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09.10.1974

Anwender und Betroffene berichten über SDLC

Das kürzlich von der IBM angekündigte neue Kommunikationskonzept SNA (System Network Architecture) mit dem Kommunikationssystem SDLC (Synchronous Data Link Control) wird bei Anwendern und Herstellern großes Interesse hervorrufen.

Laut lBM soll mit dieser Ankündigung eine neue computer-Epoche, beginnen, ähnlich wie vor zehn Jahren mit der Einführung des Systems 360. Verkaufsargument bei lBM: Die Anforderungen ihrer Kunden an Kommunikationssysteme wachsen ständig. Durch das neue Konzept wird die Programmierung wesentlich vereinfacht und der Aufwand für die Programmwartung erheblich gesenkt.

cw bat durch eine Blitzbefragung Anwender und Betroffene um eine kurze Stellungnahme über die Auswirkungen, die dieses Konzept für die EDV allgemein, jetzt und auch in naher Zukunft haben durfte.

"Ein umfassender neuer Schritt hin zum Teleprocessing. Da kann man IBM nur gratulieren. Denn es war überfällig, daß IBM sich dem Standard anderer EDV-Hersteller anpaßt Spät, aber immerhin.

Font-End-Processoren und Netzwerkrechner inklusive der dazu erforderlichen Software (NCP) für die Netzwerksteuerung gehören bei Honeywell Bull schon seit Jahren zum Standard. Selbstverständlich gehören dazu auch Prozeduren für den konkurrierenden Betrieb von unterschiedlichen Terminals über eine Leitung zu den verschiedensten Programmen und Betriebsarten im Zentralsystem, und zwar unter einem einheitlichen Betriebssystem (bei Honeywell Bull: GCOS).

Die Fachausschüsse der Computerhersteller arbeiten seit 1967 in der "ECMA" und seit 1969 in der "SO" an einer einheitlichen Prozedur für die Datenübertragung, genannt ADCCP (Advanced Data Communication Control Procedure oder HDLC (High Level Data Link Control Procedure).

Das gleiche Verfahren hat IBM jetzt offiziel als SDLC angekündigt, interessanterweise jedoch nicht den ISO-Standard, sondern mit Abweichungen von einigen Bits und einem Buchstaben. Was ist wohl die Absicht ?"

"Es ist wohl nicht ungewöhnlich, daß der Marktführer den Ton angibt und auch ein neues Verfahren der übertragungssteuerung als erster in die Praxis umsetzt. Nach großen Anstrengungen im Normalbereich um >High Level Data Link Control (SDLC)< mußte der entscheidende Schritt nach ersten tastenden Versuchen irgendwann getan werden. Daß der Hersteller dem Kind einen anderen Namen gegeben hat (Synchronous Data Link Control - SDLC -), ist eines der für Außenstehende unerfindlichen Details.

Denn die Verfahren sollen im wesentlichen identisch sein. Gegenüber allen froheren Steuerungsverfahren, die Steuerzeichen eines bestimmten Codes verwendeten, ist HDLC codeunabhängig. Es sollte noch erwähnt werden, daß es für Gegenbetrieb (gleichzeitiges Senden und Empfangen), alle Netzkonfigurationen wie Punkt-zu-Punkt, Mehrpunkt und Loop geeignet ist, daß es sowohl interaktiven Betrieb als auch Stapelbetrieb steuern kann, daß Abläufe der Fehlererkennung und Fehlerkorrektur sowie automatische Wiederherstellungen enthalten sind.

HDLC ist ein universelles Verfahren, geeignet für Netze mit zentralisierter Struktur. Bei Datenverbund zwischen gleichrangigen Systemen wären zusätzliche Regeln über die dominierende Rolle der Leitstation erforderlich. Da das Verfahren sich auf den Übermittlungsabschnitt (Data Link) beschränkt, werden weitere Bausteine hinzukommen müssen, um ausgedehnte Netzwerke wirklich beherrschen zu können. HDLC/SDLC ist ein entscheidender erster Baustein."

"Der beiderseitige Informationsfluß dieses bit-orientierten Steuerungsverfahrens gestattet eine wesentlich bessere Ausnutzung der verfügbaren Übertragungskanalkapazität als beiden byte-orientierten Verfahren (z. B. BTAM. QTAM).

Mit einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung bei Stapelübertragung ist voller Duplexbetrieb möglich, so daß Im Extremfall nur noch die halbe Übertragungszeit und bei Verwendung einer Wählverbindung die halben Übertragungskosten gegenüber den jetzigen Verfahren anfallen (entsprechende Mehrkanal-Modems vorausgesetzt).

In Multipoint-Netzen kann die Leitstation gleichzeitig eine Nachricht von einem angeschlossenen Terminal empfangen und eine zweite absenden, so daß insgesamt der einzelne Terminalbenutzer ein günstigeres Antwortzeitverhalten im Dialogbetrieb beobachtet.

Diese Vorteile ergeben sich aus dem verwendeten Numerierungsschema für Befehle der Primär- und Antworten der Sekundärstation, welches außerdem kürzere Konkurrenzzeiten bei Übertragungsfehlern ermöglicht.

In erster Linie profitiert derjenige Anwender, der bei der Planung seiner Datenübertragungs-Anwendungen die Eigenschaften des SDLC von Anfang an berücksichtigen kann, alle anderen haben zusätzlich Umstellungsaufwand zu erwarten, insbesondere, wenn die Vorteile des geplanten EDS-Netzes genutzt werden sollen."

"Der VDRZ ist grundsätzlich an allen Neuerungen und Entwicklungen im Basis-Software-Bereich interessiert, die - wie das von IBM entwickelte SDLC:

1. dazu angetan sind, mehr Flexibilität und Variabilität in die Datenfernverarbeitung zu bringen,

2. schwerpunktmäßig für die Belange kaufmännischer Abrechnungs- und Steuerungstechniken konzipiert sind.

Über 90 Prozent aller EDV-Anwender in der BRD lassen extern über eines der rund 450 Service-Rechenzentren verarbeiten.

Da die Mehrheit der Service-Rechenzentren IBM-Kunden sind (40 Prozent) und davon rund die Hälfte schon heute über geeignete Anlagen verfügt, ist damit zu rechnen, daß ab 1976 diese neue Software-Architektur auch bei den Rechenzentren Eingang findet. Über Erfolg oder Mißerfolg von SDLC wird auch die Preispolitik der Deutschen Bundespost für Duplex-Standleitungen mitbestimmend sein.

"Mit den Neuankündigungen versucht IBM die recht vielfältigen Entwicklungen der Datenfernverarbeitung unter einen Hut zu bringen. Daß diese neue Übertragungstechnik mit der Ankündigung neuer Datenendgeräte verbunden ist, erscheint nur logisch. Offen ist die Frage, was profitieren bei der neuen Technik die Benutzer der alten Terminals? Für die Benutzer der neuen Terminals ändert sich auf den ersten Blick zunächst sehr wenig. Da unter anderem Fehlerbehandlungen und Leitungsbedienung komfortabler werden, profitiert er unter dem Strich letzthin doch eine Menge. Der Schritt zu diesem integrierten Konzept ist sehr zu begrüßen, aber wie verhält sich dieses gegenüber Fremdprodukten?"