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18.04.1997 - 

Borlands "Delphi" vor Microsofts "Visual Basic"

Anwender stehen auf einfache Programmier-Tools

Den Vorzug erhielten die einfacheren Tools, weil sie viel schneller zu erlernen sind als High-end-Produkte wie "Forté" von Forté und "Smart Elements" von Neuron Data. Immerhin benötigen Entwickler für die Einarbeitung in diese komplexen Werkzeuge nach Angaben der Hersteller rund 18 Monate.

"Diese Tools sind vom Markt nicht so akzeptiert, wie deren Hersteller es gerne glauben machen", sagt Steve Hendrick, Analyst bei der International Data Corp. (IDC), Framingham. Vom gesamten 3,5-Milliarden-Dollar-Markt für 4GL-Werkzeuge entfallen auf die High-end-Produkte lediglich zehn Prozent.

Dennoch hätten sie ihre Berechtigung: bei großen, unternehmenskritischen Anwendungen, die gut wartbar, skalierbar und leistungsstark sein müssen. Die Anwender sollten hier lieber Zeit und Geld in die komplexen Tools investieren, statt auf einfache Bedienbarkeit zu achten, so der Rat von Hendrick.

Die meisten der antwortenden Unternehmen suchten und bewerteten Tools für ihre Brot- und Butter-Anwendungen wie Kostenrechnung, Bestandsführung, Produktion und Vertrieb. Die Durchschnittsnote B, vergleichbar einem "gut", für Delphi, Visual Basic und Powerbuilder dokumentiert laut IDC-Mann Hendrick die Zufriedenheit der Anwender mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Obwohl das Borland-Tool Delphi 1996 fast ein Jahr zu spät auf den Markt gelangte, schnitt es bei der "Computerworld"-Befragung weitaus besser ab als etwa der Marktführer Visual Basic. Delphi sei das erste Tool, mit dem sie tatsächlich schnell Stand-alone-Anwendungen schreiben könnten, ohne daß Runtime-Module benötigt würden, begründeten die Anwender ihre Wahl. Viele von ihnen waren auf Delphi umgeschwenkt, nachdem sie andere Tools ausprobiert hatten.

Auch die Version 2.0 aus diesem Jahr erhielt von den Usern unter allen Programmier-Tools die besten Noten, obwohl nur sechs von den 156 befragten Unternehmen Delphi als strategisches Produkt einsetzen. Das Borland-Werkzeug basiert auf Pascal und entspreche bisher nicht dem Mainstream, so daß die Anwender glaubten, mit Delphi nicht auf der sicheren Seite zu stehen, lautet die Erklärung von Hendrick. Künftig aber schmückt die Delphi-Oberfläche auch "C++Builder" und "Jbuilder", so daß gemischte Entwicklungsteams mit dem Borland-Erzeugnis sowohl in Pascal als auch in Java und C++ arbeiten können.

Dennoch setzen die Anwender für Delphi dieselben Prioritäten wie für andere Tools. Als wichtigste Eigenschaft nannten sie die Kompatibilität zu Applikationen, die mit Produkten von Fremdanbietern erstellt wurden. Den Grund dafür sieht IDC-Analyst Hendrick darin, daß die Unternehmen Anwendungen bauen, die über Workflow-Systeme mit anderen verknüpft sind und zum Beispiel auf dieselben Datenquellen zugreifen müssen.

Delphi unterstützt die relationalen Datenbanken von Oracle, Sybase, IBM und Informix. Klassenkapselung und Templates erleichtern den Entwicklern das Programmieren von Anwendungen, die sich mit anderen verbinden lassen. In einer Windows-95-Umgebung bescheinigen die Anwender dem Tool Utilities, die die Betriebssystem-Funktionen gut ausnutzen und erweitern.

Michael Rapier, Systemanalytiker beim kalifornischen Corning Nichols Institute, San Capistrano, der beide Tools einsetzt, beurteilt die Windows-95-Controls in Delphi als genauso gut wie die in Visual Basic. Allerdings seien für den effizienten Einsatz von Delphi Pascal-Kenntnisse hilfreich. Erst damit könnten Entwickler die strikten Regeln für das Data-Typing zur fehlerfreieren Codierung nutzen.

In 115 von 156 Unternehmen ist Visual Basic im Einsatz; bei 50 Unternehmen gar hauptsächlich. Als Grund dafür nennen die Anwender die einfache Bedienbarkeit. Diese gleicht offenbar auch die vergleichsweise schwache Performance des Tools (bis Version 4.0) aus. Version 5.0 allerdings, die über einen nativen Code-Compiler verfügt und deshalb eine schnellere Ausführung der Visual-Basic-Programme ermöglicht , hatte noch keines der Anwenderunternehmen getestet.

Für den IDC-Analysten Hendrick stellt es keine Überraschung dar, daß die Anwender als zweiten großen Pluspunkt für Visual Basic die Kompatibilität nannten. Das Tool enthalte eine Menge an Controls für Datenquellen, die mit anderen Microsoft-Applikationen auf dem "SQL Server" oder auf der Oracle-Datenbank harmonierten. Das Add-on "Remote Data Objects" stellt zudem Open-Database-Connectivity(ODBC-)Schnittstellen zur Verfügung.

Trotzdem raten die befragten Unternehmen zur Vorsicht. "Wir konnten zwar eine gute und schnelle Anwendung mit Visual Basic realisieren, das heißt aber nicht, daß ich sie verteilen und für 10000 Benutzer zugänglich machen würde", gibt etwa Rick Cronce, Director Systems Development bei der Holstein Association Inc. in Brattleboro, Vermont, zu verstehen.

Obwohl die Version 5.0 des Powersoft-Tools Powerbuilder eine Reihe von Mängeln der Version 4.0 beheben konnte - es hatten OLE Custom Controls und ein Code-Compiler, der ein schnelles Ausführen von Scripts ermöglicht, gefehlt - bewerteten die Anwender der "Computerworld"-Befragung das Werkzeug noch immer zurückhaltend. Gelobt wurde vor allem die Bedienbarkeit und das User Interface.

Der zweite Grund, warum die Unternehmen zu Powerbuilder griffen, ist die Möglichkeit, damit verteilte Anwendungen zu schreiben. Die Powerbuilder-User waren die einzigen, die überhaupt diese Funktion als Begründung angaben.

Obwohl das Tool ab Version 5.0 in der Lage ist, nativen Code zu erzeugen, waren die Anwender mit der Performance nicht ganz zufrieden. Die erwartete Leistungssteigerung sei nicht in jedem Anwendungsfall gewährleistet. Negativ wirkte sich bei der Beurteilung durch die Anwender auch aus, daß die Version 5.0 mehrere Releases benötigte, um aufgetretene Probleme zu beheben.

Die beiden anderen Entwicklungs-Tool, die mehr als die Hälfte der Unternehmen bei der Befragung nannten, waren Oracles "Developer 2000" und Centuras "SQL Windows". Kein Unternehmen allerdings bezeichnete eines der Werkzeuge als strategisches. Diejenigen, die überhaupt Developer 2000 anführten, nannten die Multiplattform-Fähigkeit des Produkts als Grund für die Einführung im Unternehmen. Ähnlich gewichtig war, daß diese Firmen bereits Applikationen im Einsatz hatten, die auf der Oracle-Datenbank basierten.

SQL Windows belegt nun schon im dritten Jahr nacheinander den letzten Platz, was die Zufriedenheit der befragten Anwender angeht, sofern sie von der "Computerworld" befragt wurden. Daß sie dennoch das Centura-Werkzeug einsetzen, begründen die Unternehmen damit, daß das Tool eines der ältesten auf dem Markt ist und daß ihr entsprechender Händlerkontakt Bestand hatte.