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11.07.1997 - 

Computer-Based-Training-Kurse zum SAP-R3-Einsatz

Anwender: CBT funktioniert nicht ohne Coaching

Am 5. Mai war es endlich soweit: Nach erfolgreichem Testlauf ging SAP R/3 bei der deutschen Tochter des eidgenössischen Maschinen- und Anlagenbauers Bühler in den Produktionsbetrieb. Während demnächst 120 Mitarbeiter in der Braunschweiger Dependance mit dem Standardsoftware-Programm arbeiten sollen, laufen bei der französischen Niederlassung in Paris die Vorbereitungen für die sukzessive SAP-Einführung auf Hochtouren. Projektleiter Stephan Straub: "Nicht zuletzt wegen unserer CBT-Initiative liegen wir auf Planungskurs."

Doch nicht nur in der Wirtschaft, auch an den Hochschulen hat man die neue Lernmethode entdeckt. An der Fachhochschule in München beispielsweise lernen die Betriebswirte in spe, wie sich Geschäftsprozesse mit Unterstützung von Standardsoftware steuern lassen. Dazu Professor Engelbert Dandl, in dessen Lehrveranstaltungen über Informationsverarbeitung in der Logistik CBT zum Einsatz kommt: "Auf didaktisch hohem Niveau lernen unsere Studenten wichtige Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre sowie deren Umsetzung in modernen Softwaresystemen. Dabei können sie ihr Wissen jederzeit interaktiv und individuell am Rechner auffrischen."

Daß es sich dabei um SAP-Software handelt, ist für die Studenten angesichts der aktuellen Marktverhältnisse von Vorteil. "Wir bieten den Hochschülern aber auch die Möglichkeit, neben SAP R/3 weitere wichtige Softwarepakete kennenzulernen. Das Lehrangebot einer Hochschule sollte nicht auf einen einzigen Software-Anbieter fixiert sein", so der Dozent.

In der Wirtschaft, wo die SAP-Einführung bisweilen große Löcher in die Kassen reißt, finden vergleichbar preiswerte CBT-Trainings schnell ihre Kunden. Anwender Straub: "Eine dreitägige SAP-Schulung in Walldorf schlägt pro Person mit 3000 Mark zu Buche. Reisekosten, Spesen sowie Ausfallzeiten kommen noch hinzu." Eine CBT-Programmlizenz für 5000 Mark wirkt als Alternative durchaus attraktiv. Unter dem Strich hat sich die auch aus Kostengründen getroffene Entscheidung der Geschäftsführung bestätigt, und die weiteren Investitionen in CBT lassen sich leichter durchsetzen.

Für Straub hat sich der Einsatz des von der Bonner CBT Systems GmbH gelieferten interaktiven Trainings aus mehreren Gründen bezahlt gemacht. Neben einer gleichbleibenden, von der Tagesform eines Referenten unabhän- gigen Ausbildungsqualität, dem selbstbestimmten Lerntempo der Teilnehmer sowie der permanenten Verfügbarkeit der Programmteile gefiel Straub die professionelle Konzeption, "mit deren eigenständiger Erarbeitung wir hoffnungslos überfordert gewesen wären". Rund 80 Prozent der Teilnehmer, ermittelten die CBT-Verantwortlichen in Braunschweig, können die Kurse selbständig durcharbeiten. Nur 20 Prozent benötigten Hilfestellung.

Auch Dandl lobt die "bemerkenswerte" Reife des Programms. Im Unterschied zum Einsatz in einem Unternehmen jedoch, das schnell produktiv sein muß, geht es an der Hochschule mehr um die Vermittlung von Basiswissen: "Studenten lernen Grundlagen und können im Projektstudium etwas über die Einführung von SAP R/3 in Unternehmen erfahren." Das CBT-Programm ist auf einem Dozenten-Arbeitsplatz installiert.

Über einen Screener werden in den Übungen die jeweiligen Arbeitsschritte visualisiert, die die Studenten auf ihren Rechnern nachvollziehen. Wichtigste Grundlage der Veranstaltung aber ist das vorbereitete Skript, das den Studenten als Richtschnur des Lernfortschritts dient. "An der Hochschule gibt es kein Geld, um 20 oder mehr Systeme ê 5000 Mark zu installieren", so der Professor.

Außer dem gleichzeitigen Sehen und Hören bietet das interaktive Lernen im Unterschied zum normalen Unterricht laut Dandl einen wesentlichen Vorteil: Wenn jemand ein Verständnisproblem hat, muß deshalb nicht der Unterricht unterbrochen werden. Zudem ergänzt der Münchner Hochschullehrer die per CBT angebotenen Inhalte um eigene Aufgaben, die am Übungsrechner von den Studenten bearbeitet werden können. Die Akzeptanz entwickelt sich ausgesprochen positiv: "Studenten wollen sich über Themen prüfen lassen, auf die sie sich am Rechner gezielt vorbereiten können."

CBT für Grundlagen und Funktionen zu 40 Prozent, traditioneller Unterricht für die Prozeßschulung zu 60 Prozent - so sieht es das Ausbildungskonzept von Bühler vor. Während für alle Teilnehmer die Grundlagenschulung obligatorisch ist, befassen sich anschließend die meisten Mitarbeiter mit den Lernkursen "Geschäftspartner und Material", "Auftragsbearbeitung" und "Einkaufsabwicklung". Für einzelne Anwenderkreise ebenfalls vorgesehen sind Kurse über Debitorenbuchhaltung, Stammdatenpflege oder Versand und Fakturierung. Für Straub hat sich gezeigt, daß die Einführung von CBT ohne Coaching nicht gelingt. Nicht jeder kann sich auf das computergesteuerte Lernen so einlassen, wie es die Anbieter immer wieder behaupten. Vor allem Betriebe müssen bei ihren Mitarbeitern zunächst mit äußerster Zurückhaltung rechnen.

Eine weitere Erkenntnis des Anwenders betrifft die Politik der Anbieter. Lange Zeit konnte man sich nicht auf eine befriedigende Lizenzierungspraxis einigen. Mit der gefundenen Pauschallösung fährt Bühler jedenfalls günstiger, als es die ursprünglich geplante, an der Nutzerzahl orientierte Regelung vorsah. Die Kurse sind nur in Deutsch und in Englisch verfügbar, was den bevorstehenden Einsatz in anderen europäischen Niederlassungen erschwert.

Dennoch ist man in Braunschweig mit der Entscheidung zufrieden, zumal Alternativangebote höhere Kosten bei geringerer Effizienz mit sich gebracht hätten. Ähnlich argumentiert Dandl, der in der Komplexität der SAP-Software keine prinzipielle Schwierigkeit für ein CBT-Programm sieht: "Man fängt immer klein an und lernt in kleinen Happen. Die Frage der Mächtigkeit eines Systems ist für die Wahl einer Lernmethode eher unbedeutend. Ideal wären interaktive Programme, die sich um unternehmensspezifische Themen ergänzen lassen.

*Winfried Gertz ist freier Journalist in München.