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01.03.1996 - 

Windows 95 mit CAPI-Schnittstelle, Probleme bei Windows NT

Anwender bewerten ISDN fuer die Datenuebertragung zurueckhaltend

Die ISDN-Technik scheint in den Koepfen der Manager, die ueber DV-Vorhaben entscheiden, noch nicht verankert zu sein. Der derzeitige Vorsitzende der Deutschen ISDN Anwender Gruppe (DIAG), Heiko Thierbach, praesentierte auf dem Workshop der Windows User Group (WUG) eine Umfrage unter 600 Entscheidern zum Thema ISDN. Mehr als 500 der Befragten, so der DIAG-Vorsitzende, kennen die digitale Uebertragungstechnik der Telekom zwar, sehen fuer das eigene Unternehmen aber keinen Anwendungsbedarf.

Das erstaunliche Ergebnis hat auch die Telekom zu verantworten, so Thierbach. Zwar ueberzieht der deutsche Carrier das Land mit einer sehr guten Infrastruktur, allerdings konnte das Unternehmen trotz erfreulicher Absatzzahlen das Kundenpotential noch nicht in dem Masse ausschoepfen, wie es ISDN-Praesenz und -Nutzen erwarten liessen. Zu sehr, so die Kritik Thierbachs, ist in den Koepfen das Vorurteil verankert, ISDN sei nur fuer die Sprach- und weniger fuer die Datenuebertragung geeignet.

Die ISDN-Integration in das juengste Microsoft-Betriebssystem koennte den durch das Telekom-Foerderprogramm angekurbelten ISDN- Boom im Sprachverkehr auch in den Markt fuer Datenuebertragungen tragen. In Deutschland liefern die Softwerker das neue Betriebssystem Windows 95 standardmaessig mit CAPI-Schnittstelle aus (siehe Lexikothek, Seite 36), in allen anderen Laendern muss diese als Bestandteil des Windows-95-Erweiterungspaketes extra erworben werden.

Das Berliner WUG-Treffen fand ohne Microsoft statt. Die Windows- Company wurde aber indirekt durch die Acotec GmbH, Entwickler der ISDN-Software fuer Windows 95, vertreten. Die Berliner implementierten fuer Microsoft das CAPI-Subsystem, die Schnittstelle zwischen ISDN-Karte und Betriebssystem. Durch Microsofts Entscheidung, dieses Interface in Deutschland mit Windows 95 auszuliefern, entfallen Anpassungsprobleme der ISDN- Karte an das Betriebssystem.

Ungleich schwerer ist allerdings die Integration von ISDN und Windows NT. Zwar enthaelt Windows NT den remote Access Server (RAS), der die Netzwerkkopplung auch via ISDN moeglich macht, doch fuer Telematikdienste wie Fax oder T-Online gibt der Markt noch keine Loesungen her. Anwender, die entsprechende Dienste benoetigen, muessen sich selbst darum kuemmern. "Die Softwarehersteller haben die Entwicklung von Windows NT nicht vorhergesehen", erklaert Andreas Grothe, Bereichsleiter Software-Entwicklung bei Acotec, das Versaeumnis.

Das Beispiel einer schrittweisen Migration zu ISDN praesentierte Frank Stoppacher, DV-Mitarbeiter der Blumenauer Immobilien, Kronberg. Mit der Expansion der Firma von vier auf rund 24 Standorte innerhalb von sechs Jahren wuchsen die Anforderungen an den Informationsaustausch ueber Leitungen der Telekom. Genuegten zu Anfang noch einfache Modemstrecken mit einer Uebertragungsrate von 2400 Baud, ist das Unternehmen mittlerweile via ISDN vernetzt.

Ausschlaggebend fuer den Wechsel von analoger zu digitaler Uebertragungstechnik waren zunaechst technische Probleme. Die Modems samt Rechner stuerzten des oefteren ab, zudem bestand Bedarf an Fernwartung und File-Transfer fuer Updates. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Modemverkehr lehnten die Entscheidungstraeger Server mit Modems ab, Gateways waren ihnen zu teuer, und Multiprotokoll-Router schieden aus, weil eine moeglichst einfache Loesung bevorzugt wurde.

In dieser Phase war an allen Blumenauer-Standorten ISDN verfuegbar. Die DV-Abteilung der Makler entschied sich daher, die Lokationen mittels ISDN-Routern von Miro zu verbinden.Diese Geraete ermoeglichen Zugriffe auf entfernte LANs und stellen Funktionen wie Kanalbuendelung, Rufnummernueberpruefung oder einstellbare Timeouts bereit.

Schwierigkeiten bereitete jedoch die Konfiguration der Router in einigen Niederlassungen mit Windows-NT-Umgebungen, da diese das nicht zu routende Netbeui-Protokoll nutzten. Dieses baut logische Verbindungen via ISDN physikalisch sofort auf, sobald ein nur lokal begrenzter Netzvorgang stattfindet. "Faellt das nicht auf, kommt der Aha-Effekt spaetestens mit der naechsten Telefonrechnung", beschreibt Stoppacher das Problem.

Kuenftig sollen in den Niederlassungen reine Windows-NT-Netze mit TCP/IP-Protokollen eingerichtet werden. Um in diesem Umfeld auch Telematikdienste nutzen zu koennen, sei es wuenschenswert, so Stoppacher, die entsprechenden Router herstellerseitig mit CAPI- Schnittstelle auszustatten.

Waehrend die Immobilienmakler aus technischen Gruenden zu ISDN wechselten, waren es bei der Spedition Birkart finanzielle Interessen. Das Unternehmen unterhielt 23 IBM/36-Systeme, die via Datex-P vernetzt waren. Insgesamt fielen im Jahr 1993 fuer Datex-P und Datendirektverbindungen Kosten in Hoehe von fast einer Million Mark an.

Ueber die genannten Uebertragungswege wickelte die Transportgesellschaft ihr Speditionsgeschaeft ab. So nutzte das Unternehmen die Infrastruktur, um Sendungen zu verfolgen, die Kommissionierung zu erledigen und Kunden das Ordertracking zu erlauben, mit dem sie den Weg der versendeten Waren verfolgen koennen.

Um Kostenreduzierung bemueht, wollten die Verantwortlichen bei Birkart die DV in sechs Standorten konzentrieren und somit Mitarbeiter fuer andere Aufgabengebiete freimachen. Den digitalen Service der deutschen Telekom planten die Verantwortlichen ein, um LAN-Strukturen in Niederlassungen zu verbinden. Ausserdem waren ISDN-Waehlverbindungen dafuer vorgesehen, in Zeiten hohen Verkehrsaufkommens und bei Ausfall einer Festverbindung die Kommunikation sicherzustellen.

Im November 1994 richtete die Spedition zunaechst eine semipermanente ISDN-Leitung zwischen der Zentrale und einer Niederlassung ein, die das entfernte Token-Ring-Netz sowie Terminals im Dialogbetrieb auf den zentralen Rechner zugreifen liess. Inzwischen hat das Unternehmen die Infrastruktur auf saemtliche Filialen ausgedehnt. Mittels Fest- oder Waehlverbindungen haben saemtliche Lokationen Zugang zur zentralen AS/400.

Da der Zugriff auf das oeffentliche Netz ueber einen Multiplexer hergestellt wurde, der Daten-, Fax- und Sprachverkehr komprimiert und buendelt, wurde in einem weiteren Schritt auch die Sprachuebertragung in das Netz integriert. Vorhandene Telekom- Anlagen sind mittlerweile an das Multiplex-System angebunden, so dass ueber das ISDN-Netz Daten, Fax und Sprache laufen.

Vor dem Problem der Diensteintegration stand auch die West LB, Duesseldorf, die mittlerweile innerhalb der Stadt insgesamt 21 Standorte via ISDN-Festverbindungen miteinander vernetzt hat. Bei dem Finanzdienstleister werden PCs fuer Telematikdienste und den Telefonverkehr genutzt, zudem kommunizierten sie untereinander oder mit dem Host und innerhalb von LANs. Die Anwendungen fuer die Mitarbeiter umfassen Dienste wie ein Rufjournal mit der Historie der Gespraeche, Faxsendungen, sowie Telefonbuch, Server-Zugriffe, File-Transfer und weitere Datentranfer-Anforderungen. "Eine Loesung fuer alle Dienste war am Markt nicht zu finden, so dass zusammen mit Herstellern eine eigene Loesung entwickelt werden musste", schildert Joerg Steinbacher, Leiter des Bereichs ISDN Technologie bei der West LB, die Situation.

Fuer die Anbindung der 21 Standorte verwendet die West LB Hicom- Anlagen von Siemens. Darueber greifen insgesamt 1200 PCs mit ISDN- Karte direkt und 250 PCs in Token-Ring-Netzen auf das digitale Netz zu. Um Telematik-Dienste nutzen zu koennen, richtete die DV- Abteilung in Zusammenarbeit mit einigen Herstellern einen dafuer zustaendigen zentralen Server ein, der Faxe verschickt und eingehende Nachrichten an die Mitarbeiter verteilt. Neben diesen Funktionen wickelt die West LB Dienste wie Lotus Notes, SAP R/3, die VT- sowie X-Windows-Emulation und den Internet-Zugang ueber die ISDN-Infrastruktur ab.

Um den Mitarbeitern den Zugang zu vereinfachen, wurde eine eigene Windows-basierte Oberflaeche erstellt, die per Mausklick die entsprechenden Funktionen startet. Zudem enthaelt sie das Telefonbuch und ein Rufjournal. Das System ist modular aufgebaut, so dass sich die angebotenen Anwendungen individuell freigeben oder sperren lassen.

Kuenftig wollen die fuer die DV bei der West LB verantwortlichen Mitarbeiter das gesamte System auf Windows NT portieren. Ausserdem plant das Finanzhaus, zusammen mit den Stadtwerken Duesseldorf ein eigenes Stadtnetz auf Basis von Glasfaserkabeln aufzubauen, um unabhaengig von der Telekom im Breitbandnetz kommunizieren zu koennen.

Vorteile der ISDN-Anwendung

- Niedrigere Kosten als bei Datendirektverbindungen

- Integration von Diensten wie Sprache, Daten und Fax,

- Ersatz fuer langsame und analoge Modemstrecken,

- bessere Sprach- und Datenqualitaet aufgrund digitaler Technik,

- Backup-Verbindung bei Leitungsausfall,

- redundanter Verkehrsweg bei hohem Datenaufkommen,

- Fernwartung,

- Softwaredistribution,

- remote Zugriffe fuer kleine Filialen oder Heimarbeiter,

- LAN-zu-LAN-Kopplung,

- Telematik- und Telefondienste am PC,

- File-Transfer zwischen PC und Host,

- Videoanwendungen (auch zur Fernueberwachung) sowie

- Fernsteuerung etwa von Schliessanlagen.