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25.08.1995

Anwender raetseln ueber die Umstellungskosten Gates' Marketing-Getoese macht Warten auf NT nahezu umoeglich

Das DV-Management ist bezueglich Windows 95 unsicher, und Microsoft hat selbst dazu beigetragen: Ueber die Hoehe der Migrationskosten gehen die Meinungen auseinander. Bedenken bestehen auch bezueglich der Integrationsfaehigkeit des Betriebssystems in die unternehmensweite DV. Ausserdem lockt das nahende Quasi- Konkurrenzprodukt Windows NT Workstation die IS-Verantwortlichen. Dennoch wird in der Regel auf Windows 95 umgestellt.

Bill Gates uebt sich im Verwirrung stiften - jedenfalls aus Sicht der Unternehmen, die nun vor der Entscheidung stehen, Windows 95 einzufuehren. So taucht mit Windows NT Workstation bereits in absehbarer Zeit eine weitere Betriebssystem-Variante fuer Desktop- PCs am Horizont auf.

"Bei uns wird heiss diskutiert, ob es sich ueberhaupt lohnt, auf Windows 95 umzusteigen, oder ob es nicht besser ist, zu warten, bis NT als Client-Software vernuenftig einsetzbar ist", beschreibt Thomas Flath, Leiter Benutzerservice bei der Adidas GmbH in Herzogenaurach, die Qual der Wahl.

Vor allem Unternehmen, die auf Windows NT als Server- Betriebssystem setzen, sind in der Zwickmuehle. "Es ist eine finanzielle Frage, ob ich bis zur Verfuegbarkeit des NT-Client bei Windows 3.1 bleibe, auch wenn das eventuell noch zwei Jahre dauert", erklaert Franz Dietl, DV-Chef bei der WWK Versicherung in Muenchen.

Das DV-Management betrachtet das Thema Windows 95 primaer unter dem Kostenaspekt. Die Meta Group errechnet fuer ein Unternehmen, das mit etwa 1000 PCs - vom 486er aufwaerts - von Windows 3.1 auf Windows 95 umsteigt, Migrationsausgaben in Hoehe von 1093 Dollar pro Arbeitsplatz. "Einen Bereichsvorstand zum Beispiel interessiert OLE 2 und ODBC wenig. Der fragt nach dem Nutzen und macht eine Investitionsrechnung. Die 32 Bit versprechen fuer sich gesehen noch keinen Effekt", weiss Gunnar Heinrich von der Pica Information & Management GmbH, Muenchen.

WWK-Mann Dietl wuerde den Kelch Windows 95 am liebsten an sich voruebergehen lassen. "Vorerst wollen wir hier im Haus noch nichts tun. Wir verwenden als Server-System NT. Damit ist klar, dass wir auf den NT-Client setzen." Um Windows 95 kann der DV-Manager aber dennoch keinen Bogen machen: "Wir unterstuetzen viele selbstaendige Versicherungsagenten. Die kaufen sich ihren PC selbst, und auf dem ist ab dem Zeitpunkt X Windows 95 drauf. Das heisst, meine Systeme muessen darunter laufen - das ist Pflicht."

In der Gross-DV haben es die IT-Verantwortlichen leichter, Art und Umfang des Technologieeinsatzes zu bestimmen. Im PC-Geschaeft entwickelt sich ueber den Consumer-Markt eine Eigendynamik, die von den Firmen nur schwer zu beeinflussen ist. "Es ist den Werbeaussagen zufolge eine leicht verstaendliche Technologie, die von den Anwendern auch privat eingesetzt wird. Deshalb geraet der IT-Bereich von dieser Seite unter Druck. Ein Archivsystem oder SAP R/3 stellt sich keiner zu Hause hin", konstatiert PC-Consultant Heinrich.

Die Analysten der Meta Group, die den Unternehmen Windows NT Workstation als strategisches Desktop-Betriebssystem ans Herz legen, empfehlen den Firmen, mit Bill Gates' juengstem Produkt einen Zwischenschritt einzulegen, bis 1997/98 eine NT-basierte Desktop-Umgebung implementiert sei.

Bedenken haben die DV-Manager bezueglich der Integrationsfaehigkeiten des 32-Bit-Windows.

"Wir haben eine Menge selbstprogrammierter Anwendungen, viele davon in Visual Basic, bei dem wir auf die Version 4 warten. Ausserdem existieren Host-Emulationen etc. Hier muss erst geprueft werden, ob sie unter dem 32-Bit-System laufen", beschreibt Dietl die Umstellungsproblematik. Wolfgang Stubenrauch, Fachbereichsleiter Informationsverarbeitung bei der Knorr-Bremse AG, Muenchen, geht es nicht anders: "Wir fahren alle moegliche Emulationssoftware. Nicht nur 3270-, sondern auch TCP/IP- und VT- Emulationen - deren Verwendbarkeit unter Windows 95 muss man erst testen."

Mit den gaengigen Terminalprogrammen gibt es offenbar keine grossen Schwierigkeiten. Dietrich Lueben, Leiter Buerokommunikation beim Muenchner ADAC e.V., hat es ausprobiert: "Sogar die IBM-Host- Emulation laeuft jetzt, das ging mit einer der ersten Betas noch nicht."

Je naeher Computerprofis den PC-Anwendungen stehen, desto positiver nehmen sie das neue Betriebssystem auf. "Wir haben festgestellt, dass die Speicherorganisation deutlich besser ist als beim bisherigen Windows", urteilt Lueben. Wesentliche Vorteile erhofft man sich allerdings erst durch die 32-Bit-Versionen der PC- Anwendungen. "Das Thema Office-Automation nimmt im Rahmen unserer Informationsverarbeitung einen hohen Stellenwert ein. Wir glauben, dafuer sind 32-Bit-Anwendungen unbedingt noetig", verdeutlicht der BK-Spezialist.

Nicht die mit grossem Brimborium angekuendigte Markteinfuehrung von Windows 95, sondern die Verfuegbarkeit von Office 95 und Co. bestimmt den Migrationszeitpunkt. "Wir warten noch, bis die Anwendungen, in unserem Fall Office 95, verfuegbar sind und testen sie dann erst in Ruhe", erklaert Adidas-Mitarbeiter Flath.

Die Umstellung auf Win 95 wird im grossen Stil erst 1996 erfolgen. "Je professioneller die Landschaften sind, desto ueberlegter geht das verantwortliche DV-Management die Sache an. Die Euphorie, die bei den PC-Begeisterten zu finden ist, schlaegt sich hier nicht unbedingt durch", beobachtet PC-Berater Heinrich. "Warum soll man als Business-User Vorreiter sein?" bestaetigt Stubenrauch.

Fuer dieses Jahr planen die meisten Unternehmen nur Pilotinstallationen, um Integrationsfaehigkeit und Fehleranfaelligkeit zu pruefen. "Wir werden Windows 95 sicher nicht auf einen Schlag einfuehren, und auf keinen Fall die erste Version", so Lueben.

Laengerfristig geht der Trend nach Heinrichs Beobachtungen zum gemischten Einsatz der beiden 32-Bit-Betriebssysteme Windows 95 und Windows NT Workstation. "Viele Unternehmen haben bereits Benutzerklassen-Konzepte implementiert. Sie definieren Benutzergruppen, von denen die einen Windows 95 und die anderen Windows NT Workstation bekommen." Die flaechendeckende Verwendung von NT sei fuer Umgebungen mit rund 1000 PCs aufgrund der benoetigten Hardwareressourcen oftmals zu teuer, verdeutlicht Lueben.

Wieviel die Migration auf Windows 95 letztendlich kosten wird, darueber sind sich die IT-Manager indes noch nicht ganz im klaren. Eine Umfrage der CW unter rund 160 Lesern ergab Schaetzungen zwischen 1000 und 5000 Mark Umstiegskosten pro Anwender, wobei drei Viertel der Befragten mit Ausgaben von 1000 bis 3000 Mark pro Arbeitsplatz (Schulung, Hardware, Software) rechnen. Kommt die Umstellung, wie bei der Meta Group geschaetzt, auf rund 1600 Mark, summiert sich der Aufwand bei 1000 PCs auf beachtliche 1,6 Millionen Mark. DV-Chef Stubenrauch wuenscht sich bezueglich der zu erwartenden Kosten von Microsoft noch genauere Informationen, auch was die Applikationen betrifft. Microsoft ueberlaesst die Preisgestaltung jedoch letztlich den Distributoren und Fachhaendlern. Die Strassenpreise werden nach internen Kalkulationen der Deutschland-Zentrale etwa bei 200 Mark fuer ein Win-95- und bei 630 Mark fuer ein Office-95-Update liegen.