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03.03.1995

Anwender koennen sich ueber Preisstuerze freuen Am Markt fuer Massenspeicher bleibt nichts mehr, wie es war

MUENCHEN (CW) - 1995 duerfte als das Jahr in die DV-Geschichte eingehen, das MIS-Verantwortlichen eine grosse Leichtigkeit des Seins und erheblich weniger Kopfschmerzen bescherte. Schlagartig sollte der Adrenalinspiegel von DV-Managern sinken, deren Kreislaufwerte sich normalisieren. Denn nichts quaelt die RZ- Manager vor und nach dem Feierabend mehr als das Problem: "Was passiert mit meinen Daten?"

Mit dieser bangen Frage wandten sich bis heute ganze Legionen von Speicherwilligen an die IBM und Drittanbieter von Direct-Access- Storage-Device-(DASD-) Speichersystemen. Eben diese DASD- Datengraeber haben aber einen grossen Nachteil: Sie sind teuer.

Mit der Etablierung der Raid-Technologie - beziehungsweise von Speichern, die nach den Raid-Leveln 5, 6 etc. funktionieren - sowohl fuer MVS- und VM-Systeme als auch fuer Unix-Server aendert sich nun der Markt fuer Speicherkomponenten vollstaendig.

Bis zu 1,3 TB an Daten verwalten mittlerweile die Redundant Arrays of Inexpensive Discs etwa des Anbieters Storage Technology (Storagetek) in dem fuer 1995 avisierten "Kodiak"-Speicher. Auch die EMC Corp., Senkrechtstarter der Branche, legt auf den "Symmetrix-5500-9"-Laufwerksfarmen, die mit "Elephant"-Festplatten von Seagate arbeiten, 1 TB an Daten ab. Allerdings benutzt EMCs Marketing-Abteilung bei dieser Angabe einen kleinen Trick, handelt es sich doch hierbei "nur" um bis zu 500 GB an Daten, die allerdings gespiegelt, also doppelt abgelegt werden.

EMCs Symmetrix-Systeme beherrschen lediglich den Raid-Level 1, in dem Daten gespiegelt, also eins zu eins doppelt auf verschiedenen Laufwerken abgelegt werden. Noch im dritten Quartal des laufenden Jahres wollen jedoch die Leute aus Hopkington, Massachusetts, ihre im Februar 1995 vorgestellten "echten" Raid-Arrays "Raid-S" in Mengen ausliefern. Diese Subsysteme besitzen eine Kapazitaet von bis zu 724 GB. Storageteks Kodiak-Silos sollen ungefaehr zur gleichen Zeit verfuegbar sein.

Die Leute um Storagetek-Chef Ryal Poppa koennen fuer sich in Anspruch nehmen, die breiteste Palette an Raid-Systemen anbieten zu koennen. Sie fahren dabei eine dreispurige Strategie: Fuer den Hochleistungsbereich der Online-Datenhaltung in der MVS- und VM- Welt am besten geeignet ist nach Unternehmensangaben der Iceberg- Speicher aus der eigenen Entwicklungsabteilung. Mit seinem dynamisch-virtuellen Plattenkonzept unterstuetzt das Storagetek- System den Raid-Level 6+ bei einer Kapazitaet von 60 bis zu 400 GB.

Der im November 1994 angekuendigte "Nordique"-Array findet dagegen nicht nur in der MVS- und VM-Welt, sondern auch in Unix-Umgebungen seinen Einsatz. Bei Nordique handelt es sich um ein "Kapazitaetssystem". Es ist im Gegensatz zum Iceberg weniger schnell, bietet dafuer aber fuer MVS-Hosts von 15 bis zu 544 GB an Speicherplatz

(Unix bis 272 GB).

Das besondere an Nordique ist die sogenannte Shared Storage Resource, mittels der man den Speicher in Partitionen fuer MVS oder VM und Unix unterteilen und gleichzeitig nutzen kann. Der Zugriff von Unix ueber SCSI-2- sowie von MVS ueber Escon-Verbindungen auf einen gemeinsamen Datenstamm ist allerdings nicht moeglich. Nordique laesst sich in die RS/6000-, DEC-Vax-, HP/UX-, Novell- und Windows-NT-Welt einbinden. Bei den Platten-Arrays handelt es sich um Data Generals "Clariion"-Systeme.

1993 kaufte Storagetek zudem die Amperif Corp. Deren Raid-5-Arrays "Viking" firmieren bei der Poppa-Company nun unter der Bezeichnung "Arctic Fox" und "Kodiak". Beide Silos sind fuer den MVS-Bereich gedacht. Sie unterstuetzen den Raid-Level 5 und zwischen 100 GB und 1,3 TB an Speicherkapazitaet. Storagetek positioniert die beiden Systeme leistungsmaessig zwischen die Iceberg- und Nordique-Modelle.

Neben EMC und Storagetek ist es natuerlich vor allem die IBM, die mit ihren "Ramac"-Raid-Systemen Marktanteile verteidigen und mit deren zweiter Generation Big Blue im Spaetsommer vorstellig werden will.

Die Ramac-Systeme eignen sich sowohl zum Anschluss an herkoemmliche 3990-Steuereinheiten als auch als selbstaendige Subsysteme mit einem eigenen Controller.

Nach einem verpatzten Start im vergangenen Jahr, schenkte IBM Ramac-Anwendern allerdings gerade wieder recht sauren Wein ein: Das Unternehmen teilte mit, der in DASD- und Ramac-Arrays verwendete 3990-Controller koenne doch nicht, wie von Big Blue versprochen, mehr als die maximale Datenkapazitaet von 180 GB verwalten. Anwender, die auf IBMs 4-GB-Festplatten "Starfire" gewartet hatten in der Hoffnung, das Fassungsvermoegen ihrer Ramac- Arrays zu verdoppeln, muessen zusaetzliche Controller kaufen.

Zwar werde man, so IBM, zwei Controller zum Preis von einem anbieten. Analysten wie Paul Wolfstaetter von der Gartner Group glauben trotzdem, dass Anwender hohe Zusatzkosten zu gewaertigen haben werden, weil weitere Schnittstellen eingebaut und die Installations- und Software-Umgebung angepasst werden muessten.

Abgesehen von dieser unliebsamen Ueberraschung zeigen IBMs Ramac- Speicher - neben den niedrigeren Einstandspreisen - auf sehr eingaengige Weise die grossen Vorteile gegenueber herkoemmlichen DASD- Grossrechner-Massenspeichern auf: Im Vergleich zu den 3990/3390- Plattenlaufwerken benoetigen Big Blues Arrays nach Angaben des Unternehmens lediglich 25 bis 45 Prozent der teuer zu bezahlenden Stellflaeche. Der Stromverbrauch lasse sich, so IBM weiter, um etwa 50 bis 60 Prozent drosseln. Bei Einfuehrung der Ramacs lagen deren Preise bereits um etwa 35 bis 45 Prozent unter denen vergleichbarer 3990/3390-Modelle.

Die Preise fuer Datensilos duerften 1995 noch erheblich mehr unter Druck geraten, treten doch mit der Hitachi Data Systems Ltd. (HDS) und der Encore Computer Corp. zwei weitere Unternehmen auf den Plan, die die Konkurrenz am Raid-Markt anheizen werden.

Hitachis "7700-Arrays"-Ankuendigung einmal mehr zuvorgekommen war zudem die Comparex Informationssysteme GmbH, die das baugleiche System unter der Bezeichnung "Tetragon 2000" praesentierte. Auch die HDS- beziehungsweise Comparex-Modelle unterstuetzen nach den vorliegenden Informationen den Raid-Level 5.

Im Februar 1995 erstmals ausgeliefert wurden die "Infinity"-Raid- Speicher von Encore. Bei der Vorstellung des Modells "SP20" vor einem Jahr pries das Unternehmen noch selbstbewusst, mit den bis zu 450 GB grossen Speichern habe man in puncto Preiswuerdigkeit eine Schallmauer durchbrochen: Anwender muessten jetzt nur noch vier Dollar pro MB zahlen. Heute ist dieser Wert Makulatur, die Preise liegen momentan teilweise schon unter drei Dollar pro MB. Gartner- Group-Analyst Nick Allen glaubt, dass die Kosten fuer Massenspeicher im Laufe des Jahres sogar um weitere 30 Prozent fallen werden.

Massenspeicher-Preise durchbrechen Schallmauer

Die Amdahl Corp., Anbieter steckerkompatibler Grossrechner mit Ambitionen im Unix-Markt - die Firma unterhaelt ein Vertriebs- und Supportabkommen mit Sun ueber deren Multiprozessor-Maschinen "Sparcserver 1000" und "Sparccenter 2000" - wird die Encore-Array- Speicher als OEM-Produkt ebenfalls vertreiben. Allerdings will man im Gegensatz zu Encore mit dem Verkauf noch warten, bis weitere Charakteristika in die Silos eingebaut sind.

Das duerfte die im Februar 1995 von Encore vorgestellten "SP30"- Systeme betreffen: Diese lassen sich in gemischten Rechnerumgebungen im Raid-Level-1 und Raid-Level-5-Betrieb benutzen. SP30-Anwender koennen nach Angaben von Encore innerhalb eines Systems beliebige 3380- und 3390-Geraetetypen einsetzen.

Aehnlich den Nordique-Arrays von Storagetek unterstuetzen auch die SP30-Modelle den gleichzeitigen Zugriff ueber Escon auf IBM- kompatible Mainframe- oder per SCSI-Anschluss auf Unix-Speicher.

Abgesehen von diesen fuenf Raid-Anbietern, die mit ihren Systemen zunaechst einmal auf die Grossrechnerwelt und den DASD-Markt zielen, gibt es mittlerweile aber schon eine Vielzahl von Herstellern, die sehr hochleistungsfaehige Raid-Speicher fuer den Markt der Unix- Server bauen. Hierzu gehoert etwa Data General (DG) mit seinen "Clariion"-Systemen. Diese dokken nicht nur an die "Aviion"-Server der DG selbst an, sondern auch an die AIX-Maschinen der IBM sowie Bulls OEM-Rechner

"DPX/20", die auf der RS/6000-Technologie basieren. Ferner bedienen die Clariion-Silos Server von Sun, HP, die "U6000"- Systeme von Unisys und die "DRS-6000"-Rechner von ICL.

Auch Sun Microsystems tummelt sich seit einem Jahr unter den Anbietern von Raid-Speichern. Das "Sparcstorage Array 100" unterstuetzt alle Raid-Level von 1 bis 5. Deren Speichervermoegen ist im Moment bei 31,5 GB ausgereizt. Sun teilte allerdings schon mit, dass sich das Nachfolgesystem "Modell 200" der 9-GB- Festplatten von Seagate bedienen werde. Bei maximal 36 anschliessbaren Laufwerken ergibt dies eine Gesamtkapazitaet von 324 GB. Momentan bedient der Sun-Array-Speicher nur Sun-Server. Die US-Firma Arcon arbeitet nach Informationen von Sun aber an einem Fiber-Channel-Switch. Mit diesem sei die Einbindung des Speichers in andere Hardware-Umgebungen moeglich.

Auch die Digital Equipment Corp. (DEC) will sich auf dem Raid- Speicher-Markt ihren Claim abstecken: Die Storageworks-Raid-Array- Speicher "410" koennen an HP9000-, RS/6000- und Sun-Sparc-Systeme andocken. Bei maximal 24 Plattenlaufwerken speichern die DEC- Arrays bis zu 100 GB. Unterstuetzt werden die Raid-Levels 0, 3 und 5.

Auch ein Hersteller wie etwa Micropolis kann sich kein Inseldenken leisten. Die "Gandiva"-Controller in den "Raidion-LTX"- Massenspeicher-Subsystemen steuern denn auch unterschiedlichste Software-Umgebungen an: Zu den unterstuetzten Unix-Derivaten gehoeren Unixware, SCO-Unix, HP-UX, AIX, Solaris und Irix. Zudem bieten sich die Raidion-Speicher fuer Netware-, OS/2-, Windows-NT- sowie DOS/Windows-Umgebungen an. Bis zu maximal 245 GB lassen sich mit den Micropolis-Systemen sichern.