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18.01.1985

Anwender müssen Verantwortung für SW-Qualität mittragen

Das Argument, Software-Qualität sei teuer, sollten DV-Manager nicht unrelativiert übernehmen. Die zur Qualitätssicherung benötigten Methoden und Werkzeuge, so DV-Leiter

Helmut Bender von der Bertelsmann Datenverarbeitung, ermöglichen gleichzeitig eine erhebliche Produktivitätssteigerung. Für Dr. Bernd Rau verliert hingegen die Qualitätssicherung ihre Schlüsselfunktion und ist "nur" eine wesentliche Aufgabe neben anderen. An die Eigenverahtwortlichkeit des Anwenders appelliert schließlich Dr. Walter Wintersteiger: Das Problem "SW-Qualitätssiherung" se" nicht nur eine Angelegenheit der Software-Entwickler. Wie andere entscheidende Fragen im Unternehmen auch, müsse es vielmehr vom Topmanagement und dem Endbenutzermitgetragen werden. kul

Helmut Bender DV-Leiter, Bertelsmann Datenverarbeitung Gütersloh

Um zu würdigen, wie wichtig es ist, sich um eine gute Softwarequalität zu kümmern, sollte man sich einen Augenblick mit der umgekehrten Situation beschäftigen: Die Softwarequalität ist völlig unzureichend. Die Systeme stürzen häufig ab; die Resultate sind fehlerhaft, viele Wiederholungsläufe werden erforderlich. Die Nutzung des Systems ist für den Anwender umständlich und kompliziert. Änderungswünsche können nicht oder erst nach langen Wartezeiten realisiert werden. Die Anwender fühlen sich äußerst unzufrieden mit der DV, die Programmierer sind permanent im Streß und kämpfen sich mit hohem Einsatz von einer Fehlerkorrektur oder Änderung zur nächsten. Der DV-Manager wird zum Krisenmanager. Dem Kunden verspricht er den baldigen Durchbruch und verschiebt Änderungswünsche erst einmal in eine spätere Phase. Bei den eigenen Mitarbeitern schwankt er zwischen aufmunternder Motivation und unbeherrschten Drohgebärden. Bei den nächsten Projekten drohen schon wieder Kostenüberschreitungen und Terminverschiebungen.

Dies ist ein wahrer Teufelskreis. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen auch wir mit erheblichen Problemen zu kämpfen hatten. Der Weg heraus führte über Maßnahmen zur Sicherung der Softwarequalität.

Dabei muß man diesen Begriff aus zwei Blickrichtungen betrachten:- wie die zuvor skizzierte Negativ-Darstellung zeigt, aus der Sicht der Benutzer und aus der Sicht der technischen Softwarequalität. Wenden wir uns zunächst der Sicht des Benutzers zu-. Für ihn ist die funktionale Qualität von Bedeutung. Das System muß komfortabel sein, einfach in der Bedienung, und vor allem stabil und fehlerfrei laufen. Um dies zu erreichen, muß man sich vor Beginn der technischen Realisierung des Systems. sehr sorgfältig mit den fachinhaltlichen Anforderungen und der Ergonomie der Benutzerschnittstelle beschäftigen. Erst wenn dies bis ins Detail gelöst ist - und zwar unter weitestgehender Mitwirkung der Anwender -, können die technischen Projektphasen beginnen.

Der fachinhaltliche Komfort ist aber erst die halbe Miete. Für die volle Akzeptanz des Systems bei den Anwendern ist es ebenso wichtig, daß das System von Anfang an zuverlässig und stabil läuft. Wie läßt sich das erreichen?

Einer der häufigsten Gründe, warum Projekte immer wieder unausgereift in den Praxiseinsatz gehen, liegt in einer unzureichenden, meist zu groben Realisierungsplanung. Auf ihrer Basis werden dann vom Management Terminzusagen gemacht, die sich später als unrealistisch herausstellen. Dann gehen Projekte in Produktion, nicht weil sie fertig sind, sondern weil die Termine gekommen sind. Dementsprechend ist dann natürlich die Qualität. Die Aufgabe des DV-Managers besteht also zunächst darin, das Projekt erst einmal in einen planbaren Zustand bringen zu lassen, damit auf der Basis einer ausreichend detaillierten Spezifikation erreichbare Terminziele geplant werden können. Terminzusagen nicht auf diese Weise abzusichern ist ein Management-Fehler, der von Programmierern nicht mehr ausgemerzt werden kann, auch nicht durch Mehreinsatz in der Endphase.

Mit einer realistischen Anfangsplanung allein ist es aber noch nicht getan. Der DV-Manager muß zusätzlich dafür Sorge tragen, daß Änderungen und Ergänzungen während der Realisierungsphase entweder nicht zugelassen werden oder aber daß den Realisierern Kosten- und Terminauswirkungen zugestanden werden.

Hiermit sind schon wichtige Qualitätsvoraussetzungen geschaffen. Nun kommt es noch darauf an, mit geeigneten Methoden und Werkzeugen einen hohen Austestungsgrad der Software sicherzustellen.

Der letzte Gedanke führt uns schließlich zum zweiten Gesichtspunkt der Qualitätssicherung, der Gewährleistung der technischen Qualität. Durch sie wird entscheidend das Problem der Wartbarkeit geprägt. Die unternehmerische Dimension dieses Themas wird sichtbar, wenn man bedenkt, daß heute in vielen Unternehmen 70 bis 80 Prozent der Software-Entwickler mit der Wartung alter Systeme beschäftigt sind. Hier muß sich der DV-Manager

fragen, ob es nicht möglich ist, diesen Anteil wesentlich zu reduzieren, um mehr Kapazität für Neuentwicklung und damit Abbau des Anwendungsstaus zu bekommen. Sicherlich liegt die Lösung nicht darin, die Änderungswünsche der Anwender zurückzudrängen; sie sind oft unumgänglich und kommen aus Erfordernissen der Markt-, Produktions- und Vertriebsanpassung.

Die Frage muß lauten: Wie muß man Software produzieren beziehungsweise wie muß die fertige Software aussehen, damit spätere fachinhaltliche Änderungen sich sehr leicht und mit nur lokalen Auswirkungen umsetzen lassen? Die Antwort kann nur in einem ausgefeilten, auf Wartbarkeit ausgelegten Software-Engineering-Modell liegen.

Wie einfach und mit relativ geringem Aufwand pflegbare Software aussehen muß, darüber sind sich heute die Fachleute im wesentlichen einig. Phasen- und Methodenkonzepte, die diese Zielsetzung gewährleisten, sind seit langem bekannt. Hier liegt die Aufgabe des DV-Managers darin, seine besten und fähigsten Mitarbeiter für ein derartiges Konzept zu begeistern. Dabei sind in hohem Maße Ausdauer, Zielstrebigkeit und Motivationsfähigkeit gefordert, um die immer wieder auftretenden Akzeptanzprobleme in den Griff zu kriegen.

Das Argument Software-Qualität sei teuer, sollte der DV-Manager nicht kritiklos übernehmen. Im Gegenteil: Bei uns hat sich sehr deutlich erwiesen, daß höhere Softwarequalität Methoden und Werkzeuge erfordert, die gleichzeitig eine erhebliche Produktivitätssteigerung ermöglichen.

Dr. Walter Wintersteiger VRZ - Vorarlberger Rechenzentrum GmbH, Dornbirn/Osterreich

Mit dem wachsenden Einsatz der DV als Hilfsmittel zur Informationsverarbeitung hat die Software entscheidenden Einfluß auf die Erreichung der Gesamt-Unternehmensziele gewonnen. Somit muß auch die Sicherung der Softwarequalität ganzheit-, lich gesehen werden.

Ganzheitlich bedeutet in Anlehnung an die systemorientierte Managementlehre, daß sowohl bei der Software als Produkt als auch bei der Software-Qualitätssicherung als Prozeß in der Praxis eine Vielzahl verschiedener Perspektiven simultan berücksichtigt werden muß, um Suboptimierungen, Ungleichgewichte und disharmonische Entwicklungen zu vermeiden. Für die Praxis bedeutet das neben der Berücksichtigung modernen Software-Engineerings vor allen Dingen eine verstärkte Berücksichtigung des Faktors Mensch.

Das Problem der Software-Qualitätssicherung ist längst nicht mehr nur Angelegenheit der Software-Entwickler, sei es Projektleiter, Systemanalytiker, Programmierer, Testmanager oder eigener Software-Qualitätsbeauftragter. Software-Qualitätssicherung muß, wie andere Fragen der Qualitätssicherung im Unternehmen auch, vom Topmanagement mitgetragen werden. Ebenso von den DV-Endbenutzern.

Im wesentlichen ist das Management verantwortlich für die Schaffung bestmöglicher Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zur erfolgreichen Software-Qualitätssicherung durch Ordnung und Fixierung von Aufgabeninhalten und Aktivitäten (Aufbauorganisation) sowie ein System von Regelungen und Handlungsvorschriften (Ablauforgation). Dazu gehört auch die Schaffung eines umfassenden Qualitätsbewußtseins unter besonderer Berücksichtigung von Effektivität ("to do the right things") und Effizienz ("to do the things right").

In der Verantwortung der DV-Endbenutzer liegt vor allen Dingen die Software-Qualitätskomponente "Gebrauchstauglichkeit". Zu sagen, was man will, wie man es will und warum man es will, sollte Sache der DV-Endbenutzer sein, auch wenn wir in der Praxis leider noch relativ weit davon entfernt sind.

Richtig wäre es, wenn sich die Softwareentwickler auf ihre professionellen Stärken konzentrieren könnten, um damit ihrer Verantwortung für die Software-Quahtätskomponenten "Wartbarkeit und Erweiterbarkeit" sowie "Übertragbarkeit" entsprechend gerecht zu werden.

Dr. Bernd Rau Leiter Org./DV, Wecker Chemitronic, Burghausen

Um es vorwegzunehmen: Qualitätssicherung ist nicht "die" Schlüsselaufgabe eines DV-Managers.

Versteht man unter Qualitätssicherung "alle Maßnahmen zur Erzielung der geforderten Qualität von Softwareprodukten" (Anwendungen beziehungsweise Systeme, Programme), dann ist dies nur eine der Funktionen eines Informations-Managers.

Kam früher der Entwicklung von Software- durch die DV-Abteilung eine überragende Bedeutung zu, so hat sich heute der Tätigkeitsumfang eines Informations-Managers stark erweitert, Neben Orgnisation sind unter anderem Office Automation, Integration von Kommunikationsmittel wie Telex, Btx, Textverarbeitung zu einem Gesamtkonzept, individuelle Datenverarbeitung auf Mainframe und Mikrorechner, Dezentralisierung von DV-Aufgaben sowie effizienter und kostengünstiger Einsatz, Verteilung und Vernetzung von DV-Ressourcen (Mainframe-Peripherie, Mikrorechner) als gleichrangige Aufgaben hinzugekommen,

Weiterhin gibt es für den Einsatz von Software durch das vermehrte Angebot an Standardsoftware zunehmend die Alternative: Kauf oder Eigenentwicklung von Software. Beim Kauf von Standardsoftware ist eine Qualitätssicherung nur in eingeschränktem Maße möglich. In der Regel bleibt man auf die Abprüfung der Qualitätsmerkmale der Fremdsoftware beschränkt.

Im Rahmen der Eigenentwicklung ist zu untersuchen, ob eine "Quick-and-drity"-Lösung oder eine qualitativ hochwertige Lösung zu realisieren ist. Datenverarbeitung ist nicht um ihrer selbst willen zu betreiben, sie hat einen Nutzen für den Enduser zu bringen.

Eine schnelle Lösung kann für den Enduser von größerem Nutzen sein als eine zeitaufwendigere, aber qualitativ höherstehende Lösung, zum Beispiel bei zeitlich beschränkten Anwendungen mit einer geringen Anzahl an Funktionen. Die Sprachen der vierten Generation erleichtern dabei eine schnelle Lösung. Die auf dem Mikrorechner-Markt vorhandene Tendenz zur Wegwerflösung wird auch in Teilbereichen der Groß-DV Gültigkeit erlangen.

Eine Schlüsselaufgabe kommt der Qualitätssicherung sicherlich bei der Eigenentwicklung qualitativ hochwertiger Software (Anwendungen) zu. Diese Schlüsselaufgabe betrifft in erster Linie den Leiter der Anwendungsentwicklung. Aufgabe des DV-Managers ist es, die Prioritäten der Qualitätsmerkmale zu setzen. An erster Stelle steht für mich die Erfüllung der geforderten Funktionen, an zweiter Stelle organisatorische beziehungsweise ergonomische und an dritter Stelle DV-technische Qualitätsmerkmale. Dabei soll nicht verkannt werden, daß zwischen den verschiedenen Parametern Abhängigkeiten bestehen.

Eine Software, die die geforderten Funktionen oder Teile davon nicht erfüllt , sollte nicht eingesetzt werden. Man kauft ja auch kein Auto ohne Motor.

Unter organisatorischen beziehungsweise ergonomischen Qualitätsmerkmalen sind die Benutzerfreundlichkeit - Layout von Bildschirmen, Listen, intelligente Defaults, intelligente Fehlermeldungen, Quersprungmöglichkeiten,

Fastpath-Methode, freie Einstiege - sowie Antwortzeitverhalten und Datensicherheit zu verstehen. Eine Anwendung kann DV-technisch brillant entwickelt sein, sie aber ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie vom Enduser aus organisatorischen oder ergonomischen Gründen abgelehnt ,kird.

DV-technische Qualitätsmerkmale sind (weitgehende) Fehlerfreiheit und Wartbarkeit durch Modularisierung, Strukturierung (Systeme und Programme), Normierung, Einsatz von Standards, Tests und Reviews. Insbesondere die Wartbarkeit halte ich für ein wesentliches DV-technisches Qualitätsmerkmal. Organisatorische Abläufe sollen die DV-Systeme bestimmen, nicht umgekehrt. Da sich die Organisation dynamisch ändert, muß sich die DV mit ihr ebenfalls dynamisch weiterentwickeln. Wartung im Sinne der dynamischen Anpassung an die sich ändernde Organisation (Anpaßbarkeit) ist ein wesentlicher Bestandteil des Services an den Enduser. In diesem Sinne leuchtet mir das Ziel einer wartungsarmen Software (Anwendung) nicht ein.

Die Qualitätssicherung hat sicherlich eine Schlüsselfunktion im Rahmen der Eigenentwicklung von qualitativ hochwertiger Software. Die Bedeutung der Qualitätssicherung relativiert sich für den DV-Manager durch die Entscheidungsalternativen "Kaufsoftware"" beziehungsweise "Quick-and-dirty"-Lösung.

Durch das geänderte, erweiterte Aufgabengebiet des DV-Managers, neben Organisation insbesondere Kommunikation und IDV, verliert die Qualitätssicherung ihre Schlüsselfunktion und ist deshalb "nur" eine wesentliche Aufgabe neben anderen.