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20.12.1991 - 

Zukunft der großen Softwarekonzepte noch nicht abzusehen

Anwendern und Experten ist vieles unklar an der neuen IBM

ARMONK/ YORK (IDG) - Nicht nur Optimismus löste die jüngst angekündigte Eröffnung der "Baustelle IBM Corp." aus. Löblich finden

Analystlen zwar das Streben des DV-Riesen nach mehr Beweglichkeit. Zusammen mit Anwendern argwöhnen sie jedoch, daß die Reorganisation des Mainframe-Giganten chaotisch verlaufen könnte. Besonders ungewiß ist für viele die Zukunft der blauen Softwarewelt mit den Fixsternen Officevision, SAA und AD/Cycle.

Die Zweifel entstehen daraus, daß sich in der Produktlinie Programmiersysteme unter der Leitung von Earl Wheeler, in dessen Verantwortunzsbereich SAA, AD/Cycle und andere komplexe Software-Systeme angesiedelt sind, in Zukunft einiges ändern könnte, obwohl der Bereich in dem Reorganisations-Masterplan nicht angesprochen worden war (siehe CW Nr. 50 vom 13. Dezember 1991, Seite 1: "IBM strafft Organisation..."). So heißt es in Biobachterkreisen, der 58jährige Wheeler bereite seinen frühzeitigen Abschied vor. IBM verwies in dem Zusammenhang lediglich darauf, daß Wheeler ohnehin für Ende 1993 seinen Ausstieg geplant habe.

"Unzweideutig festgelegt" auf SAA und AD/Cycle seien die Programmiersysteme, bekräftigte Mark Elliot, Assistant General Manager in dem IBM-Bereich; hier werde es keine "radikalen Änderungen" geben. Das Produkt Officevision allerdings, konzertierte er könnte in Zukunft "refokussiert" werden, wenn es zu weiteren Abkommen wie dem mit Lotus Development über CC:Mail und die Notes-Groupware kommen sollte.

Die Optimistische - und vom Hersteller unterstützte - Variante der Spekulationen über IBMs große Software-Architekturen geht davon aus, daß SW-Produkte einer IBM, die ihr Ohr näher am Markt habe als früher, künftig schneller vorgestellt würden. Skeptiker indes halten es für möglich, daß wegen ihrer Mainframe-Lastigkeit umstrittene Konzepte wie AD/Cycle nun um so schneller sterben würden.

An einer sicheren Zukunft von SAA zweifeln dagegen nur wenige. IBM, meinen die SAA-Optimisten, könne innerhalb dieser relativ weit verbreiteten Standardwelt eine Menge an Applikationen vergleichsweise kostengünstig entwickeln und werde diese Chance auch nutzen. Einige Anwender jedoch würden gleichwohl nicht auf SAA setzen. "Ich habe nie daran geglaubt, daß IBM all diese (an SAA beteiligten, d. Red.) Architekturen auf einen Nenner bringen könnte; darum würde ich ihr Ableben nicht beklagen", stellt Mark Barmann, DV-Chef bei Charles Schwab & Co. in San Franzisko, fest.

Unterdessen lud IBMs Executive Committee Analysten zu einem halbtägigen Informationstreffen. Big Blues Top-Manager versuchten bei dieser Gelegenheit, den Börsianern die Zweifel daran zu nehmen, daß die Umgestaltung des Riesenunternehmens planmäßig und effizient vonstatten gehen werde. Unklarheiten bestanden besonders über die Frage, ob und wie eine zentrale Vertriebseinheit der IBM künftig mit den dezentralen Geschäftseinheiten zusammenwirken soll. Chairman John Akers bekräftigte, es werde bei der zentralen Vertriebsstruktur bleiben; sie werde sich aus den weltweit 62 Handelsregionen der IBM zusammensetzen.

Der geplante Beruhigungseffekt durch diese Beteuerung trat freilich nicht ein: Die Analysten bezweifeln, daß die neuen Business Units ihre angestrebte weitgehende Unabhängigkeit in erzwungener Kooperation mit einer zentralen Vertriebsorganisation erreichen können. Wenn die neuen Geschäftsbereiche die hochgesteckten Ziele erreichen sollten, so der Tenor, dann müßten sie auch die Kontrolle über die Vermarktung ihrer Produkte erhalten. Einige der Analysten äußerten, sie hielten ein baldiges Ende des zentralen Vertriebs für wahrscheinlich.