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21.05.1999 - 

Networld+Interop in Las Vegas

Anwender sorgen sich um die Sicherheit ihrer Netzwerke

LAS VEGAS (hi) - Auf der Networld+Interop (N+I) in Las Vegas, der Leistungsschau der Networking-Szene, waren heuer ruhigere Töne angesagt. Nachdem 1998 die Konvergenz von Sprach- und Datennetzen sowie die Zugangstechnik Digital Subcriber Line (DSL) die Show beherrschten, gab es dieses Jahr keine grundlegend neuen Technologien zu bewundern. Vielmehr, so scheint es, sind die Hersteller damit beschäftigt, ihre mit viel Trara angekündigten Verfahren zur Marktreife zu entwickeln. Dringender Handlungsbedarf besteht bei den Anwendern in puncto Sicherheit.

Kritische Beobachter unterstellen den Ausstellern auf der N+I, erst noch die Forschungskosten für die in den letzten Jahren präsentierten Technologien verdienen zu müssen. Die Chancen hierzu stehen, glaubt man den auf der Messe präsentierten Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC, jedoch nicht schlecht. Den Analysten zufolge verdreifacht sich weltweit das Marktvolumen für Networking-Equipment bis zum Jahre 2002 nahezu. Setzten die Hersteller 1998 noch 8,3 Milliarden Dollar um, gehen die Prognosen für das Jahr 2002 von über 22 Milliarden Dollar aus. Als besonders wachstumsträchtige Sparten hat IDC hierbei Remote-Access-Server, LAN- und WAN-Switches sowie DSL-Equipment ausgemacht.

Wie auch immer der Erklärungsversuch für das Fehlen grundsätzlicher Neuerungen auf der N+I ausfallen mag, die Anwender drückt ein ganz anderer Schuh. "Wir sind von Standleitungen auf das Internet als Transportmedium migriert", bekennt Richard Karon, Sicherheitsspezialist beim US-Unternehmen Perot Systems, "und vermissen nun die alte Sicherheit." Indirekte Rückendeckung erhielt Karon vom Novell-CEO Eric Schmidt, der in seinem Grußwort sagte: "Die Netzinfrastruktur wurde aufgebaut, nun müssen wir für Vertrauen und sichere Netze sorgen."

Ähnlich wie Karon und Schmidt scheinen dies auch zahlreiche andere Anwender zu sehen, denn der Security-Pavillon der Messe erfreute sich regen Zustroms. Diesem Eindruck entsprechen auch die Zahlen der Marktforscher. So rechnet IDC damit, daß der Markt für Sicherheitssoftware von 2,03 Milliarden Dollar im Jahr 1997 um 30 Prozent jährlich auf 7,41 Milliarden Dollar im Jahr 2002 wächst.

Viele Unternehmen widmen sich diesem lukrativem Feld. Entsprechend fand der um die Integrität seiner Daten besorgte DV-Manager im Sicherheitspavillion die verschiedensten Ansätze. Bei allen Unterschieden scheinen sich die Hersteller zumindest in einem Punkt einig zu sein: Die klassische Firewall ist nur noch eines von vielen Hilfsmitteln, um ungebetene Gäste fernzuhalten.

Ein Teil der Firmen setzt in puncto Sicherheit bereits beim Netzzugang an: Neben den bisher bekannten Technologien auf Basis von Magnet- und Chipkarten sollen künftig verstärkt biometrische Verfahren wie Gesichtserkennung oder Fingerabdrucksprüfung dafür sorgen, daß nur berechtigte Personen an Terminals und Rechnern Zugriff zum Netz erhalten. Um die Sicherheit der Daten während der Reise durch das Netz zu gewährleisten, arbeiten die Anbieter mit Nachdruck an hardwarebasierten Verfahren, die schneller verschlüsseln als die verwendeten Softwareprodukte.

Andere wiederum versuchen den Schutz der Netze mit aktiven Überwachungswerkzeugen zu gewährleisten, die den Netzverkehr nach ungewöhnlichen Mustern durchsuchen. Darüber hinaus nehmen sich einige Ausstel- ler des Themas digitale Identität an. Wie mit einem Reisepaß soll der im Cyberspace Reisende künftig über eine digitale Identität verfügen.

Während sich die Netzwerkindustrie in Sachen Sicherheit weitestgehend einig ist, scheint sie in puncto Netz-Betriebssysteme zerstritten. So diskutierten Vertreter von Microsoft, Novell, Red Hat als Linux-Verfechter, SCO und Sun in einem Showdown im Stile der großen US-Wahlkampfdebatten über die Netzplattform der Zukunft. Dabei handelte sich der Microsoft-Vertreter die geharnischte Kritik seiner Konkurrenten ein, als er das hohe Lied des Allzweck-Netzbetriebssystems sang. Diese befürworten nämlich spezialisierte Betriebssysteme für spezifische Einsatzgebiete.

Absage an ein Allzweck-Betriebssystem

Novell sieht sich mit Netware als Mittler zwischen Applikations-Servern und Netzequipment wie Router etc. Sun dagegen definierte seine Rolle als Partner von Telcos und Internet-Service-Provider, die zuverlässige, skalierbare Plattformen für Anwendungen mit mehreren tausend Benutzern suchen. Im SCO-Unix-Lager definiert man die eigene Plattform als Applikations-Server für unternehmenskritische Anwendungen. Linux dagegen billigte SCO-Verfechterin Tamar Newberger nur eine Rolle als Desktop-System zu, das als Front-end hervorragend zu Unix passe.

So gegensätzlich die Microsoft-Konkurrenten teilweise vorgehen, zumindest in einem Punkt stimmten sie überein: Die Interoperabilität ihrer Produkte hat oberste Priorität. Kleinster gemeinsamer Nenner ist hierbei das Lightweight Directory Access Protocol (LDAP). Zwar hat Red Hat in diesem Punkt noch Nachholbedarf, den die Linux-Company gemeinsam mit Novell und Netscape schnellstens decken will. Eher düster sieht es dagegen in Sachen Interoperabilität zu Windows 2000 aus. Als die Konkurrenten von Microsoft forderten, Teile des Windows-2000-Codes zwecks Interoperabilität an Dritte zu lizenzieren, hieß es aus dem Microsoft-Lager lapidar: "Wir glauben an die intellektuellen Eigentumsrechte."

Überhaupt machte Microsoft in der Diskussionsrunde keine gute Figur. So ging der Eiertanz um den Erscheinungstermin von Windows 2000 weiter. "Wir planen die Freigabe für Ende 1999, liefern aber erst aus, wenn unsere Kunden, die das Produkt in Produktionsumgebungen testen, keine Fehler mehr melden", lautete die Aussage. Auch in anderer Hinsicht schoß der Microsoft-Vertreter ein Eigentor, als er Linux das Zeug zum Server-Betriebssystem absprach. Bei einem Messerundgang konnten sich die Besucher im Linux-Solution-Pavillon durchaus selbst von den potentiellen Einsatzmöglichkeiten des kostenlosen Betriebssystems überzeugen. Neben den bereits bekannten Office-Suiten und Datenbankanwendungen für Linux war auf der Messe etwa von Network Engines Inc. einer der ersten skalierbaren Web-Applikations-Server zu sehen, der in einem Cluster mit bis zu 256 Servern betrieben werden kann. Selbst Router auf Linux-Basis sind mittlerweile im Gespräch. Ein erstes Gerät dieser Gattung demonstrierte Nbase Xyplex auf seinem Stand.

Eher beschaulich ging es dagegen in Sachen XDSL zu. Zwar hatten fast alle Hersteller, die auf dem Gebiet der Netzinfrastruktur tätig sind, entsprechende Zugangsgeräte und Modems im Gepäck - insgesamt scheint in der XDSL-Branche aber derzeit noch die Ruhe vor dem großen Sturm zu herrschen. Einen möglichen Grund hierfür sah man auf dem Stand von Nortel Networks in den noch fehlenden Standards, die künftig die Interoperabilität der Geräte unterschiedlicher Hersteller gewährleisten. Sind diese verabschiedet, Nortel rechnet damit Ende August, erwarten die Hersteller einen boomenden XDSL-Markt. Allerdings ist fraglich, ob dies angesichts der ADSL-Preispolitik der Telekom auch für Deutschland zutrifft. In den USA kommt der Anwender deutlich günstiger in den Genuß der schnellen Zugangstechnologie.

Ähnlich wie ADSL hatte auch eine andere auf der letzten N+I mit viel Trara gefeierte Technologie - die Konvergenz der Sprach- und Datennetze - mit dem Thema Interoperabilität zu kämpfen. Zwar war der Integration beider Welten mit der Expo Comm heuer sogar eine eigene Untermesse gewidmet, doch die Ansätze von Herstellern wie Alcatel, Ascend, Ericsson, Lucent, Nokia, Nortel, Siemens und anderen unterscheiden sich noch zu sehr, um von einem Durchbruch zu sprechen. Entsprechend zurückhaltend erwarten Veranstalter und Analysten erst in ein bis zwei Jahren einen endgültigen Durchbruch bei der Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen.