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29.11.2002 - 

Kolumne

"Anwender des Jahres"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Ginge es nach dem Willen vieler Business-Entscheider, müssten sich IT-Manager und ihre Teams in Sack und Asche hüllen. Zu viel Geld haben sie für IT-Projekte ausgegeben, die unterm Strich zu wenig zur Profitabilität des Unternehmens beigetragen haben. Kurz, das Vertrauen der Business-Seite in die Fähigkeiten der IT ist zurzeit praktisch nicht mehr vorhanden. Dieses Misstrauen führt zu kleineren Budgets und zur überkritischen Betrachtung notwendiger IT-Projekte, die heute zum Teil auch dann auf die lange Bank geschoben werden, wenn sie einen Return on Investment versprechen oder von den IT-Leuten aus Infrastrukturgründen für notwendig erachtet werden. Für die IT-Abteilungen bleibt unter solchen Bedingungen kaum noch Handlungsspielraum.

Eine Möglichkeit, diese schlechten Zeiten zu überdauern, besteht natürlich darin, in Deckung zu gehen und sich mit den vorhandenen Ressourcen um die Pflege und den Support bestehender Systeme zu kümmern. Die Endanwender dieser Applikationen werden dankbar sein, wenn plötzlich Features unterstützt werden, die sie schon immer haben wollten, oder wenn zur Behebung jedes noch so kleinen IT-Problems prompt ein "IT-Mensch" mit einem freundlichen "Kann ich Ihnen helfen?" auf den Lippen parat steht.

Dass es auch andere Wege gibt, der herrschenden Vertrauenskrise zu begegnen, beweisen die Kandidaten für den "Anwender des Jahres", den die COMPUTERWOCHE in Zusammenarbeit mit Gartner Deutschland in diesem Jahr bereits zum vierten Mal kürt. Unter den Bewerbungen kamen fünf IT-Projekte in die engste Wahl (siehe Seite 1 und den Schwerpunkt ab Seite 34). Gewonnen hat das deutsche IT-Team des Paketdienstes DHL, das es mit bescheidenen Mitteln geschafft hat, ein funktionierendes BI-System für interne Zwecke und für Großkunden auf die Beine zu stellen. Was der Jury und uns daran besonders gefallen hat, war die Eigeninitiative des Teams rund um IT-Manager Peter Barysch. Aufbauend auf Data-Warehouse- und Business-Intelligence-Projekte, hat man für Auswertungen quasi ohne Weisung von oben einen Prototypen gebaut. Erst als dieser funktionierte, wurde dem Business-Management gezeigt, was bei der DHL mit Business Intelligence machbar ist, was es kostet und was es bringt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für 780000 Euro ist das System in der deutschen Dependance installiert und hat bereits 670000 Euro eingespart. In anderen DHL-Niederlassungen stößt das Projekt auf so großes Interesse, dass dort ebenfalls ein Rollout vorstellbar ist.

Hätte die IT den Piloten erst nach Zustimmung des Managements beginnen wollen, säße sie wahrscheinlich immer noch auf ihrer Projektbeschreibung, und nichts wäre passiert. Die Eigeninitiative mit Augenmaß brachte den Erfolg und führte vor allem dazu, dass das Business-Management der IT wieder vertraut. Der Beginn einer neuen wunderbaren Freundschaft? Schön wär''s schon, oder?