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05.09.2003 - 

Software bleibt beim Kunden

Anwender proben Applikations-Outsourcing

MÜNCHEN (jha) - Der deutsche Markt für Application-Management ist klein, entwickelt sich aber schnell. Anbieter treiben das Geschäft voran, weil es gute Chancen auf Folgeaufträge eröffnet. Für Anwender ist mit dieser Dienstleistung ein sanfter Einstieg in das Outsourcing möglich.

Application-Management ist weder Fisch noch Fleisch, ein Mischmasch aus Application-Outsourcing und Projektgeschäft. Der Markt ist klein, im letzten Jahr nahmen die Anbieter nach einer Erhebung der Marktforscher von Pierre Audoin Consultants (PAC) gerade mal 255 Millionen Euro mit dedizierten Application-Management-Diensten in Deutschland ein. Im Vergleich zum Komplett-Outsourcing (Umsatz 2002 in Deutschland: 2,2 Milliarden Euro) ist das Geschäft mit der Applikationsverwaltung vernachlässigbar.

Geringe Hemmschwelle für Anwender

Dennoch setzen die Anbieter große Hoffnung in diese hybride Dienstleistungsform. Zwar nahm IBM Global Services in Deutschland im vergangenen Jahr beispielsweise nur zirka drei Prozent seiner gesamten IT-Service-Einnahmen mit Stand-alone Application-Management-Diensten ein, trotzdem leistet sich der Dienstleister eine eigene Vertriebsmannschaft für diesen Service. Der Grund für das Engagement liegt nicht allein in den hohen Zuwachsraten, die PAC dem Markt zuspricht (siehe Grafik). "Das Application-Management ist ein erster Schritt in die Tür des Kunden", erläutert PAC-Analyst Karsten Leclerque. "Die Unternehmen haben verglichen mit dem Komplett-Outsourcing weniger Bedenken, weil Software und Daten im Hause bleiben."

Mit dem Stand-alone Application-Management nach PAC-Definition übernimmt der Dienstleister zwar die Verantwortung für die Applikation, sie gehört allerdings weiterhin dem Anwenderunternehmen - ein wesentlicher Unterschied zum Outsourcing, wo die Vermögenswerte gegen Bezahlung an den Service-Provider gehen. Abgerechnet wird beim Application-Management zum Festpreis, zudem vereinbaren die Partner eine feste Laufzeit. Üblich sind hier drei bis fünf Jahre. Die zu liefernden Leistungen werden in den Service Level Agreements (SLAs) festgeschrieben, in der Regel beinhalten die Vereinbarungen auch regelmäßige Updates, damit die Anwenderunternehmen nicht zum Ende der Laufzeit mit einer veralteten Umgebung arbeiten müssen. Das alles sind wiederum typische Merkmale eines Outsourcing-Vertrags.

Prozessnahe Services

Nicht im Festpreis enthalten sind Neuanschaffungen und Integrationsarbeiten, etwa die Einführung eines komplett neuen ERP-Moduls. Solche Erweiterungsvorhaben zahlen die Auftraggeber ähnlich wie im Projektgeschäft nach Zeit- und Materialaufwand. Nicht zwangsläufig fällt bei diesen Arbeiten der Zuschlag zu Gunsten des Application-Management-Partners, doch, weil der die Anwendungslandschaft am besten kennen sollte, hat er die besten Karten, den Auftrag zu bekommen. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass dieser Markt für die Anbieter so attraktiv ist. "Solche Services stellen ein sehr gutes Instrument zur Kundenbindung dar", meint Leclerque. "Die Dienstleister arbeiten nah an den Applikationen und folglich auch an den Prozessen."

So kommt es, dass sich derzeit sowohl die klassischen Outsourcing-Anbieter wie IBM Global Services, EDS, T-Systems und Siemens Business Services (SBS), als auch Systemintegratoren a lá Accenture, Bearingpoint und Cap Gemini Ernst & Young sowie Spezialisten wie MAK Data System aus Kiel um diesen kleinen Kuchen streiten. Sie nähern sich dem Geschäft aus unterschiedlicher Richtung und mit divergierenden Zielen. "Die Systemintegratoren versuchen, ihre im Projektgeschäft eingebrochenen Umsätze zu kompensieren", erläutert Leclerque. "Zudem hoffen sie auf einen kontinuierlichen Einnahmenfluss, so dass ihre Umsätze künftig weniger abhängig vom konjunkturanfälligem Projektgeschäft sind." Entgegen kommt den derzeit notorisch klammen Systemintegratoren, dass für den Einstieg in das Application-Management keine großen Vorabinvestitionen erforderlich sind.

Derartige Sorgen plagen die Outsourcing-Spezialisten weniger. Sie wollen das Application-Management als Türöffner für weiterreichende Outsourcing-Verträge nutzen. Im Vergleich mit dem nordamerikanischen, skandinavischen oder britischen Markt sind deutsche Anwender nach wie vor Outsourcing-Muffel, zu groß ist ihre Skepsis gegenüber externen Dienstleistern. Der sanfte Einstieg in dieses Geschäft über den Umweg des Application-Managements könnte die Bedenken zerstreuen, hoffen die Service-Provider.

Zugute kommt den Anbietern, dass diese Disziplin eigentlich nicht neu ist, in etwas anderer Form gibt es solche Dienstleistungen bereits seit langem. Schon früher war es nicht ungewöhnlich, dass die Systemintegratoren die von ihnen eingeführte Software auch nach der Übergabe von ihren eigenen Mitarbeitern in den Räumen des Auftraggeber pflegen, aktualisieren und betreuen. Für die Anbieter war dieses in der Branche als "Bodyleasing" bezeichnete Geschäft lukrativ, weil nach Zeit und Aufwand abgerechnet wurde und sich notfalls auch ein Berater ohne Projekt dort beschäftigen ließ. Erst der erhebliche Kostendruck hat viele Unternehmen dazu bewegt, diese Aufgaben so weit wie möglich wieder in eigene Hände zu nehmen.

Leistungen werden transparent

Das Application-Management-Modell bietet den Anwendern nun die Möglichkeit, diese Arbeiten wieder auszulagern und auf eine vertraglich geregelte Basis zu stellen, also mit Festpreisen, Service-Level-Agreements und Laufzeiten zu versehen. "In diesen Fällen bedeutet Application-Management ein neues Vertrags- und Servicemodell", räumt Leclerque ein. Unterm Strich werden die Leistungen der externen Mitarbeiter transparenter, denn die Servicequalität lässt sich idealerweise messen und mit Preisen beziffern.

Das gilt sowohl für die Betreuung von Standardsoftware als auch für individuelle Altapplikationen. Für Altanwendungen haben Spezialisten wie Cap Gemini und Unilog Prozesse und Methoden entwickelt, mit denen sie Skaleneffekte erzielen, die Betreuung straffen und die Servicequalität verbessern können. Vor allem geht dem Einstieg in solche Aufträge meistens eine Bestandsaufnahme der IT-Umgebung und -Prozesse durch den Dienstleister voraus, die in Verbesserungsvorschläge, Prozessoptimierung und Kostensenkung münden sollte - beste Voraussetzungen also, um diese Dienstleistung ernst zu nehmen.

Der deutsche Markt bietet Chancen

Die Marktbeobachter von Pierre Audoin Consultants (PAC) ordnen das Stand-alone Application-Management zwischen Outsourcing und Projektgeschäft ein, denn es werden zwar feste Laufzeiten, Service-Level-Agreements und Festpreise vereinbart, aber es erfolgt keine Übernahme von Vermögenswerten. Der Markt ist relativ klein, soll sich aber prächtig entwickeln (siehe Grafik). Seitens der Anwender besteht vor allem dort Bedarf, wo die Anwendungen häufigen Anpassungsarbeiten etwa durch gesetzliche Neuerungen unterliegen, also in Banken und Versicherungen. Im Vergleich zu Großbritannien und Frankreich ist der deutsche Markt unterentwickelt. Treibende Kräfte für die Entfaltung des hiesigen Geschäfts sehen die PAC-Analysten in der steigenden Komplexität und Bedeutung der unternehmensinternen Applikationen, der zunehmenden Anforderung an deren Funktionalität, der Verfügbarkeit und Sicherheit sowie dem hohen Kostendruck in den IT-Abteilungen. All das, so die Schlussfolgerung der PAC-Experten, führt zu einer vermehrten Nachfrage nach diesen Diensten.

Abb: Marktforscher erwarten steigendes Kundeninteresse

Der deutsche Application-Management-Markt ist für Anbieter attraktiv, denn bis zum Jahr 2007 verspricht er ein durchschnittliches Jahreswachstum von fast 28 Prozent. Quelle: PAC