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08.06.2001 - 

Niederländische User Group kritisiert neues Lizenzmodell

Anwender machen mobil gegen Microsoft

MÜNCHEN (CW) - Der Widerstand gegen Microsofts geplantes Lizenzmodell für Unternehmenskunden wächst. Die niederländische Anwendervereinigung NGN kritisiert in einem offenen Brief die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigten Preiserhöhungen und will eine internationale Protestwelle ins Rollen bringen.

Nach den geänderten Unternehmenslizenzverträgen würden sich die Kosten für 86 Prozent der Mitglieder erhöhen, schreibt die Netwerk Gebruikersgroep Nederland (NGN). Sie repräsentiert rund 3700 IT-Verantwortliche aus Unternehmen verschiedener Größe, darunter Großkonzerne wie Royal Dutch/Shell Group, ABN Amro Bank und ING Group. Microsoft hatte zur Ankündigung des Lizenzmodells am 10. Mai behauptet, für 80 Prozent der Kunden werde der Softwarekauf nicht teurer und teilweise sogar billiger.

Mit den neuen Lizenzverträgen nehme der Hersteller Unternehmenskunden das Recht auf ein verbilligtes Upgrade, beschwerte sich der NGN-Vorsitzende Vincent Everts in einem Interview. "Wenn NGN-Mitglieder Office XP zu einem vernünftigen Preis wollen, müssen sie vor dem 1. Oktober upgraden. Tun sie das nicht, liegt der Preis für die Nutzung von Office XP in einem Zeitraum von vier Jahren um 100 bis 232 Prozent höher." Die meisten Unternehmen seien aber schlicht nicht in der Lage oder nicht willens, ein Upgrade vor dem 1. Oktober zu organisieren. Everts: "Microsoft setzt ihnen das Messer an die Kehle."

Die Kritik der User Group richtet sich im Kern gegen die Abschaffung der Version Upgrades. Nach dieser Regelung können Kunden für 50 bis 70 Prozent der regulären Lizenzkosten auf das jeweils aktuelle Release von Windows oder Office wechseln, unabhängig von der eingesetzten Version. Nach Einschätzung von Gartner-Analysten ist dies gegenwärtig für Unternehmen die günstigste Variante, sofern sie weniger als zweimal innerhalb von zwei bis drei Jahren upgraden. Die meisten Kunden des Softwaremultis nutzten diese Option.

Zwang zum UpgradeMicrosoft will die Version Upgrades durch andere Modelle wie den Wartungsvertrag "Software Assurance" ersetzen. Für jährlich 29 Prozent des Lizenzpreises erhalten Unternehmen damit sämtliche Office-Upgrades. In etwas mehr als drei Jahren hätte ein Kunde demzufolge eine komplette neue Lizenz bezahlt. Würde er erst nach vier oder sechs Jahren tatsächlich upgraden, hätte er die Gebühren für ein- bis eineinhalb Lizenzen pro Arbeitsplatz ohne Gegenleistung entrichtet. Hinzu kommt: Um Software Assurance überhaupt in Anspruch nehmen zu können, muss ein Anwender die jeweils aktuelle Version des Produkts installiert haben. Und die heißt zum 1. Oktober Office XP. Addiere man ein solchermaßen erzwungenes Upgrade zu den Kosten für einen Software-Assurance-Vertrag mit vier Jahren Laufzeit, ergebe sich ein Aufschlag von 66 Prozent gegenüber dem regulären Preis, rechnet die NGN vor. Profitieren können von dem Lizenzmodell demnach nur Kunden, die jeden Release-Wechsel mitmachen. "Microsoft möchte, dass wir alle 18 Monate upgraden, üblich ist aber ein Upgrade-Zyklus von vier Jahren", erklärt Everts dazu. "Viele Unternehmenskunden lassen eine Version aus." Der Niederländer bestätigte damit auch Äußerungen deutscher Anwender gegenüber der CW (siehe CW 21/01, Seite 1).

"Eine Preiserhöhung in dieser Größenordnung ist ungerechtfertigt", protestiert der NGN-Vorsitzende. Er sei dabei, Anwendervertreter weltweit gegen die Neuregelungen zu mobilisieren. "Wir werden das mit europäischen und amerikanischen Anwendergruppen diskutieren. Jeder wartet derzeit darauf, dass sich große US-Unternehmen zu Wort melden."

Gegenwärtig werde das Thema nur unter IT-Verantwortlichen heiß diskutiert, erklärte der Vorsitzende von NGNs Windows Special Interest Group, Eric Oukes. Schon bald aber würden sich auch Manager auf der Vorstandsebene dafür interessieren.

Microsoft hat inzwischen auf den NGN-Brief reagiert. In einer Stellungnahme erklärt der Hersteller: "Der Brief zeigt, dass unser neues Lizenzmodell zu Verwirrung geführt hat." Dies bedauere man und führe bereits Gespräche mit der Anwendervereinigung. "Das neue Modell wurde entwickelt, um es unseren Kunden und uns zu erleichtern, neue Lizenzen zu kaufen und zu implementieren."

Erleichterung dürften die Änderungen allerdings kaum bringen. "Viele Unternehmen werden eine Menge Zeit und Geld aufwenden, nur um die Auswirkungen herauszufinden", erklärt etwa Don Brussel, President der US-amerikanischen Anwenderorganisation Omicron-Chicago.