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08.05.1998 - 

Hypobank, Polizeidienststellen

Anwender nutzen Java als DV-Integrationsmedium

Zwei Einstellungen gegenüber Java sind weit verbreitet: Entscheider mit geringer technischer Ausrichtung mißtrauen dem "Hype" und wollen daher lieber abwarten, bis sich der Rummel gelegt hat. Altgediente IT-Profis hingegen bewerten Java häufig danach, was es im Vergleich zu länger existierenden Programmiersprachen an Neuem gebracht hat, und begründen ihre Zurückhaltung damit, daß dieses oder jenes Feature auch schon in anderen Tools vorhanden ist. Beiden Gruppen gemeinsam ist, daß sie Java noch oft als bloßes Werkzeug für die Applet-Programmierung im Internet wahrnehmen und damit den raschen und weitreichenden Ausbau ignorieren, den Sun seiner Plattform in den letzten zwei Jahren angedeihen ließ.

Anläßlich der Konferenz "Java for Enterprises", die am Rande der European Oracle User Conference (EOUG) stattfand, setzte Gernot Starke von der Kölner Unternehmensberatung Schumann http://www.schumann.de diesen Positionen die griffige Formel "Java is about Business" entgegen. Den geschäftlichen Nutzen begründete Starke mit zwei Argumenten: Java kann schon heute bestehende Anwendungen verbinden und sie zudem für das Intranet öffnen.

Beide Fähigkeiten von Java entspringen nicht nur seiner technischen Beschaffenheit, die teilweise auch andere Sprachen und Tools vorweisen können. Entscheidend ist vor allem die massive Unterstützung durch Hersteller. Besonders die Verfügbarkeit von Ablaufumgebungen auf praktisch allen Plattformen, vom Mainframe bis zum Desktop, prädestiniert Java als Integrationsmedium, aber auch die Einbindung in die meistverbreiteten Komponentenarchitekturen Corba und COM ist hierfür von Vorteil. Hinzu kommen zahlreiche APIs zu Middleware-Diensten wie Directory Services, Messaging- oder Transaktionssystemen. Nicht zuletzt erleichtern viele neue Tools die Lösung von Programmierproblemen, der wachsende Komponentenmarkt verspricht Entlastung durch Zukauf statt Eigenentwicklung.

Java-Befürworter wie Starke versprechen einen Gewinn für alle Beteiligten, wenn Altanwendungen mit Client-Server-Programmen mittels Java verbunden und so für Web-Clients zugänglich werden.

Benutzer haben es mit einer einheitlichen Bediener-Schnittstelle zu tun, Entwicklern kommt die Objektorientierung von Java zugute, Systemverwalter werden durch das Web-Modell entlastet, und Manager dürfen sich Kostenreduktion erwarten. Auch wenn letztere erfahrungsgemäß unter dem Strich ausbleibt, weil Einsparungen bei der Entwicklung und Wartung von Anwendungen meist für nun mögliche, zusätzliche Funktionen wettgemacht werden, so konnten die angeführten Beispiele doch überzeugen. Der Kölner Unternehmensberater stellte eine Anwendung der Hypobank für das Risk-Management vor, die mehrere separate Programme und Terminalemulationen unter einen Hut brachte. Der wesentliche Vorteil dieser Integrationslösung besteht für Anwender darin, daß sie im Gegensatz zu vorher nicht mehr über die IT-Struktur Bescheid wissen und zwischen verschiedenen Applikationen umschalten müssen, um an die gewünschten Informationen zu kommen.

Daß Java gelegentlich die von Sun-Marketiers vorgezeichneten Bahnen verläßt und dabei ein Eigenleben entwickelt, belegt die inzwischen ausreichende Erfahrung von Softwarehäusern und Anwendern im Umgang mit dieser Technologie. Ein Beispiel für eine nicht ganz typische Java-Applikation und einen pragmatischen Umgang mit der Sun-Technik präsentierte Gerald Pitschek von der Intos Information Technology Solutions & Consulting GmbH http://www.intos.co.at . Es handelte sich dabei um eine Anwendung zur Materialbestellung innerhalb der österreichischen Gendarmerie. Gezeigt wurde, wie netzwerkorientierte Lösungen bürokratische Abläufe in ohnehin schwerfälligen staatlichen Institutionen vereinfachen und zudem den Beteiligten ein gewisses Maß an Service bieten können. Bis zur Einführung der DV-Lösung mußten die Gesetzeshüter bei der Bestellung neuer Uniformen Kataloge wälzen und Formulare ausfüllen. Dieser Vorgang war fehlerträchtig und daher häufig mit Reklamationen verbunden, die Bearbeitung für die Betroffenen nicht transparent.

Die von Intos realisierte Anwendung nutzt Java auf dem Server. Interessant dabei ist, daß sich die Staatsdiener schon früher auf der Client- und Server-Seite durchgängig für eine NT-Strategie entschieden hatten und das meistgenannte Kriterium für den Java-Einsatz, nämlich dessen Plattformunabhängigkeit, deshalb scheinbar keine Rolle spielte. In einem reinen Microsoft-Umfeld könnte man eine mit Visual Basic oder Visual C++ erstellte Anwendung für angemessener halten - noch dazu, wo Java der Ruf geringer Ablaufgeschwindigkeit anhaftet. Das Systemhaus hatte aber schon früher eine E-Commerce-Lösung realisiert und konnte dank Plattformunabhängigkeit und Objektorientierung von Java einen Gutteil des bestehenden Codes wiederverwenden. Die Firma Intos erhielt den Auftrag vor allem deshalb, weil sie eine kürzere Zeit für die Fertigstellung der Applikation in Aussicht stellen konnte.

Auch wenn die Auseinandersetzungen zwischen den Herstellern anderes glauben machen, so müssen sich erfahrene Anwender keineswegs immer gleich zwischen 100 Prozent reinem Java und proprietären Lösungen entscheiden. Pitschek konnte glaubhaft machen, daß die Nutzung von spezifischen Funktionen der Microsoft Virtual Machine (VM) das Programm keineswegs für immer auf Windows festnagelt. Die Objektorientierung von Java erlaubt eine Anwendungsarchitektur, die proprietäre Features wie den Zugriff auf COM-Objekte über Interfaces kapselt. Die Entscheidung, auf Windows-spezifische Funktionen der Microsoft-VM zu verzichten und diese plattformunabhängig nachzubilden, wäre laut Pitschek mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden gewesen. Dieser läßt sich bei Bedarf auch später noch leisten, falls eine Portierung der Applikation anstehen sollte. Kennzeichnend für einen pragmatischen Umgang mit Java war auch die Nutzung von Servlets im Zusammenspiel mit dem Internet Information Server (IIS), obwohl sich dort Microsofts "Active Server Pages" als Quasi-Standard etabliert haben. Der Intos-Vertreter war von den Vorzügen von Java auf dem Web-Server überzeugt, stieß aber in der Kombination mit dem IIS vorerst auf Probleme. Deren Lösung stellen Add-on-Produkte wie IBMs "Servlet Express" in Aussicht, die beliebige Web-Server um das Servlet-API erweitern.

Abb.1: Java als Integrationsmedium

Dank überall verfügbarer Ablaufumgebungen und zahlreicher APIs für den Zugriff auf Middleware-Dienste kann Java bestehende DV-Inseln verbinden und für das Intranet öffnen. Quelle: Schumann Unternehmensberatung

Abb.2: Datenbanken für R/3

Der Hauslieferant von Datenbanken für SAPs betriebswirtschaftliches R/3-Paket ist nach wie vor Oracle. Das Unternehmen war bei der R/3-Einführung der erste SAP-Partner und hat diesen Vorsprung offensichtlich massiv nutzen können. Verblüffenderweise rangiert nach den Erkenntnissen der Input-Marktforscher mit "Adabas D" ein System auf Platz zwei, dessen R/3-Variante eigentlich mangels Masse von der Software Ag an SAP abgetreten wurde. Microsofts "SQL-Server" spielt bislang noch kaum eine Rolle. Quelle: Input