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15.11.1996 - 

Weiterentwicklung von Prodis nur noch auf Projektbasis

Anwender verärgert über PPS-Pläne der SAG

Die SAG versucht sich neu zu positionieren. Alles, was nicht zum Kerngeschäft - Entwicklungs-Tools rund um die 4GL "Natural" und das Data-Warehousing - zählt, wird ausgegliedert. Die Applikationssoftware Prodis hat in dieser bereinigten Produktpalette offenbar keinen Platz mehr. Am 1. Juli überantwortete die SAG die PPS-Lösung an ihr deutsches Systemhaus.

Damit scheint die Zukunft des Pakets ungewiß: Peter Ohl, Geschäftsführer der SAG Systemhaus GmbH, Darmstadt, konnte auf Nachfrage denn auch keine längerfristigen Release-Pläne bekanntgeben. Wollte die SAG vormals "eine Prodis-Lösung unterhalb SAP R/3" vermarkten, bietet das Systemhaus jetzt lediglich einen "Kernel" an, den andere Softwarehäuser oder Anwendungsunternehmen selbst zu Lösungen ausbauen müssen. "Das zwingt die Anwender, eigene Programmierabteilungen aufzubauen, um nach Jahren einen Stand zu erreichen, der mit alten Cobol-Anwendungen längst gegeben war", ärgert sich ein DV-Leiter, der es vorzieht, nicht genannt zu werden.

Roland Fuchsloch, DV-Chef bei der Silit-Werke GmbH & Co. KG in Riedlingen, bestätigt, was auch andere Anwender sagen: "Das Systemhaus will keinen Release-Plan mehr pflegen. Der heutige Stand wird eingefroren, und Weiterentwicklungen finden nur noch im Projektrahmen statt." Damit scheinen sich die Befürchtungen von Kunden zu bewahrheiten.

"Der Hersteller hat kein Interesse mehr an dem Produkt." Für Berthold Meik, Bereichsleiter Logistik bei der Hermes Schleifmittel GmbH & Co., Hamburg, ist Prodis schon tot. Wenn künftig die Anwender das Produkt weiterentwickeln müßten und trotzdem Geld an die SAG zahlen sollten, stimme ohnehin etwas nicht. Sein Unternehmen wechselt nun von Prodis zu R/3 von der SAP.

Aber auch Partnerfirmen wie die Waiblinger Softwarehaus GmbH (WSH) reagieren verärgert: "Wir wollten unser eigenes, etwas veraltetes PPS-Produkt gegen Prodis austauschen", so WSH-Geschäftsführer Jürgen Braun. Der Release-Plan bis zur Version 3.1.3, den ihm die Software AG vorgelegt hatte und auf Grund dessen die WSH einen Kooperationsvertrag unterzeichnet habe, sei offenbar nun Makulatur.

Damals hatte die WSH die Entwicklung am eigenen PPS-System gestoppt, die bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit den Softwarehäusern Nimbus und Dabac vorangetrieben worden war. Den Vertrag mit den Partnerfirmen löste die WSH und stellte statt dessen Prodis-Vertriebspersonal ein - vergeblich, wie sich schließlich herausstellte.

SAG Systemhaus-Geschäftsführer Ohl wehrt sich allerdings heftig gegen Mutmaßungen, Prodis werde aufgegeben: "Mit der Weiterentwicklung sind bei uns zehn Mitarbeiter beschäftigt." Auch der Release-Plan für die Version 2.7, die im ersten Quartal 1997 auf den Markt gelangen soll, stehe fest. Die Irritation von Kunden und Partnern bezüglich des Rückzugs der SAG hält er für unbegründet.

Laut Fritz Jörn, Pressesprecher der AG, ist das Systemhaus die einzige SAG-Schnittstelle zu den deutschen Kunden, seitdem es im Februar dieses Jahres gegründet wurde. Zu Gerüchten, die SAG werde einen Teil der Produkte gänzlich einstellen, wollte Jörn keine Stellung nehmen: Die SAG habe derart viele Produkte, daß man nicht bei jedem einzelnen verfolgen könne, in welcher Form es unterstützt werde.

Die Software AG hatte das Geschäftsjahr 1995 mit einem Vorsteuerverlust von 16,2 Millionen Mark bei einem Umsatz von 788 Millionen Mark abgeschlossen. Dem schlechten Ergebnis folgte ein Stühlerücken im Vorstand. Thomas Preskar kam, Hermann Kleinstück und SAG-Gründer Peter Schnell gingen. In diesem Jahr soll der Umsatz um sieben Prozent steigen. Mit schwarzen Zahlen rechnet die SAG allerdings erst wieder 1997.