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19.11.1999 - 

SAN- und NAS-Hersteller bleiben Lösung schuldig

Anwender kämpfen weiter mit Speicher-Management

MÜNCHEN (ba) - Das Jahr 1999 stand ganz im Zeichen von Storage Area Networks (SANs). Doch während sich Anbieter und diverse Allianzen in Diskussionen um Architekturen und Standards aufreiben, kämpfen die Anwender noch immer um eine bessere Verwaltung ihrer teuren Speichersysteme. Die Hersteller wissen keine Antwort auf die drängenden Fragen ihrer Kunden.

Allmählich werden die Anwender ungeduldig. Sie stellen immer drängendere Forderungen an die Hersteller und Anbieter von SANs. Laut einer Umfrage des Softwareherstellers Computer Associates (CA) steht an erster Stelle der Wunschliste die effektivere Handhabung des Speichernetzes. 60 Prozent aller Befragten äußerten den Wunsch nach besseren Verwaltungswerkzeugen, um ihre Speicherressourcen in den Griff zu bekommen.

Die im Internet gestartete Umfrage basiert auf den Aussagen von 2600 IT-Verantwortlichen, die CA drei Stunden lang über SAN-Technologie befragte. Die nächstwichtigeren Forderungen an ein Speichernetz sind demnach Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten mit 50 beziehungsweise 45 Prozent der Nennungen.

Auch anläßlich einer Speicherkonferenz der International Data Corp. (IDC) Anfang November in München meldeten sich die Anwender lautstark zu Wort. Ole David vom Danish Security Center, der als Dienstleister im Bereich Bankensicherheit 1,1 Terabyte Daten zu betreuen hat, betont, daß das Daten-Management keine Frage von SAN oder NAS sei (NAS = Network Attached Storage). Egal welche Lösung man einsetze, wichtig sei vor allem, zusätzlich zu seiner Speicherhardware die entsprechenden Softwarewerkzeuge zu bekommen, mit denen man sein Speichersystem vernünftig verwalten könne. "Das SAN ist keine Lösung, sondern nur ein Teil eines großen Bildes", kritisiert David die aktuellen Diskussionen der Hersteller.

Leidensgenosse Darren Stringer, DV-Manager für den britischen Internet-Provider Planet Online, erzählt, es sei oft frustrierend, wenn man sehe, was die Hersteller alles versprechen und was davon dann letztendlich realisiert werden könne. Bei dem letzten Schritt, die Verwaltung des Speichers zu organisieren, ließen die Anbieter ihre Kunden meist im Regen stehen, klagt der Herr über 500 Web-Server.

Zusammen mit ihrem Kollegen Stuart Ridge von Chase Manhattan Corp. fordern David und Stringer von den Herstellern bessere Verwaltungssoftware. Das Hauptproblem bestehe vor allem darin, plattformübergreifend und herstellerunabhängig auf alle Daten zugreifen zu können. Doch auf die Frage, wie die heterogenen Speichersysteme der meisten Anwender am besten verwaltet werden können, wissen zur Zeit auch die Hersteller keine Antwort.

Die Initiativen von Speicherexperten wie EMC, Sun und anderen verfehlten im abgelaufenen Jahr klar die Bedürfnisse der Anwender. Diskussionen der Hersteller und verschiedener Allianzen über Standards prägten das SAN-Jahr 1999. Konkrete Ergebnisse oder Verbesserungen kann jedoch keine Seite vorlegen.

Die Storage Networking Industry Association (Snia), die unter ihrem Dach fast alle großen Speicher-, Server- und Softwarehersteller vereinigt, wird durch die Vielzahl der unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder lahmgelegt. Ein Einvernehmen aller 100 stimm- und nichtstimmberechtigten Mitglieder zu erzielen scheint eine wahre Sisyphus-Arbeit zu sein. Zwar beteuert Vincent Francheschini, Sprecher der Snia, daß die Organisation an einheitlichen Standards für SANs arbeite, aber mehr als dieser Allgemeinplatz war während der letzten Monate von der Speicherorganisation nicht zu hören. Den Vorwurf der Anwender, die Hersteller könnten ihre Technologie nicht in Geschäftsargumente für ihre Kunden übersetzen, muß Francheschini unkommentiert an die Speicherunternehmen weitergeben.

Standards bleiben Mangelware

Um nicht auf die langsamen Mühlen der Snia angewiesen zu sein, hat EMC mit der Fibre Channel Alliance (FCA) ein eigenes Standardisierungsgremium ins Leben gerufen. Doch den Vorwurf, die Speicherspezialisten aus Hopkinton in Massachusetts wollten einen Standard etablieren, der allein auf die firmeneigenen Speicherprodukte abgestimmt wäre, konnte das Unternehmen bis heute nicht entkräften. Zwar bemüht sich EMC mit seiner "Connectrix"-Lösung, die aus Netzkomponenten und Management-Software besteht, verschiedene Server-Plattformen an das Speichernetz anzubinden. Doch im SAN selbst bleibt alles beim alten. Die Architektur ist speziell auf die Symmetrix-Plattenspeichersysteme und EMCs Fibre-Channel-Netz maßgeschneidert.

Auch Sun Microsystems verfolgt mit "Jiro" sein eigenes Speicherkonzept. Der Nachfolger des "Store-X"-Programms basiert auf der Java Virtual Machine (JVM), die in jeder Speicherkomponente integriert sein muß. Ziel von Sun ist, daß sich das Jiro-basierte Speichernetz mit Programmen, die ebenfalls auf Jiro aufbauen, leichter verwalten läßt.

Doch auch die Sun-Strategie hat einen Pferdefuß. Software-Entwickler müssen eine Lizenz erwerben und ihre Programme dem Java-Testverfahren unterwerfen. Folge: Anwender, die auf Jiro setzen, verknüpfen ihr Speicherschicksal eng mit Sun. Doch noch ist es nicht soweit. Nachdem Sun Mitte des Jahres das Jiro-Konzept lauthals angekündigt hatte, wurde es plötzlich sehr still um das neue Speichermodell. Darauf angesprochen, muß Denise Shiffman, Direktorin der Network-Storage-Divison bei Sun, einräumen, daß sich die Einführung von Jiro weiter verzögern werde. Momentan verhandle Sun mit Herstellern von SAN-Produkten über Lizenzierungsfragen, um Jiro auf eine breitere Basis zu stellen. Anfang nächsten Jahres würden dann die endgültigen Spezifikationen feststehen, und mit den ersten Jiro-basierten Applikationen könnten die Anwender Mitte nächsten Jahres rechnen, gab sich die Sun-Managerin zuversichtlich.

Für den Anwender bleibt das frustrierende Fazit: Es ist kaum Bewegung im Markt zu beobachten. Neben den großen Anbietern wie EMC und Sun streiten sich auch noch eine Vielzahl von Fibre-Channel-Anbietern um Technologien und Standards. Wann sich die Hersteller einigen werden, steht in den Sternen. Rich Boberg, Senior Director von Network Appliances, ist eher skeptisch. In manchen Punkten könne man in wenigen Monaten Übereinstimmung finden, andere Streitpunkte dürften aber noch jahrelang in der Diskussion stehen.

Aber die Zeit drängt. Endlose Standarddiskussionen werden die Anwender kaum weiter hinnehmen. Rudi Bayerl, stellvertretender Leiter für den Bereich Infrastruktur bei den Stadtwerken München, fordert schnelle Abhilfe. "Was nützt das schönste Speichernetz, wenn ich es nicht vernünftig verwalten kann?" fragt der Techniker. Die Hardwareseite lasse sich, wenn auch nach aufwendigen Planungs- und Testszenarien nach Wunsch gestalten, aber mit der Software hinkten die Hersteller hinterher. "Sie kündigen ständig verbesserte Features an, aber dann wird doch alles immer wieder verschoben", klagt der DV-Mann.

Von herstellerunabhängigen Lösungen ist man im SAN-Geschäft genausoweit entfernt wie zu Jahresbeginn. Produkte verschiedener Hersteller in einem Speichernetz zu verbinden bleibt für die Anwender ein Glücksspiel. Wer um die Implementierung eines Speichernetzes nicht herumkommt, muß sich auf Gedeih und Verderb einem Hersteller ausliefern.

Dabei wird die Zeit, ein effektiv zu verwaltendes Speicherkonzept auf die Beine zu stellen, allmählich knapp. Glaubt man den Marktauguren, wird der Speicherbedarf der Unternehmen in den nächsten Jahren förmlich explodieren. Insider gehen davon aus, daß sich die anfallende Datenmenge in den nächsten Jahren alle zwölf bis 17 Monate verdoppeln wird.

SPEICHERBEDARF EXPLODIERT

Als eine der Hauptantriebsfedern für den wachsenden Speichermarkt sieht Claus Egge, Analyst der International Data Corp. (IDC), den weltweiten Siegeszug des Internet. Die Marktforscher erwarten im Jahr 2003 zirka 500 Millionen Anwender, die unter 13 Milliarden Websites wählen können. Zum Vergleich: Heute surfen gut 70 Millionen Menschen in einem Meer von vier Milliarden Internet-Seiten.

Der zweite Motor des Speichermarkts wird nach Ansicht der Experten der E-Commerce sein. Die weltweiten Umsätze in diesem Geschäft sollen von etwa 100 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 1,3 Billionen Dollar im Jahr 2003 anwachsen.

NAS-Markt in Europa

Die Umsätze im Geschäft mit Network Attached Storage liegen 1999 fast doppelt so hoch wie 1998. Zwar bewegen sich die Zahlen deutlich unter denen des SAN-Marktes, aber die Wachstumskurve zeigt steiler nach oben.

SAN-Markt in Europa

Das SAN-Geschäft generiert höhere Umsätze als der NAS-Markt. Ein Vergleich mit der NAS-Wachstumskurve zeigt jedoch, daß der Markt für separate Speichernetze mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hat.

STORAGE RESOURCE MANAGEMENT (SRM)

Eigentlich stehen die Voraussetzungen für ein profitables Speichergeschäft recht gut. Allerdings hätten die Hersteller der Speichersysteme noch einen großen Berg an Hausaufgaben vor sich, urteilen die Marktforscher. Für die Analysten von Illuminata entwickelt sich das Storage Resource Management (SRM) zur entscheidenden Komponente im SAN-Markt. Nicht mehr die Speicherhardware oder -architektur werden im Blickpunkt des Anwenderinteresses stehen, sondern die Management-Software, prognostiziert das Marktforschungsinstitut aus Nashua in New Hampshire.

Allerdings kommen auch hier Schwierigkeiten auf die Hersteller zu. Die Software stellt eine weitere Komponente dar, die sich in das Standardkarussell einfügen muß. Die SRM-Applikationen müssen mit folgenden SAN-Produkten zusammenarbeiten:

- den Hardwarestandards (zum Beispiel Fibre Channel)

- der Netz-Management-Software (zum Beispiel "Unicenter" von Computer Associates, "Open View" von Hewlett-Packard oder "Tivoli")

- den Daten-Management-Applikationen (zum Beispiel Backup-, Disaster-Recovery- und Copy-Funktionen).

Da sich die Speichernetze in aller Regel aus Produkten verschiedener Hersteller zusammensetzen und kaum ein Anwender seine komplette DV-Ausstattung zugunsten einer Marke auswechseln wird, muß sich die SRM-Software herstellerunabhängig mit allen Komponenten im Netz arrangieren. Ansonsten wird das ganze Speichermodell nicht funktionieren, befürchten die Analysten. Bislang können die Hersteller die Forderung der Marktforscher jedoch nicht erfüllen.