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06.02.1981 - 

Erfahrungsbericht der Gebr. Boehringer GmbH, Göppingen:

Anwender lobt IBM /38-Datenbank-Komfort

Um das System IBM /38 ist viel Wirbel entstanden. Schon gleich nach der Ankündigung rätselten die Presse-Auguren, was wohl dahinter stecke und ließen ihrer Skepsis freien Lauf. Die Verschiebung der Erstauslieferung durch IBM war Wasser auf die Mühlen der Pessimisten. Seit April 1980 kann man auf dem System testen seit Mitte 1980 sind die ersten Anlagen installiert. Eine der ersten Maschinen hat das Unternehmen Gebr. Boehringer GmbH in Göppingen seit Oktober 1980 im Einsatz. Die Gesellschaft ist eine Tochter des Oerlikon-Bührle-Konzerns. Sie beschäftigt etwa 2000 Mitarbeiter. Das System /38 ist derzeit für Aufgaben des Verkaufs eingesetzt, als Marketing-lnformations-System, soll aber noch weitere Funktionen übernehmen.

Die Anlage ist in der Fast-Kleinstausstattung mit 758 KB, zwei Platten á 64,5 MB, einem Drucker, vier Bildschirmen und einem Terminaldrucker ausgestattet. Neu an dieser Anlage ist vor allem die Datenbank, die implementiert ist und das gesamte Handling. Was deshalb den Benutzer am meisten interessieren wird, sind zwei Fragen:

- Wie aufwendig ist die Programmierung für Dialog und Datenbank?

- Wie ist das Zeitverhalten des Systems?

In der Kürze des hier vorgegebenen Rahmens werden die Antworten auf die genannten Fragen interessant genug sein und viele neue Fragen auslösen.

Um es vorwegzunehmen: Von einer Dialogkonzeption und Dialogprogrammierung merkt man nichts! Das heißt jedoch nicht, daß die Anlage nicht im Dialog arbeiten kann, im Gegenteil! Sie ist für den Dialog konzipiert und wohl deshalb sind spezielle programmtechnische Datenkommunikations-Anforderungen (DC) mit dem Betriebssystem (von dem merkt man übrigens auch nicht viel) abgedeckt und für den Benutzer deshalb nicht mehr relevant.

Den "üblichen" Aufwand für die Steuerung der Datenstationen für die Fehlerbehandlung, für die Steuerung der Dialogprogramme und so weiter kann man hier vergessen. Das Anwenderprogramm wird praktisch so geschrieben, als ob es im Stapelbetrieb laufe. Natürlich sind die Maskenaufrufe zu steuern, aber im Prinzip nicht anders als Aufrufe von x-beliebigen anderen Dateien auch.

Es macht prinzipiell keinen Unterschied, ob man das Format für den Bildschirm oder den Plattensatz festlegt und ihn handelt. Irgendwelche Maskenaufbereitungs-Zeichen im

Hexa-Format sind überflüssig. Zusätzlich läßt sich die gesamte Ausgabe zum oder Eingabe vom Bildschirm mit einem einzigen Befehl durchführen wie die Ausgabe auf Platte oder Band.

Im Sinne dieser Philosophie wird auch nicht zwischen den Speichermedien unterschieden. Der Programmierer kennt keinen Zentral- oder Plattenspeicher. Wenn er Informationen benötigt, liest er sie, und damit stehen sie zur Verfügung. Woher physisch und wohin physisch, ist seine Sache nicht.

Effekt der Vereinfachung unbestreitbar

Diese Konzeption macht Mitarbeitern, die gewohnt sind, in physischen Kategorien zu denken, am Anfang einige Probleme. "Arbeitsbereiche anlegen", solche Dinge entfallen oder müssen anders gelöst werden. Das ist zunächst ungewohnt. Insgesamt ist der Effekt der Vereinfachung in der Handhabung unbestreitbar. Und wer nie etwas anderes programmiert hat als die /38, der wird sich wundern, wenn er andere Systeme programmieren muß.

Sicher gibt es auch einige Mängel, zum Beispiel bei der Aufbereitung von Wortfeldern mit Interpunktion; es sind allerdings gemessen an dem Maßstab der Neuentwicklung erstaunlich wenige.

Um niemanden auf die Folter zu spannen: Der Anwender merkt bei der Systemrealisierung von der Datenbank nichts. Bei der /38 gibt es keine Definition Language (DL) und keine Manipulation Language (ML) und dennoch funktioniert die Datenbank. Was an Definitionen erforderlich ist, wird mit der Definitions-Spezifikation erledigt. Sie entspricht den seitherigen Datei- und Feldbeschreibungen, ist komfortabler und übersichtlicher: So werden hier zum Beispiel alle Felder nur einmal angelegt. Diese sind in einer Referenzdatei zusammengefaßt und bilden das zentrale Inhaltsverzeichnis für alle Anwendungen. Will man eine Datei definieren, greift man, auf dieses Inhaltsverzeichnis zurück und baut sich so seinen Satz ohne Wiederholung der Format- und sonstiger Angaben auf. Auch Prüfungen für die Eingaben können einheitlich für alle Anwendungen in der Referenzdatei festgelegt werden, Querprüfungen sind wie bisher zu programmieren.

Die Manipulation der Daten wird mit der "normalen" Programmiersprache RPG oder Cobol abgefangen. Dazu sind diese Sprachen um eine "Handvoll" Befehle erweitert, wie zum Beispiel "Lies den nächsten". Es zeigt sich, daß man die Datenbank hiermit vollkommen beherrschen kann. Der erforderliche Sprachumfang wird so auf die Hälfte reduziert: Ob man die Konzeption so versteht, daß die Datenbank-Sprache oder aber die konventionellen Programmiersprachen und Dateibeschreibungen entfallen, ist eine Frage der Interpretation (vergleiche Tabelle). Tatsache ist: Die Sprachelemente der /38 sind weit einfacher als die der üblichen Datenbank-Sprachen.

In einer Hinsicht hat IBM sich selbst übertroffen: Sonst der Lehrmeister für linguistische Meisterstücke bei Neuankündigungen, verzichtet IBM Basisdatenverarbeitung hier auf jede spezielle Terminologie. Es ist schon viel, wenn man in der Schulung ab und zu das Wort "relational" oder "teilrelationall" hört. Ob voll-, oder teilrelational, darüber braucht hier nicht philosophiert zu werden. Background der Datenbank ist die relationale Konzeption. Zum Verständnis: Sie gleicht im Prinzip der Indizierung, der Mehrfachindizierung. Das heißt: Für die Informationsverbindung werden keine physischen Adressen, sondern die logischen Begriffe verwendet. Natürlich ist dann über Tabellen (Indizes) die physische Adresse zu ermitteln.

Vorteil dieser Konzeption ist das einfache Handling der Datenbank. Der Benutzer bleibt in seiner Vorstellungswelt der logischen Begriffe. Mit Adressen hat er nichts zu schaffen. Vorteil ist weiter die einfache Änderung. Auch umfassende Änderungen sind relativ einfach durchzufahren. Reorganisation ist gar nicht oder nur sehr eingeschränkt erforderlich. Nachteil ist der hohe Verwaltungsaufwand und die damit bedingte niedrige Performance.

Das Zeitverhalten war ein Hauptansatz der Kritik an der /38. Dennoch: Die inzwischen einjährige Erfahrung mit dem System zeigt: Es ist erstaunlich schnell, und zwar sowohl im Stapel- wie im Dialogbetrieb. Dazu zwei Aussagen: Das System ist im Stapelbetrieb ebenso schnell wie eine Anlage der IBM-Konkurrenz, die wegen der "Nennleistung" als doppelt so schnell eingeschätzt wird. Zusätzlich fällt auf der /38 jede Sortierung weg. Zum Dialog: Wenn man in zirka 10000 Adressen alle Müllers derart sucht, daß zu jedem gefundenen Satz mindestens ein Plattenzugriff erforderlich ist, so erhält man die Antwort mit zirka 60 Positionen in einer Zeit, die kaum ausreicht, um ausgiebig auf die Uhr zu sehen.

Es gibt eine Menge Neues zu lernen

Für beide Versuche wurden sonstige Parallelarbeiten vermieden, da die Ergebnisse so einfacher interpretierbar sind. Diese Aussagen beziehen sich auf die langsame Version der /38 mit recht niedriger Hauptspeicher-Ausstattung. Ohne die neue Hard- und Software-Struktur oder gar -Technologie wäre das Zeitverhalten nicht erklärbar.

Per saldo läßt sich nach fast einem Jahr Erfahrung mit dem System folgendes sagen: Auch mit diesem System muß man "arbeiten". Es gibt eine Menge Neues zu lernen. Komplexe Probleme werden auch hier nicht automatisch aufgelöst. Im Vergleich zu anderen Systemen erscheint das Verhältnis von Lernen zu Problemlösung aber sehr günstig.

Das System arbeitet als voll gültiges Datenbank-, Datenkommunikations-System (DB/DC). In der Handhabung stellt es die Anforderungen eines sequentiellen Systems, das im Stapelbetrieb arbeitet. Es ist deshalb geeignet, direkt vom Benutzer gehandhabt zu werden.

1) Der Autor, Uwe W. Geitner, hat sich in seinem neuen Buch "EDV-Gesamtplanung für Produktionsbetriebe." (Verlag Carl Hanser, München) im Kapitel Datenbanken detailliert zur Beurteilung von Datenbanken aus der Sicht des Benutzers geäußert.

*Uwe W. Geitner ist freier EDV-Fachjournalist und RZ-Leiter in der Gebr. Boehringer GmbH, Göppingen.