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Kosten senken durch Computer- und Software-Leasing


13.05.1983 - 

Anwender laufen Gefahr, auf alter Technologie sitzen zu bleiben:DV-Anbieter ködern mit Leasing zum Kauf

MÜNCHEN (CW) - Immer kürzere Innovationszyklen führen sowohl bei Anwendern als auch bei Leasingunternehmen zu Unsicherheit und Verwirrung. Wurde der Anwender in früherer Zeit vielfach durch "Full-pay-out-Kontrakte" geknebelt, so hat er seit 1971 durch den Teilamortisationsvertrag immerhin die Möglichkeit, das Restwertrisiko zum Teil auch der Leasinggesellschaft zuzuschieben. Speziell an diesem Problempunkt haben sich die Fronten der Vertragspartner inzwischen verhärtet. Grund: Die Hardwarepreise sind massiv in den Keller gerutscht, und die Wiedervermarktung der Rechner ist für alle Beteiligten zu einem Vabanquespiel geworden.

Einigen Leasinggesellschaften brach die veränderte Marktsituation in den letzten Jahren bereits das Genick. Wie schnell der "Pleitegeier" zu kreisen beginnt, schildern Kenner der Leasingszene so: Begehrte Kunden, insbesondere Großunternehmen, sind von Leasinggebern hart umkämpft. Um günstige Leasingraten bieten zu können, arbeiten einige Unternehmen mit Brokern zusammen, die nach drei oder vier Jahren Grundmietzeit den Verkehrswert der Anlagen bestimmen und sie zu einem relativ hohen Preis ins benachbarte Ausland verkaufen.

Diese" Symbiose" erlaubt den Unternehmen von vornherein ein Angebot mit überhöhten Restwerten von 20 bis 25 Prozent. Schreitet während der Laufzeit die technische Innovation fort, sind die einkalkulierten Fehlbeträge beim späteren Verkauf nicht mehr wettzumachen. Zudem sind große Hersteller durchaus in der Lage, ihre Kaufpreise für neue Anlagen um bis zu 20 Prozent zu senken, was den Wiederverkaufswert geleaster Anlagen zusätzlich drückt.

Aus DV-Leasing zurückgehalten

In der Leasingbranche ist man vorsichtig geworden. Daß den Vertretern dieser Zunft die "8-16-32-Bit-Politik" der Hersteller auf die Nerven geht, bestätigt auch Alexander Pleiffer, Geschäftsführer der Centra I.easing GmbH aus München:. "Die Leistungsfähigkeit der DV-Anlagen ist so schnell gewachsen, daß wir uns in den letzten Jahren im Bereich des DV-Leasing bewußt zurückgehalten haben. Selbst wenn das Restwertrisiko dem Anwender aufgebürdet wird, führt doch die Wiederverwertung der Hardware zum Ärgernis."

Die Deutsche Anlagen Leasing GmbH aus Mainz versucht das Innovationsrisiko abzuschätzen: Nur Anlagen namhafter Hersteller erhalten die volle Laufzeit von fünf Jahren, OEM-Produkte werden auf 48 oder 36 Monate gekürzt.

Peter von Klier, DAL-Niederlassungsleiter für Bayern, sieht nicht allein in der Überalterung der Anlagen ein Problem, sondern auch in der Software, die einen ständig steigenden Kostenanteil bei den Systemen darstellt und prognostiziert: "Haben wir heute noch etwa ein Verhältnis von 60 Prozent Hardware zu 40 Prozent Software, so werden in zirka fünf Jahren die Softwarekosten bei 80 bis 90 Prozent liegen. Dadurch wird die Verwertung der Hardware immer schwieriger, was vor allem bei einer frühzeitigen Rücknahme zutrifft, beispielsweise im Falle eines Konkurses."

Die DAL schützt sich vor drohenden Schwierigkeiten durch einen Teilamortisationsvertrag mit einem in der Regel effektiven Restwertrisiko von zehn Prozent. "Das ist relativ gering", meint Peter von Klier, "damit kann man als Leasinggeber leben."

Ausschließlich Vollamortisationsverträge geht die Deutsche Leasing AG aus Frankfurt mit ihren Kunden ein und setzt damit auf "Nummer Sicher". Das räumt jedoch auch für dieses Unternehmen im Bereich Computerleasing nicht alle Übel aus dem Weg. Es sei nicht abzustreiten, so Ekkehard Schulz, Leiter der Sparte Computerleasing, daß die Wiedervermarktung der DV-Maschine zunehmend erschwert wird. Jedoch tendiere der Anwender in letzter Zeit mehr und mehr zu kurzfristigen Verträgen, was letztlich beiden Partnern zugute käme.

Diese Ansicht mag Eckhard Bötcher, Verkaufsdirektor der Enex Computer Leasing aus München nicht gelten lassen. Nach seinen Erfahrungen wolle der Kunde seine Anlage aufrüsten und keinen Austausch. Auch Horst Bothe, Prokurist der GVD-Gesellschaft zur Vermietung von Datenverarbeitungsanlagen, bestätigt dem Kunden eine Umkehr der Prioritäten. Die Mehrzahl habe dem "Computer als Statussymbol" abgeschworen und sehe rein wirtschaftliche Faktoren wieder an erster Stelle.

Abenteuer aus Prestige

Dieser Meinung widersprechen Vertreter der freien Unternehmensberatungen energisch. So Fritz R. Müller von der Geschäftsleitung der Diebold Deutschland GmbH: "Wir machen fast täglich die Erfahrung, daß ein Großteil der Anwender weiterhin den Computer als 'Prestigeobjekt' betrachtet und sich dadurch unter Umständen in finanzielle Abenteuer stürzt."

Entsprechend dem vorherrschenden Meinungswirrwarr sind auch die Beratungsstrategien der einzelnen Leasingunternehmen unterschiedlich: "Der Kunde sollte langfristige Verträge abschließen, unter dem Vorbehalt des Kaufes", meint Eckhard Bötcher von der Enex Computer Leasing mit der Begründung - es bestehe bei den jetzigen CPUs kein Restwertrisiko.

Dagegen hält Ekkehard Schulz von der Deutschen Leasing in der Regel keinen Vertrag mit Kaufoption für seine Kunden bereit. Es sei nicht einzusehen, daß der Kunde nach Ablauf der Leasingzeit den Computer kaufen wolle, wenn er sich einmal für Leasing entschieden habe. Allerdings seien andere günstige Möglichkeiten der Weiternutzung vorgesehen, wie etwa eine Verlängerung der Laufzeit um ein Jahr zum Preis einer Monatsrate.

Hauseigenes Leasing nur Kauf-Substitut

Dennoch, in einem Punkt sind sich alle einig: Der Trend zum Leasing hat deutlich zugenommen. Bis zu 20 Prozent Zuwachs melden die Großen der Branche. Auch die Hersteller haben das nicht übersehen: IBM ist seit Anfang Mai im Leasinggeschäft; Wang hat schon vor Wochen eine hauseigene Leasinggesellschaft gegründet und auch Amdahl sieht hier große Chancen. Verdeutlicht Karl-Heinz Bless, Leasingmanager bei Amdahl: "Ein Hersteller kann ohne Leasing nicht mehr den Erfolg haben, den er benötigt."

Als zusätzlichen Service für die Kunden wollen die Hersteller das hauseigene Leasing verstanden wissen. Branchenkenner sehen das allerdings anders: Um flüssig zu bleiben, wollen die Hersteller jetzt auch auf diesem Weg ihre Maschinen verkaufen und sehen das hauseigene Leasing nur als "Kauf-Substitut" an. Dabei könne der Anwender Gefahr laufen, auf veralteter Hardware sitzen zu bleiben:

"Hat er sich zum Kauf entschlossen", gibt ein bedeutender Leasingmanager zu bedenken, "ist eine neue Maschine vielleicht schon in der Pipeline." Denn letztlich kenne der Hersteller seine Produktstrategie selbst am besten.