Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.04.1978 - 

The Waves of Change

Anwendungs-generatoren

Für die Zeit ab etwa 1980 ist mit einer ganz neuen Form der Anwendungsentwicklung zu rechnen. Mit Hilfe von Generatoren wird es dann möglich sein, eines der hartnäckigsten Probleme beim Einsatz von Computern und Rechnernetzwerken beiseite zu räumen. Schon heute ist auf jeden Fall eines klar: Wenn bei der Entwicklung von Anwendungsprogrammen nicht entscheidende methodische Fortschritte erzielt werden, dann kann sich die Computerbranche auf eine längere Stagnationsperiode gefaßt machen.

Bei Fortführung der gegenwärtigen "manuellen" Programm-Entwicklungsmethoden wird die Nachfrage nach erfahrenen Systemanalytikern und Anwendungs-Programmierern das Angebot bei weitem übersteigen. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, die Vorstellungen der Systemanalytiker mit den wirklichen Bedürfnissen der Endbenutzer in Einklang zu bringen.

Für praktisch die gleichen Anwendungs-Anforderungen werden heute immer wieder neue "geniale" Einzellösungen entwickelt - man scheint im Softwarebereich das Rad unbedingt gleich mehrmals erfinden zu wollen.

Die Programmier-Produktivität sinkt dagegen direkt proportional zum Programmumfang (siehe Grafik). Programm-Generatoren könnten hier zweifellos wichtige Problemlösungen bieten.

Die gleichen Anwendungssysteme sind inzwischen immer und immer wieder definiert worden - die Charakteristiken der von ihnen benutzten Daten sind ebenfalls zur Genüge bekannt. Durch den Einsatz von Generatoren sind hier erhebliche Leistungssteigerungen erreichbar.

IBM und andere große Computerhersteller arbeiten heute fieberhaft an der Entwicklung von Anwendungs-Generatoren. Die Tatsache, daß man beim Marktführer das sogenannte "FS"-Projekt (Future System) noch einmal gründlich überdacht hat, ist in erster Linie auf das Fehlen geeigneter Lösungen im Bereich der Software-Entwicklung zurückzuführen.

lm Rahmen der neuen Generatortechnik stellen spezialisierte Anwendungs-Programmierer für den Benutzer eine umfangreiche Palette von Transaktionsbeschreibungen zusammen. Der Benutzer braucht dann für sich nur noch die optimale Alternative auszuwählen.

Zum Thema "Software-Generatoren" bemerkt der Wiley-lnterscience Report ("Data Processing 1980-85 - Study of the Potential Limitation to Progress"): Für den Generator besteht jede Anwendung aus eine Menge hierarchisch angeordneter Blöcke, die miteinander verbunden werden müssen. Die jeweilige Struktur dieser Verbindung wird von den Alternativ-Möglichkeiten des Generators und der selektiven Entscheidung des Anwendungsprogrammierers bestimmt.

Generatoren werden einmal für bestimmte Anwendungen entwickelt (Lagerbestandsführung, Debitoren/Kreditoren und Lohnabrechnung), dann für bestimmte Industrie- und Wirtschaftszweige und schließlich auch für universelle Anwendungen

Makro-Generierungstechniken wird heute die Schlüsselrolle bei der Entwicklung quasi-natürlicher Programmiersprachen zugeschrieben. Derzeit bemüht man sich um

die Entwicklung leistungsstarker Makroprozessoren, die Sprachenexperimente ohne teure Compiler Entwicklung erlauben. Hier sind bereits vielversprechende Fortschritte zu verzeichnen.

Vom Mikromini zum Supermaxi die Hardware allein kann heute die Effizienzprobleme, mit denen sich der EDV-Benutzer herumschlagen muß, ohne entsprechende Fortschritte im Softwarebereich einfach nicht mehr lösen. Dazu nur ein Beispiel: Es gibt praktisch immer noch keine geeignete Software für eine optimale Dezentralisierung von Rechnersystemen

Vorsicht Benutzer! Bei Schwierigkeiten mit einem bestimmten System könnte die Dezentralisierung das Problem nur noch vergrößern. Geeignete Software-Systeme für lokale Netzwerke werden jedoch schon in der nächsten Zeit zur Verfügung stehen.

In Zukunft wird dezentralisierte DV gewiß mehr bedeuten als die bloße dezentrale Verteilung anspruchsvoller Hardware-Kapazitäten, die überdies noch mit ungenügender Software-Ausrüstung laufen müssen. Auf jeden Fall stecken viele Hersteller schon heute eine Menge Geld in die Entwicklung einer Software, mit der sich das gesteigerte Hardware-Potential besser nutzen läßt.

Quelle: "The Mythical Mau-Month" von Fred Brooks jun.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner.

Wird fortgesetzt