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Ethernet gewinnt zusehends an Popularität


17.09.1999 - 

Anwender kehren Token Ring den Rücken

MÜNCHEN (ave) - Für den Token Ring schrillen die Alarmglocken: Trotz der Bemühungen der Industrie, dem Verfahren über die Erweiterung High-speed Token Ring neues Leben einzuhauchen, laufen die Anwender scharenweise ins Ethernet-Lager über. Vor allem die Kosten spielen dabei immer wieder eine wichtige Rolle.

"Unser Token-Ring-Netz läuft stabil, das ist die Hauptsache." Reiner Winter, bei der Fränkisches Überlandwerk AG (FÜW) in Nürnberg zuständig für das Netzdesign sowie die Novell- und NT-Server, ist zufrieden mit der bewährten Technologie. In den Jahren 1993/94 fiel bei dem Stromversorgungsunternehmen die Entscheidung, in dem 19 Niederlassungen umfassenden Netz das Verfahren Token Ring einzusetzen. Nach Auskunft des Netz-Managers wurde der Entschluß bislang nicht bereut. Das Unternehmen setzt Produkte des Herstellers Madge ein. Als einen wesentlichen Vorteil dieses Anbieters nennt Winter, daß alle seine Token-Ring-Karten mit ein und derselben Treibersoftware funktionieren - das vereinfacht die Arbeit des Administrators.

Die Franken sind mit ihrem Netz so zufrieden, daß sie erst vor kurzem High-speed Token Ring im Backbone eingeführt und damit die verfügbare Bandbreite zwischen dem Rechenzentrum und dem Knotenpunkt zu den Etagen und den Außenstellen auf 100 Mbit/s erhöht haben. Im Voll-Duplex-Betrieb stehen sogar 200 Mbit/s zur Verfügung, wie Winter stolz erzählt. Den Umstieg auf Fast Ethernet hat der Netzprofi zwar in Betracht gezogen, doch hätte dafür einiges neues Equipment angeschafft werden müssen. Auch der Asynchronous Transfer Mode (ATM) stellte aus Kostengründen und wegen der zu erwartenden Adressierungsprobleme keine ausreichend attraktive Alternative dar. Zwar ist das Netz durch die Umstellung auf den Token-Ring-Turbo nicht spürbar schneller geworden, doch Winter zufolge zeigten sich keine Leistungseinbrüche mehr.

Diese Zufriedenheit teilen jedoch immer weniger Anwender. Die Zahl derjenigen, die dem von der IBM entwickelten Verfahren zugunsten von Ethernet-Technologien den Rücken kehren, nimmt ständig zu. So etwa die Ciba Spezialitätenchemie Pfersee GmbH. Ursprünglich entschied sich auch das Unternehmen aus Langweid bei Augsburg aus Gründen der Geschwindigkeit und der Zuverlässigkeit für den Token Ring. Beim Bau des jetzigen Firmengebäudes wurden deshalb gleich ringförmige Kabelkanäle mitgebaut.

Lange Zeit waren die Schwaben auch zufrieden mit der Leistung ihres Netzes. Selbst als die Anforderungen an die Bandbreite mit der Einführung des Client-Server-Computings stiegen, dachte noch niemand an einen Abschied vom Token Ring: 1996 schaffte das Unternehmen einen zentralen Token-Ring-Switch an, der es ermöglichte, jedem einzelnen Segment dediziert 16 Mbit/s zur Verfügung zu stellen.

1998 wurde jedoch ein Projekt gestartet, das unter anderem die Anpassung an die weltweit geltenden informationstechnischen Richtlinien innerhalb des Konzerns zum Ziel hatte. TCP/IP sollte Standardprotokoll werden, außerdem galt es, Vorbereitungen für die Einführung von Intra- und Extranet-Technologien zu treffen. Astrid Schwade, im Bereich Information-Management zuständig für das Netzwerk des Chemieunternehmens, erklärt: "Der damit verbundene höhere Bandbreitenbedarf bedeutete einen Ausbau unseres Token-Ring-Netzes."

Doch anstelle der Migration zu High-speed Token Ring entschied sich das Unternehmen trotz der höheren Anschaffungskosten dafür, die Gelegenheit zum Umstieg auf Fast Ethernet beziehungsweise Gigabit Ethernet im Backbone zu nutzen. Dabei spielte unter anderem die Tatsache eine Rolle, daß auch eine Konzernschwester in Grenzach sich von Token Ring trennen wollte. Zusammen waren die beiden Werke in der Lage, von den jeweiligen Erfahrungen beim Umstieg zu profitieren und bei den Lieferanten der Komponenten für die neue Infrastruktur günstige Konditionen auszuhandeln. Außerdem können weitere Synergien mit anderen Konzerngesellschaften genutzt werden.

Ihren Token Ring ausgemustert hat auch die Kaufmännische Krankenkasse Hannover (KKH). Das Unternehmen packte 1998 die Gelegenheit beim Schopf, als drei Niederlassungen in Hannover in ein neues Zentralgebäude zusammengeführt wurden. Bei dieser Gelegenheit installierte die Versicherung eine strukturierte Verkabelung auf Basis von Kupferkabeln der Kategorie 5 mit Fast Ethernet als Übertragungsverfahren.

Auch im Backbone kommt das schnelle Ethernet zum Einsatz, allerdings auf Basis von Glasfasern. Dadurch haben sich die Netzprofis des Versicherers die Möglichkeit offengehalten, bei eventuell auftretenden Bandbreitenproblemen immer noch auf den Asynchronous Transfer Mode (ATM) zu wechseln. Für die Versicherer war High-speed Token Ring zu keiner Zeit eine Option, denn für die dem Umzug vorausgehende Planung kam die Spezifikation zu spät. Aus dem gleichen Grund schied auch Gigabit Ethernet aus. Traurig ist bei der KKH darüber niemand. "Mit dem neuen, voll geswitchten Netz," glaubt Traudel Berg, Leiterin Systemtechnik bei der Versicherung, "haben wir auf Jahre hinaus genug Bandbreite.

Token Ring - die wesentlichen Merkmale

Mitte der 80er Jahre führte die IBM das Verfahren Token Ring für die lokale Vernetzung von Rechnern und Peripheriegeräten ein. Wie der Name vermuten läßt, basiert die Technologie auf einem Kabelring, der die einzelnen Komponenten miteinander verbindet. Die Datenübertragung erfolgte ursprünglich mit 4 Mbit/s, später wurde das Verfahren auf 16 Mbit/s beschleunigt. Endgeräte werden an den Ring nicht direkt, sondern über Multistation Access Units (MSAUs) angeschlossen.

Auf dem Ring kreist eine bestimmte Bitsequenz, das sogenannte Token. Es kann signalisieren, ob der Ring zur Kommunikation zur Verfügung steht oder ob gerade eine Station Informationen verschickt. Nur die Station, die im Besitz des Token ist, darf Daten versenden, dabei dann aber die vorhandene Bandbreite exklusiv verwenden. Von der Ethernet-Konkurrenz unterscheidet sich das Verfahren auch dadurch, daß es bestimmten Stationen öfter als anderen erlauben kann, den Datenkanal zu benutzen.

Eine wichtige Instanz in jeder Token-Ring-Umgebung stellt die Überwachungseinheit (Monitoring Station) dar. Sie kontrolliert das Netz auf seine Funktionsfähigkeit und führt bestimmte Fehlerbehebungsfunktionen aus. So hat sie etwa die Aufgabe, ein neues Token zu generieren, falls das alte durch Signalrauschen ausfallen sollte.

High-speed Token Ring geht auf eine Initiative mehrerer Hersteller zurück, darunter Madge, Olicom, IBM, Xylan, Bay Networks und 3Com. Sie gründeten 1997 die High-speed Token Ring Alliance (www.hstra.com) mit dem Ziel, eine Token-Ring-Spezifikation für Übertragungen mit 100 Mbit/s zu erreichen. Knapp zwei Jahre dauerte es, bis das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) den Standard verabschiedete und Produkte auf den Markt kamen.