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28.09.2006

Anwender zahlen IT-Profis wieder mehr

ist freier Journalist in München
Früher entlohnten IT-Hersteller und -Dienstleister ihre Mitarbeiter mit Abstand am besten. Sehr gut können Informatiker inzwischen auch bei großen Anwenderfirmen verdienen.

Wie IT-Unternehmen um Mitarbeiter werben, klingt höchst unterschiedlich. "Wer unbedingt 120000 Euro verdienen will", sagt Jens Wagener, Gründer der Itemis GmbH & Co. KG in Lünen, "ist für uns ein interessanter Kandidat." Nicht weit von Lünen liegt Dortmund, Sitz der Materna GmbH. "Wer heute nach dem dicken Gehalt oder Aktienoptionen fragt, ist auf dem Holzweg", sagt Thomas Decker, seit 17 Jahren bei dem IT-Dienstleister beschäftigt.

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Mittelstand setzt auf Innovation

Itemis ist eine aufstrebende junge Firma, die dank modellgetriebener Softwareentwicklung vor allem mit Großkunden wie T-Systems oder der Deutschen Post hohe Projektumsätze erzielt. Gesucht werden erfahrene Entwickler, die schon als Freiberufler für 80 Euro oder mehr die Stunde gut im Geschäft sind und unternehmerische Initiative mitbringen. "Wer 25-köpfige Teams leiten und neues Geschäft generieren kann", kalkuliert Wagener, "refinanziert schnell das hohe Gehalt." Bei Materna hingegen werden grundsätzlich keine Zahlen genannt. Vor wenigen Jahren hatten Mitarbeiter die 1980 gegründete Firma in Scharen verlassen, weil in der New Economy das schnelle Geld lockte. Manch einer kehrte reumütig zurück.

Im Wettbewerb um die talentiertesten und erfahrensten IT-Kandidaten setzen Firmen unterschiedliche Akzente. Während Hersteller und weltweit operierende Dienstleister ihre Marken herausstreichen und internationales Flair in die Waagschale legen, spielen mittelständische Firmen wie Itemis, Materna oder die Karlsruher CAS Software AG die Innovationskarte. Kooperiert Itemis intensiv mit zahlreichen Informatik-Lehrstühlen in Europas dichtester Hochschullandschaft an Rhein und Ruhr, lockt CAS mit dem attraktiven Umfeld der badischen "Internet-Hauptstadt", deren Universität seit Jahren zumindest in der Informatik die Rankings dominiert.

"Nicht wegen des Gehalts oder der Sozialleistungen kommen Mitarbeiter zu uns", sagt CAS-Personalreferent Daniel Kleinhans, "sie wollen Verantwortung übernehmen und suchen spannende Aufgaben." Beispiel: Sven Weih, 29, Softwareingenieur CRM-Products, nach dem Informatikstudium an der Universität Karlsruhe seit anderthalb Jahren an Bord. Ihn fasziniert, wie Technologien, die innerhalb von Forschungsprojekten entwickelt wurden, etwa Methoden zur Daten- und Dienstintegration oder zur Prozessmodellierung, in die Produkte des Unternehmens integriert werden. Weih entwickelt Web-Services und wendet dabei neuere Projektplanungsverfahren wie Scrum an, um eine hohe Produktqualität zu erzielen. "Die Auswirkungen des eigenen Handelns sowie die Leistung des Teams sind direkt im Firmenerfolg spürbar", sagt Weih. "Man ist nicht bloß ein kleines Rädchen im Getriebe."

Teamleistung zählt

IT-Fach- und Führungskräfte entscheiden sich am liebsten für einen Job bei Dienstleistern oder Herstellern. Ihre Karriere bei einem Anwenderunternehmen zu starten oder fortzusetzen können sich die meisten Informatiker dagegen kaum vorstellen. "IT-Spezialisten befürchten, bei Anwendern technologisch nicht auf dem Laufenden zu bleiben", sagt Martin Hofferberth von der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin. Dem schließt sich Dirk Pfenning aus der Personalabteilung der Bayer AG an: "Ihnen ist nicht bekannt, dass auch in einem Chemieunternehmen attraktive Aufgaben locken." Während sich der Bedarf an Chemikern allein durch Initiativbewerbungen deckt, muss der Chemiekonzern Stellen für IT-Spezialisten extra ausschreiben.

Informatiker mit "Stallgeruch"

Dabei ist der Joballtag alles andere als langweilig; die Forschungsarbeit wird durch ausgefeilte IT-Systeme unterstützt, und in der Laborautomation gibt es alle Hände voll zu tun. Doch nicht nur Informatiker mit chemischem "Stallgeruch" sind willkommen, auch klassische IT-Experten, etwa für die SAP-Anwendungsentwicklung, sind in Leverkusen stark gefragt. "Jeder Akademiker übernimmt vom ersten Tag Führungsaufgaben", zieht Pfenning eine weitere Trumpfkarte. Auf das tariflich festgelegte Jahresgehalt von 48000 Euro für Diplomierte und 56000 Euro für Promovierte werden die leistungsbezogene variable Vergütung sowie frei verhandelbare Beträge für Leitungsaufgaben aufgeschlagen. Damit nicht genug: Die seit Jahren vom Erfolg verwöhnte Chemieindustrie schüttet beträchtliche Boni an ihre Mitarbeiter aus.

Zwar ist die Chemie- und Pharmabranche mit Abstand Spitzenreiter bei der Vergütung. Doch auch andere Anwenderfirmen können bei der Bezahlung ihrer IT-Mitarbeiter durchaus mit IT-Herstellern und IT-Dienstleistern mithalten. Branchenübergreifend, so eine Auswertung von Personalmarkt.de, vergüten Anwender einen 35 Jahre alten Softwareentwickler ohne Personalverantwortung mit gut 47000 Euro, ein Gehalt, das auch Hersteller, Systemhäuser oder Beratungsfirmen kaum überbieten würden.

Towers Perrin ergänzt: Wer die Karriere als Entwickler in der Automobilzulieferindustrie startet, könne lediglich mit einem Gehalt von 38000 Euro rechnen, dagegen winken Einsteigern in der Chemie- und Pharmabranche schon Jahreszielgehälter von 70000 Euro. Noch höhere Sprünge kann erwarten, wer statt der Fach- eine Führungslaufbahn verfolgt. Nummer eins sind Großbanken, die einen IT-Teamleiter mit bis zu 105000 Euro entlohnen. "Finanzdienstleister vergleichen sich mit führenden IT-Firmen", erklärt Hofferberth. "Doch im Unterschied zu IT-Herstellern haben Führungskräfte in Banken eine höhere Personalverantwortung, und zudem fällt ein höherer Bonus ins Gewicht."

Kreative, kleine Anwender

Freilich können kleinere Anwenderunternehmen beim Gehalt weder mit der IT-Branche noch mit den Konzernen mithalten. Und wenn sich schon die Großen - siehe Chemie - mit der Rekrutierung schwer tun, wird eine mittelständische Firma wie die Kölner Lifta GmbH, immerhin Marktführer für Treppenlifte, erst recht nicht den nötigen Nachwuchs finden. Dabei bietet das rund 200 Mitarbeiter zählende Unternehmen hervorragende Perspektiven: Wegen der zunehmenden Alterung legen die Absatzzahlen enorm zu. Auch die IT soll kräftig aufstocken, berichtet IT-Leiter Lutz Stiebert. Viele Entwicklungsprojekte, zum Beispiel auf der Navision-Plattform, hätten sich bereits angestaut.

"Eigentlich denke ich an Leute, die bereits bei einem anderen Anwender gearbeitet haben", spricht Stiebert über seine Wunschkandidaten. Freuen würde er sich aber auch über Bewerber, die jahrelang bei Softwarehäusern oder IT-Dienstleistern unter großem Druck gestanden hätten. "Ich weiß, viele haben die Nase voll von Überstunden und einem Leben aus dem Koffer. Wer nicht unbedingt aufs Gehalt schielt, könnte bei uns seine Ruhe wiedergewinnen."

Frust beim IT-Dienstleister

Studien belegen, dass vor allem in der IT-Dienstleistung die Gesundheit fahrlässig aufs Spiel gesetzt wird. Ein Heer von Fachkräften, vorzeitig erschöpft und frustriert, könnte bei Anwendern mit offenen Armen empfangen werden. "Die so genannten Hidden Champions sind eine echte Karrierealternative", sagt Georg Revesz, Partner der Personalberatung Civitas International in München. Revesz beobachtet seit rund 20 Jahren den IT-Personalmarkt. Seiner Ansicht nach sind immer mehr Informatiker bereit, in ruhigere Bahnen zu wechseln. Towers-Berater Hofferberth bringt es auf den Punkt: "War ein Projektleiter bei einem IT-Dienstleister vielleicht am Ende der Karriereleiter angelangt, steigt er beim Anwender zum DV-Leiter auf." (am)