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07.07.2000 - 

Mobilfunk-Carrier erschweren Zugriff auf fremde Portale

Anwender zeigen WAP die kalte Schulter

BONN (CW) - Als Revolution in Sachen mobiles Internet von Herstellern und Carriern gefeiert, lockt WAP kaum einen Benutzer zum drahtlosen Surfen. Diesen Eindruck vermitteln zumindest Zahlen, die T-Mobil jetzt veröffentlicht hat.

Auf der GSM-World in Cannes zu Beginn des Jahres wurde das Wireless Application Protocol (WAP) noch als Wundermittel gefeiert. So sollte die neue Technik den Carriern, die angesichts sinkender Gesprächspreise über Umsatzverluste klagten, wieder mehr Geld in die Kassen spülen. Dank neuer, interessanter Applikationen, so die Idee, telefonieren die Kunden zwar billiger, geben dafür aber mehr Geld beim Surfen aus.

Industrie und Netzbetreiber scheinen ihre Rechnung aber ohne die Benutzer gemacht zu haben. Diese zeigen nämlich der schönen neuen WAP-Welt überwiegend die kalte Schulter. So besitzen lediglich 250000 der 13 Millionen T-Mobil-Kunden ein WAP-fähiges Handy. Und von diesen nutzt nur die Hälfte (175000) das WAP-Angebot. Damit hätte T-Mobil trotz intensiver Werbung - so konzentrierte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in TV-Spots mehr auf ihre WAP-Handys als auf die EM - lediglich 1,3 Prozent seiner Kunden für WAP gewonnen. Ein im Vergleich zu Japan mageres Ergebnis. Dort überzeugte der Mobilfunkanbieter NTT Docomo innerhalb von sechs Monaten vier Prozent der Kundschaft von den Vorzügen der Wireless-Internet-Dienste.

Ernüchternd ist auch die Zahl der täglichen WAP-Sessions: Lediglich 35000-mal am Tag wird der drahtlose D1-Dienst genutzt. Umgerechnet auf die wöchentliche Nutzung bedeutet dies, dass jeder Nutzer nur 1,4-mal in der Woche WAP verwendet.

Analysten interpretieren diese Zahlen dahingehend, dass die angebotenen Services die Benutzer nicht überzeugen. Ein Vorwurf, den die Anbieter von WAP-Diensten nicht auf sich sitzen lassen. Sie schieben die Schuld zum Teil den Netzbetreibern in die Schuhe.

Verhilft GPRS WAP zum Durchbruch?So beschuldigt etwa Antoine Duboscq, Mitbegründer des französischen WAP-Portals "Wapup.com", Carrier wie die France Télécom, Kunden auf die eigenen Portalangebote festzulegen. Ähnliche Fälle beschäftigen auch in Großbritannien die Gerichte. Gerade die freie Wahl der Zugangsportale, so die Meinung der Analysten, dürfte mit darüber entscheiden, ob WAP doch noch ein Erfolg wird.

Ungeachtet dieser Frage haben die Carrier bereits einen anderen Schuldigen für den WAP-Misserfolg ausgemacht: die geringe Bandbreite. Unisono propagieren die Netzbetreiber europaweit mittlerweile GPRS als die Durchsetzungs-Technologie für WAP. Versprechen doch Bandbreiten von 40 Kbit/s schnellere Verbindungen als die heute üblichen 9,6 Kbit/s und der erforderliche Austausch der Handys klingelnde Kassen.