Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.10.1988 - 

Technische Details interessieren nur am Rande:

Anwender wollen komplette Lösungen

Mit dem Kauf von Hard- und Software allein ist noch herzlich wenig getan. Um den PC wirklich zur Lösung von Verwaltungs- und Organisationsaufgaben nutzen zu können, muß der Anwender auch vieles andere beachten. Jürgen Trummer* zieht Bilanz.

Die Vorstellungen von Produktivitätssteigerung durch höhere Effizienz und Rationalisierung mit Hilfe des PCs lassen sich nur dann realisieren, wenn in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kunden und dem Berater ein Anforderungsprofil erstellt wird. Es empfiehlt sich, erst nach der Überprüfung aller Abteilungen, die durch die Einführung oder den Ausbau der DV betroffen sind, die Investition zu treffen. Denn für die meisten Angestellten bestimmt dieses neue Computersystem für viele Jahre einen Großteil ihrer Arbeitsumwelt.

Der Anwender braucht also eine vernüftige Beratung und Softwarelösungen, die der innerbetrieblichen Struktur angepaßt sind. Hardware kommt ganz zum Schluß, als "Mittel zum Zweck".

PC-Kauf muß anwenderorientiert vor sich gehen. Käufer wollen nur zu einem kleinen Teil zum Computerfachmann werden. Was sie suchen, läßt sich mit den Worten "maßgeschneiderte Arbeits-vereinfachung" nur unvollkommen, aber im Kern treffend, umschreiben.

Datenverarbeitung von A bis Z überfordert auch den überdurch-schnittlich begabten Erstanwender. Außerdem muß der Kunde von einem wirklichen Berater das bekommen, was er wirklich braucht, was auf seine Struktur paßt. Selbst die sogenannten "Branchenpakete", die Renner unter den "angepaßten" Programmen, sind hier nur notdürftige Angebote. Denn sie gehen, wie ja der Name schon sagt, auf eine ganze Branche ein. Ob der einzelne Kunde nun einen kleinen, mittleren oder großen Betrieb hat, fällt dabei unter den Tisch.

Branchenlösungen weisen Defizite auf

Ebenso berücksichtigen diese Pakete nicht die meist über Jahre hinweg gewachsene Betriebsstruktur. Manchmal mag diese nicht optimal sein; in den meisten Fällen hat aber eine bestimmte Vorgehensweise eine praktische Begründung, denn Betriebe wachsen evolutionär. Standard- oder Branchenpakete genügen diesen gewachsenen Strukturen meist nicht. Ein Branchenpaket, das versucht, allen Anwendungen gerecht zu werden, kann keine in allen Aspekten optimierte Lösung bieten. Das Ergebnis: lange und teure Einführung von EDV, Umstellung von langwierig gewachsenen Strukturen auf das, was die Berater "optimal an die Bedürfnisse der Branche angepaßt" nennen.

Diese DV-Lösungen ersetzen die Evolution durch mehr oder weniger gute Fachkenntnisse von Softwareentwicklern. Praxis wird durch Theorie, Individualität durch Generalistik ersetzt. Gerade im System der freien Marktwirtschaft passen sich ja die Betriebe dem Markt an: Nischen oder Lücken werden entdeckt, Unternehmen wachsen oder schrumpfen nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.

Als Alternative zu den Standardprodukten bietet sich die maßgeschneiderte Software an. Sie ist so gestaltet, daß sie mit der Entwicklung des Betriebes schritthalten kann und verfügt über Schnittstellen, die vom PC auf den Großrechner oder im Netzwerk den Datenaustausch erlauben. Es handelt sich also um modular zusammengeschlossene Programme, die dem Kunden das liefern, was er braucht.

Hardware darf nur über Anwendungszweck und -ziel verkauft werden. Computer sind nur Mittel zum Zweck, ein reines Handwerks-zeug. Lernzeiten müssen deshalb minimiert sein. Aber gleichzeitig gehört Lernen dazu, um mit Computern umzugehen. Ein Auto, obwohl von der Bedienung her wesentlich einfacher, darf man ja auch nicht ohne Führerschein fahren.

Software ohne Schulung ist wie ein Boot ohne Boden. Warum soll jeder Anwender das Rad noch einmal erfinden? Und vom Benutzer zu erwarten, daß er sich beispielsweise in tage- und nächtelanger Arbeit mit seiner frisch erworbenen Kalkulationssoftwure beschäftigt, heißt, ihm den Boden jeglicher Kalkulation zu entziehen.

Software wächst mit dem Betrieb

Rechnet ein solcher User nämlich realistisch ab, wieviel Zeit und Arbeit die DV bei nicht-optimierter Anpassung kostet, wird so mancher Klein- und Mittelbetrieb feststellen, daß eine Aushilfskraft wahrscheinlich billiger gekommen wäre. Es sei denn, der Anwender findet wirklich das, was er gesucht hat: "seine Lösung". Maßgeschneiderte Software wächst mit dem Betrieb. Sie ist flexibel an die organisatorischen Änderungen, die ein erfolgreiches Wachstum mit sich bringt, anzupassen. Sie läuft auf unterschiedlicher Hardware. Vom Einzelarbeitsplatz über die Netzwerklösung bis zum Großrechner ist alles möglich.

Wenn dann noch der Service und die Betreuung stimmen, ist man als Anwender bestimmt besser versorgt als mit einem Computer und Software, in die man sich erst mühsam einarbeiten muß.

Leider kann der Anwender in den meisten Fällen erst dann seinen Lieferanten beurteilen, wenn die ersten Schwierigkeiten auftreten. Die meisten Kriterien bei der Softwareentscheidung lassen sich erst nach der Einarbeitung zuverlässig beurteilen. "Alleskönner", bei denen es "nie Probleme mit diesem Programm" gegeben hat, sollte man meiden. Ehrlichkeit sorgt dafür, daß der Kunde mit realistischen Erwartungen an seine DV herantritt.

Daher muß der Anwender sich an dem orientieren, von dem er etwas versteht: seinem eigenen Geschäft. Nur wenn der Computer-berater bereit ist, Zeit zu investieren, um Betrieb und Arbeits-weise kennenzulernen, kann er auch Soft- und Hardware an diese Gegebenheiten anpassen. Zeit ist natürlich Geld, und gute Beratung hat sicherlich ihren Preis. Aber unter dem Strich ist sorgfältige Analyse mit dem Resultat einer optimierten DV betriebswirtschaft-lich günstiger als ein Fehlkauf und jahrelange Unzufriedenheit mit einer Behelfslösung.

Wildwuchs im PC-Bereich erstreckt sich aber noch weiter. Offensichtlich haben viele Betriebe Erfahrungen mit diesem Problem gemacht. Computerschulen offerieren hier auf den ersten Blick einen Ausweg. Einige versprechen schnelle Einarbeitung in viele Standardprogramme, andere reden vom zielstrebigen Weg zum Computerprofi.

Viele dieser Schulen sind sicherlich gut. Didaktisch geschulte Mitarbeiter bringen kleinen Gruppen von Schülern die Grundlagen der Arbeit mit dem Computer bei. Die Geräte, an denen gearbeitet wird, entsprechen zumindest teilweise dem Standard, den die meisten Schüler an ihrem Arbeitsplatz antreffen werden. Solche Schulen sind sicherlich ihr Geld wert, und die berufliche Weiterbildung bei ihnen ist eine Investition in die berufliche Zukunft.

Amwender sollte die Schulbank drücken

Aber wie immer gibt es auch in dieser Branche "schwarze Schafe". Mit dem Computerboom schossen Computerschulen aus dem Boden. Richtlinien darüber, wer wirklich qualifizierten Unterricht anbietet und wie dieser auszusehen hat, gibt es nur unzureichend.

Die Konsequenz: Verunsicherte Verbraucher, die trotz allem Lernwillens bei ihren Anstrengungen wenig für die Praxis dazugewinnen. Gerade bei der Bedeutung, die dem Computer in der heutigen Zeit zukommt, darf mit der Angst der Menschen vor dem Unbekannten kein Geschäft gemacht werden. Hier ist, wie bei so vielem, der Staat gefordert. Strengere Richtlinien, wie es sie ja auch zum Beispiel beim Fernunterricht gibt sollten auch für DV-Schulen gelten.

Computer sind komplex, denn leider fehlt es noch an der idealen Schnittstelle Mensch-Maschine. Solange Rechner noch nicht assoziativ denken können, werden Menschen sich noch an eigenartige Sprachen gewöhnen müssen, Kommandos lernen und sich über die "Bedienerunfreundlichkeit" aufregen. Es sei denn, man schafft ihnen eine Benutzeroberfläche, die sich an ihrer Arbeit orientiert. Auch hier ist die sorgsame Anpassung der Software an den Anwender die bessere und schnellere Lösung.

Nicht alle, die sich mit Computern beschäftigen, können also damit anderer Leute Probleme lösen. Der Rechner darf nicht die Bedürfnisse des Anwenders bestimmen. Computer und Software sind Werkzeuge und Instrumente der Büroorganisation, der Verwaltung, Kalkulation und Entwicklung. Sie müssen genauso wie Werkzeug-maschinen zur Produktivität eines Betriebes beitragen. Was aber nützt die schönste Maschine, wenn sie nicht das macht, was sie tun soll?

*Jürgen Trummer ist Mitinhaber der HTK

High Tech Konsortium EDV-Systemberatung, Konstanz.