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04.12.1992 - 

EDI-Gesellschaft soll Edifact-Marketing professionalisieren

Anwender sehen im OSI-Standard Edifact ein beständiges Regelwerk

HAMBURG (pg) - Dem Electronic Data Interchange (EDI) ist in Deutschland jetzt offensichtlich der Durchbruch gelungen. Auf dem "3. Deutschen Kongreß für Elektronischen Datenaustausch - EDI '92" in Hamburg legten die Anwender nicht nur ein Bekenntnis zu EDI ab, sondern war in Sachen Edifact - der OSI-Norm für den Austausch von Handelsdaten - eine regelrechte Aufbruchsstimmung spürbar.

Das klare Ja zahlreicher Anwender zu Edifact war sicherlich die Überraschung der EDI-Veranstaltung in der Hansestadt. Noch vor einem Jahr drohte Edifact als internationalem Standard das Aus, weil zwischen den Message Development Groups ein Kleinkrieg um die Definition und Interpretation der Edifact-Subsets tobte. Die Subsets, die als Untermenge der Edifact-Nachrichten die Belegung der Datensegmente und Datenelemente definieren und durch die Edifact-Syntax eigentlich geregelt sind, trugen allzu deutlich die Handschrift der branchenspezifischen Standardlösungen und waren dadurch nicht mehr kompatibel. Die Philosophie Edifacts, ein branchenübergreifender, internationaler Standard zu sein, war damit ad absurdum geführt.

Nur die Auflage eines neuen Directories während des Rapporteurs-Meetings im kanadischen Ottawa 1991, bei dem alle Nachrichten einem Quality-Control-Prozeß unterzogen wurden, konnte Schlimmeres verhindern. Obwohl auch in Hamburg Stimmen laut wurden, die ein Durcheinander bei den Subsets sowie deren Optimierung anmahnten, ist von einem Ende Edifacts keine Rede mehr. "Alle, die Edifact schon auf dem Sterbebett gesehen haben, sind eines Besseren belehrt worden", triumphiert Heiko Mehnen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Logistik und Informationssysteme GmbH, einer der Edifact-Mentoren in Deutschland.

Könnte man Mehnen noch Herstellerinteressen unterstellen, so überzeugen doch exemplarisch für viele Unternehmen die in Hamburg ausgesprochenen Bekenntnisse der Philips GmbH und Hapag-Lloyd AG, "Wo EDI nötig ist, versucht Philips Edifact zu realisieren, das sich als stabil und zukunftssicher erwiesen hat", sagte Hinrich Brüggmann, Controller und Mitglied der Geschäftsleitung. Ähnlich äußerte sich Claus-Peter Kulenkampff-Bödecker, bei Hapag-Lloyd für das Vorstandsressort Linienschiffahrt, Vertrieb und Container-Management verantwortlich: "Für eine Linienreederei wie Hapag-Lloyd ist EDI, langfristig betrachtet, eine Frage des Überlebens. Die zunehmende Beschleunigung des Transportablaufes macht ein funktionierendes, einheitliches Regelwerk wie Edifact unerläßlich.

Brüggmann betonte allerdings auch, daß Philips angesichts der angespannten Konjunkturlage nicht mit fliegenden Fahnen in jedes EDI-Projekt gehen könne.

"Wir müssen unsere EDI-Partner schon sehr genau aussuchen", erklärte der Controller, weil die Realisierung organisatorisch aufwendig und kostspielig sei. Nach Ansicht des Experten ist es deshalb von besonderer Bedeutung, die Branchenstandards mit Edifact zu harmonisieren, die Softwate-Anbieter verstärkt, in die Standardisierung zu integrieren und die Geschäftsleitungen für das Thema zu sensibilisieren.

Trotz schlechter wirtschaftlicher Lage und Unstimmigkeiten bei den Subsets ist laut Mehnen "der Knoten jetzt geplatzt und die kritische Masse erreicht". Einen weiteren Aufschwung des internationalen Standards erwartet Ernst-August Hörig, Ministerialrat im Bundesministerium für Wirtschaft und Vorsitzender des Deutschen Ausschusses für die Vereinfachung internationaler Handelsverfahren (Deupro), in naher Zukunft. "Mit Beginn des Binnenmarktes wird Edifact einen weiteren Impuls bekommen", glaubt Hörig, der in diesem Zusammenhang auch mitteilte, daß die amerikanische EDI-Norm ANSI X.12 ab 1997 nur noch Edifact unterstützen werde.

EG-Kommission muß sich Kritik gefallen lassen

Kritik wurde in Hamburg an der Arbeit der EG-Kommission laut. "Es ist ein Graus, wie die EG ihre Mittel einsetzt", äußerte ein Insider anonym seinen Unmut über die Eurokraten in Brüssel, die in dem bis Mai 1994 laufenden Projekt Tedis II 25 Millionen ECU für die Ankurbelung von Edifact in Europa investieren dürfen.

Rückendeckung erhält die EG allerdings von Tuisko Buchmann, EDI-Manager und Edifact-Koordinator bei SNI. Die EG habe, so der Fachmann, entscheidend zum Aufbau von EDI beigetragen, es müsse aber im Falle einer Verlängerung von Tedis über die Wahl neuer und sinnvoller Möglichkeiten der weiteren Projektpolitik nachgedacht werden.

Um speziell in Deutschland jetzt nicht die Kontrolle über die Entwicklung von Edifact zu verlieren, wurde auf dem Kongreß von mehreren Seiten die Gründung einer von der Industrie finanzierten EDI-Gesellschaft angeregt. "Wir brauchen eine ständige Institution, die das Wissen über EDI, wie es in den Gremien erarbeitet wird, an den Otto Normalverbraucher weitergibt", unterstreicht auch Buchmann die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung.

Der verdiente Edifact-Pionier räumte ein, daß der Aufwand wie bisher mit ehrenamtlicher Tätigkeit nicht mehr zu bewerkstelligen sei. Immerhin, so Buchmann, sei heute von 300 Messages die Rede, während man vor Jahren nur mit zwei - Rechnung und Bestellung - angefangen habe.