. Damals wurde nach einem effizienten Weg gesucht, bei uns vorhandene Designinformationen an unsere Subunternehmer und deren Zulieferer zu übermitteln." Das Unternehmen sieht sich in Konkurrenz zu Motorola und Intel. "Wenn wir mit den großen Jungs spielen wollen, müssen wir über mindestens ebenso gute Tools verfügen", so Crawford. Das ließ sich der Chiphersteller auch einiges kosten. Rund drei Millionen Dollar steckte LSI in Unix- und Windows-NT-Rechner sowie Firewalls.

Trotz hoher Investitionen gibt es keine Garantie, daß ein solches Firmennetz zum Erfolg wird. So mangelte es zunächst auch unter den LSI-Subunternehmern an Akzeptanz. "Manchmal bekamen wir bei Übertragungsschwierigkeiten zu hören: Das ist nicht mein Netz und damit nicht mein Problem", beschwert sich Crawford noch heute.

Auch die Lightning Division von General Electric CO. (GE) macht nicht nur positive Erfahrungen mit dem Extranet. Das Unternehmen baute ein solches Netz, um einen unmittelbaren Kontakt zu Anbietern pflegen zu können. Subunternehmer, die Anlagen und Maschinen bauen, können Ausschreibungen nun auf elektronischem Wege abrufen und direkt mit Angeboten darauf reagieren.

An der Realisierung eines solchen Netzes, allerdings ohne Internet-Unterstützung, hatte sich zuvor die Schwesterfirma GE Information Services (GEIS) versucht. Das System überlebte nur fünf Monate bis zum Januar 1996. Es hätte die Anbieter jährlich Tausende an Dollars gekostet, um überhaupt Angebote plazieren zu können. Außerdem hätten sie darauf jeweils bis zu elf Stunden warten müssen.

Im September 1996 richtete GE einen neuen elektronischen Marktplatz ein.

Er basiert auf dem Electronic-Commerce-System "Trading Process Network" (TPN) und stammt ebenfalls von GEIS. Mit Hilfe des Handelssystems will der Stromerzeuger pro Jahr etwa eine Milliarde Dollar umsetzen.

Anbieter und Kunden, die nun via Browser mit GE verbunden sind, erhalten ihre Informationen vom internen Abrechnungssystem, das auf einem IBM-Mainframe liegt. Die Daten werden vom Mainframe auf einen HP-Unix-Server geladen, per Oracle-Datenbank verteilt und über einen Novell-Datei-Server zur Verfügung gestellt.

Elektronische Märkte im Vertrieb

Auf der Anwendungsseite erarbeitete GEIS etwa Workflow-Funktionen, die gemeinsam mit Fokusgruppen verbessert wurden. Bei den Lieferanten, die sich für die Nutzung von TPN eigens einen neuen PC zulegten, half GEIS zum Beispiel bei der Konfiguration von Windows. Darüber hinaus schulte GE Lightning 55 Anbieter im Umgang mit dem elektronischen Marktplatz, mit Mail-Systemen und dem Internet überhaupt.

Trotz aller Vorbereitung sind nicht alle Geschäftspartner des Stromriesen mit dem neuen Netz zufrieden. "Das Extranet ist nicht für jeden und alles geeignet", beschwert sich etwa Bob Reiman, Account Executive bei der Maschinenfabrik Astro Model Developments Corp. So dauere das Ausdrucken technischer Zeichnungen wesentlich länger als zuvor. Die Fabrik verfügt über keinen Plotter, so daß die Zeichnungen, wenn sie über das Netz kommen, noch verkleinert werden müssen. Erst kürzlich habe man drei Stunden gebraucht, um 13 Zeichnungen aus dem Netz zu ziehen und auszudrucken. "Als die Informationen noch per Fax kamen, benötigten wir eine Stunde weniger. Mit dem Extranet spart GE zwar Geld, aber uns verursacht es nur Mehrarbeit", resümiert Reiman.

Wie der Fall GE zeigt, ist es unter Umständen mit erheblichem Aufwand verbunden, die Geschäftspartner vom Sinn des Electronic Commerce zu überzeugen. Zudem werde diese Form der Web-Nutzung häufig mit Electronic Data Interchange (EDI) verwechselt, erläutert Carl Lehmann, Director of Electronic Commerce bei dem Marktforschungsinstitut Meta Group Inc. aus Stamford, Connecticut. Bei EDI handle es sich lediglich um ein Set von Standards, die Geschäftspartner für den Datenaustausch nutzen können. Gleiche Technologie aber garantiere längst nicht, daß darüber auch Geschäfte abgewickelt werden können. Zumindest benötigten Betriebe darüber hinaus eine leistungsfähige Datenbank und Sicherheitsmaßnahmen, die nur ausgewählten Benutzern den Zugriff auf interne Informationen erlaubten. Dafür aber biete ein Extranet, das als elektronischer Markt genutzt wird, zum Teil einen erheblichen Mehrwert.

Der Automobilzulieferer Snap-On Tools Co. aus Kenosha, Wisconsin, wollte zunächst nur ein "elektronisches Dorf" aufbauen, um Papier und Kosten für die Kommunikation mit seinen Händlern zu sparen. Pilotanwender lobten das Netz, dessen Aufbau einschließlich Browser-Updates für die Händler rund 100000 Dollar gekostet hat, doch verlangten sie stets aktuelle Inhalte und Möglichkeiten, sich in Foren und Newsgroups auszutauschen.

Obwohl sie zunächst kräftig investieren müssen, entscheiden sich Anwender häufig aus Kostengründen für den Aufbau eines Extranet. Claimsnet.com, Anbieter von Services für das Gesundheitswesen aus Dallas, verlagert sein gesamtes Geschäft ins Internet. Begonnen wurde das Vorhaben im März dieses Jahres. Die Kosten für zwei Jahre Aufbauarbeit wurden auf rund 2,5 Millionen Dollar kalkuliert.

Auch bisher schon hatte Claimsnet.com online agiert. Doch bald wurde dem Unter- nehmen die Administration zum Beispiel von Rückvergütungen an die Ärzte zu teuer. Claimsnet.com mußte PCs, Modems und Client-Software installieren und anschließend Schulungen dazu abhalten. Auch die Kunden zahlten: 500 Dollar für die Software, 2000 Dollar für deren Installation, 200 Dollar für drei Tage Schulung und 200 Dollar Monatsbeitrag. "Das Internet ändert jedoch alles", begeistert sich Terry Lee, Executive Vice-President von Claimnet. com. Jetzt benötigen die Ärzte lediglich Standard-Browser.