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13.05.1983 - 

Bifoa sucht Wissenslücken in Sachen LAN abzubauen:

Anwendung bestimmt Typ des Netzwerkes

13.05.1983

KÖLN - Immer mehr Textverarbeitungssysteme, Personal Computer, Bürosysteme mit Electronic-Mail-und Teletex-Funktionen, Bildschirmtext, Sprachspeichersysteme sowie verteilte Datenbanken sind immer häufiger für die Unternehmen hierzulande ein Grund, sich mit dem ungeliebten Thema "Lokale Netzwerke" zu beschäftigen. Rund 150 Installationen gibt es nach einer Erhebung des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Organisation und Automation der Universität zu Köln (Bifoa) mittlerweile in der Bundesrepublik und für die kommenden Monate zeichnen sich weitere ab.

Nach wie vor - das wurde auf dem zweitägigen Bifoa-Fachseminar "Lokale Netzwerke - Entwicklungsstand und Einsatzmöglichkeiten" in Köln deutlich - sehen sich die Anwender aber noch vor zahlreichen Schwierigkeiten bei ihrer LAN-Planung. Da sind zum einen die Unzulänglichkeiten auf seiten der Hersteller: ein verwirrendes Angebot von rund 30 teils sehr unterschiedlichen Systemen, eine hohe Innovationsrate bei den jeweiligen Konzepten sowie bislang noch fehlende Standards und damit Inkompatibilität der Netze.

Probleme auf seiten der Anwender selbst kommen hinzu. Vielen Unternehmen mangelt es an einer Strategie bei der Bürokommunikation, sie sind sich nicht immer im klaren über den eigenen Bedarf und vor allem über die Prioritäten der Anwendungen.

Professor Dr. Paul Schmitz, einer die Bifoa-Direktoren, verwies auf einen Aspekt, der in der bisherigen LAN-Diskussion zu wenig beachtet wurde: die Datenschutzproblematik. Insbesondere bei LAN-Busnetzen seien alle übertragenen Daten für jedermann relativ leicht zugänglich.

Darüber hinaus gibt es laut Schmitz noch eine Reihe weiterer organisatorischer Einzelprobleme, die regelungsbedürftig sind. Hierzu zählten die mangelnde zeitliche Abstimmung der LAN-Teilnehmer, die Prioritätenvergabe, die Frage der Zugangsberechtigung, die Benutzerkennung, die Berechnung der Kosten, die Fehlerbehandlung sowie die jeweiligen Ansprechpartner. Vorschlag des Professors: Das ISO-Schichtenmodell, das als Grundlage für die Normung offener Kommunikationssysteme und damit auch für lokale Netzwerke herangezogen wird, solle um eine "Vertragsschicht" erweitert werden, die diese Frage regele.

Bifoa-Geschäftsführer Klaus Höring machte in seinem Überblick über die derzeitige LAN-Situation darauf aufmerksam, daß lokales Netzwerk nicht gleich lokales Netzwerk ist. Da gebe es zunächst grundsätzliche Unterscheidungsmerkmale in bezug auf die Zugriffsverfahren (CSMA/CD oder Token Passing), die Bandbreite (Basisband oder Breitband), das Medium (Kupfer(koaxial) kabel oder Glasfaser) sowie auf die Topologie (Ringsysteme, Basisband-Bus-Systeme, Breitband-Bus-Systeme, Sternnetze).

Darüber hinaus werden heute Netzwerke für Personal Computer, für anspruchsvolle Büroanwendungen für die Rechner-Kommunikation und für Video-Anwendungen angeboten. Die LAN-Auswahl, so unterstrich Höring, müsse sich dabei an der jeweiligen Anwendung orientieren - und nicht umgekehrt.

Als Beurteilungskriterien für potentielle LAN-Nutzer stellte er folgende "Anforderungsprofile" auf: Übertragungsgeschwindigkeit, Durchsatzgarantie, Anzahl, der anzuschließenden Geräte, räumliche Ausdehnung, Ausfallsicherheit, Fehlerrate, Datenschutz, Möglichkeit zur Modifikation beziehungsweise Erweiterung, Kosten sowie Anwendungsspektrum.

Die Frage der Durchsatzgarantie zum Beispiel habe Einfluß auf die Wahl des Zugriffsverfahrens. Eine Garantie gebe es beim Token Passing mit festgelegter Sendeberechtigung sowie bei Telefonnebenstellenanlagen, nicht aber beim CSAM/CD-Verfahren. Die Ausfallsicherheit sei abhängig von der Netzwerktopologie. Bussysteme könnten einfacher erweitert werden als andere Netzwerke, da die Logik beziehungsweise die Adressierung des Systems nicht verändert werden müsse. Das Anwendungsspektrum reiche von reinen Transport- oder Vermittlungsfunktionen bis hin zu kompletten Büroanwendungen.

Installationsbeispiele

Stellvertretend für die Fülle der Netzwerkangebote kamen im Rahmen des Seminars sechs LAN-Anbieter zu Wort. Klaus Spiegel von Rank Xerox präsentierte "Ethernet", Gerhard Dieterle von Kontron stellte "Net/One" von Ungermann Bass vor und Heinz-Jürgen Jurack warb für das "Wang-Net". Mit Referenzkunden warteten Kurt Werner von der Schweizer Hasler AG, Jochen Führing von Datapoint und Friedrich Neumann von Zynar auf. Das digitale Ringnetz "Silk" von Hasler ist bei den beiden Rundfunkanstalten Deutsche Welle und Deutschlandfunk installiert. "Arc-Net" von Datapoint, das mehr als 80mal verkaufte und in der Bundesrepublik damit erfolgreichste Netz, läuft seit 1979 bei der Düsseldorfer Kaufring eG. Die Weidemann Electronic in Regensdorf nutzt Zynars PC-Netzwerk "Cluster/One".

Über die weitere Entwicklung in Sachen LAN äußerte sich der Bifoa-Geschäftsführer positiv. Bis 1990 - so eine Schätzung seines Hauses werde es in der Bundesrepublik rund drei Millionen Arbeitsplatzsysteme geben. Um die Flut der anfallenden Daten bewältigen zu können, bedürfe es daher der Vernetzung. Konkurrenz für lokale Netzwerke sieht Höring allerdings in den digitalen Nebenstellenanlagen, die neben der Sprache auch Daten vermitteln können.