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13.02.1981 - 

Ausfallsicherheit wichtiger als in der kommerziellen Datenverarbeitung:

Anwender der bemängeln Proßrechner-Support

MÜNCHEN - Für den Einsatz von Minicomputern zur Steuerung industrieller Prozesse gelten andere Gesetze als für die kommerzielle Datenverarbeitung. So bezeichnen Prozeßrechner-Anbieter die Ausfallsicherheit als wichtigstes Kriterium beim Kauf eines Rechners. Begründung: Wenn der Mini streikt, kann der Stillstand einer Fertigungsanlage oder eines Hochregals Betriebsunterbrechnungen zur Folge haben.

"Neben der Kompatibilität liegen die Hautprobleme des Prozeßrechnereinsatzes vor allem im fehlenden Software-Angebot", kritisiert Boris Nintscheff, DV-Leiter bei den Deutschen Gelantine Fabriken im badischen Eberbach. Für seine Anwendung könne er absolut keine Standard-Software kaufen und sei somit gezwungen, alle Programme selbst zu stricken. Nintscheff fährt seit etwa einem Jahr eine Nova 2 von Data General, die für Einwiegekontrollen und zum Mischen von Produktkomponenten eingesetzt wird.

Nachdem das System installiert war, tauchten jedoch speziell hier die größten Probleme auf: Beinahe tägliche Power-Ausfälle führten mehrfach zum Produktionsstillstand, so daß die Mitarbeiter schließlich mehrfach manuel einwiegen und kontrollieren mußten. Daraufhin entschloß sich die Gelatine-Crew, ein zweites System zu installieren, um bei Ausfall des Hauptrechners umschalten zu können. Nachteil: Die Daten müssen jetzt parallel geführt werden - das erfordert doppelten Eingabe-Aufwand.

Ortwin Goldbeck, Inhaber der Goldbeckbau GmbH & Co. in Bielefeld, setzt die gleichen Prämissen wie Nintscheff: "Ausfallsicherheit steht bei uns ganz oben an." Um bei Störungen nicht "völlig nackt" dazustehen, beabsichtigt er ebenfalls ein zweites System einzusetzen. Goldbeck ist zwar von den Möglichkeiten der Prozeß-Minis begeistert, bezweifelt jedoch, daß sie einen echten Rationalisierungseffekt bewirken. In seinem Unternehmen könnte er wohl einen Hilfsarbeiter entlassen, müsse aber dafür einen hochkarätigen Techniker wieder einstellen

Qualifizierte Fachkräfte sind jedoch nach Ansicht von DV-Chef Hans

Sontheimer (Magirus Deutz AG, Ulm) im Prozeßrechner-Bereich noch wesentlich schwieriger zu finden als in der kommerziellen Datenverarbeitung. Da der Personalmarkt weder Systemprogrammierer noch Systemanalytiker hergebe, hieße es in der Regel, "tief in die Tasche zu greifen", und die Programme außer Haus erstellen zu lassen. Bei Magirus Deutz ist derzeit ein Solar 16-Mini der Sems Computer-GmbH installiert, der zur Steuerung von Hochregalen eingesetzt wird. .Sontheimer sieht die Probleme seines Prozeßrechner-Einsatzes vor allem in der Verfügbarkeit. Als kommerzieller Datenverarbeiter sei er "überglücklich", wenn sein Computer eine Verfügbarkeit von 95 Prozent erreiche - bei Prozeßrechnern müsse die unterste Grenze jedoch bei 97 Prozent liegen.

.Die Eppendorfer Gerätebau GmbH in Hamburg zählt sich zu den ältesten Prozeßrechneranwendern in der Bundesrepublik. Manfred Buks, Bereichsleiter "Prüfplanung", bemängelt noch immer das fehlende Angebot auf dem Markt für Standard-Software. Hinzu kämen neuerdings Probleme auf de letzten Jahr hat 4004-Rechner mehrere Platinen selbst entwickelt müssen, nur weil die IBM bei Intel die gesamte Jahresproduktion aufgekauft habe Für einen relativ kleinen Anwender bestehen in einem solchen Fall kaum die Chance, erforderliche Bauteile geliefert zu bekommen.

Außerdem sei kaum ein Prozeßrechner-Anbieter in der Lage, einen "vernünftigen Support" zu bieten. "Als Kunde", so Buks, "weiß man meist mehr als qualifizierteste Techniker".