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26.06.1998 - 

Interview

"Anwender leben von der Hand in den Mund"

CW: Seagate Software wird für zehn Millionen Dollar die Storage Management Group der Eastman Software Inc. kaufen. Allerdings vertreibt Seagate schon seit längerem Eastmans HSM-System (HSM = Hierarchical Storage Management) als OEM-Produkt. Was bringt die Akquisition?

Kreter: Eastman hat sich den Speicherbereich zu einer Zeit hinzugekauft, als das Unternehmen noch stark im Imaging-Applikations-Bereich tätig war. Dort waren HSM-Systeme alltäglich. Zwischenzeitlich hat sich das Unternehmen verändert. Man setzt jetzt auf eine Messaging-Strategie und entwickelt Groupware-Lösungen auf Basis von Exchange. Eine eigene Storage-Abteilung machte in diesem Zusammenhang keinen Sinn.

CW: Das war die Sicht Eastmans. Wie ist die Situation bei Seagate?

Kreter: Storage ist unser Thema, das heißt Datensicherung und Daten-Management. Es geht nicht um die Speicherkosten, sondern um das Management der Speichersysteme. Hier macht es Sinn, ein komplettes Angebot vorweisen zu können.

CW: Was haben die Anwender davon? Werden die Preise für HSM-Software sinken?

Kreter: Die Anwender haben sehr viel davon. Unsere HSM-Software (Seagate-Bezeichnung bisher: "Backup Exec Storage Migrator", Anm. d. Red.) wird in Windows NT 5.0 integriert und kann bis zu einer Speicherkapazität von 2 GB kostenlos genutzt werden.

CW: Unterstützen Sie noch andere Plattformen außer NT?

Kreter: Momentan konzentrieren wir uns auf NT. Dort sehen wir das größte Wachstum. Es gibt aber auch eine Netware-Version.

CW: Wenn Sie auf unternehmensweite Lösungen abzielen, wäre es doch denkbar, auch noch andere Plattformen zu bedienen.

Kreter: Meinen Sie Unix?

CW: Zum Beispiel.

Kreter: Wir glauben, daß Unix gute Chancen hat, dort zu bleiben, wo es ist. Momentan werden viele Datenbank-Server aus Gründen der Ausfallsicherheit unter Unix gefahren. Administrations-Tools sind meiner Meinung nach im NT-Bereich gut aufgehoben. Man kann schließlich auch Unix-Sever oder Mainframes mit NT-Werkzeugen verwalten. Das ist unser Ansatzpunkt.

CW: Machen Sie sich damit nicht völlig von Microsoft abhängig?

Kreter: Natürlich macht man sich abhängig. Aber was ist schlimmer: Gegen den Strom zu schwimmen oder das Marktpotential auszuschöpfen? Für den Kunden ist es besser, vorhandene Werkzeuge auch nutzen zu können.

CW: Wie positionieren Sie sich gegen Konkurrenzprodukte etwa von Computer Associates (CA)?

Kreter: In den USA hat Seagate Software mit den Backup-Produkten einen Marktanteil von 50 Prozent. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Das hat unter anderem historische Gründe. Cheyenne hat den deutschen Markt zuerst bearbeitet (CA hat Cheyenne Software 1996 aufgekauft, Anm. d. Red.). Unsere Produkte sind mindestens gleichwertig mit denen von CA.

CW: Marktforscher zeichnen Szenarien von unternehmensweiten Backup- und Recovery-Lösungen mit Web-basierten Verwaltungs-Tools. Wie reagiert Seagate auf solche Prognosen?

Kreter: Java-basierte Administratoren machen sicher Sinn. Es ist aber kein großes Geheimnis, wie man einen Java-gestützten Client baut, um etwa einen entfernten Server zu steuern.

CW: Ein anderer Trend, den Analysten ausgemacht haben, ist die Konsolidierung von Speichern, um einen gemeinsam genutzten Datenpool zu schaffen. Wie realistisch sind diese Vorhersagen?

Kreter: Ich sehe momentan eher den Trend, daß Unternehmen 10 GB zusätzlich in bestehende Systeme installieren, als zu fragen, was konsolidiert werden könnte. Eine SAP-R/3-Anwendung braucht heute im unteren Leistungsbereich schon 400 GB. Vor drei oder vier Jahren hat ein R/2-Release auf dem Mainframe nicht einmal die Hälfte dieser Kapazität beansprucht.

CW: Storage Area Networks und die Entkoppelung von Speichern und Servern sind weitere Schlagworte, die gegenwärtig durch die Branche geistern. Wie stehen Sie dazu?

Kreter: Die Kunden, die ich kenne, setzen sich eher mit alltäglichen Problemen wie dem Ausfall eines Servers auseinander als mit solchen strategischen Überlegungen. In der Theorie klingt das alles sehr schön. In der Praxis leben die Anwender von der Hand in den Mund. (Siehe auch Seite 33.