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Höhere Produktivität konnte steigende Anforderungen nicht abfangen:

Anwendungsdruck blieb trotz Tool-Einsatz

22.06.1984

KÖLN (CW) - Überwindung von Anwendungsstau und Softwarekrise durch endbenutzerorientierte Datenverarbeitung lautet eine fast schon magische Formel, der DV-Leiter mit großer Skepsis gegenüberstehen. Bei der Deutschen Kreditbank für Baufinanzierung AG (DKB), Köln, gelang es, mit einem Software-Tool die Endbenutzer an die Datenverarbeitung heranzuführen und gleichzeitig die Produktivität zu erhöhen.

Die DKB, eine 100prozentige Tochter der Deutschen Bank, arbeitet seit 1975 mit der EDV und geriet 1981 in einen bedrohlichen Anwendungsstau. Die Geschäftsleitung entschloß sich nach einer Testinstallation, das Software-Tool "Ufo" (User Files Online) anzuschaffen, mit dem sich CICS- oder IMS/DC-Transaktionen leichter als bisher erstellen lassen.

Dieses Werkzeug ist ein Produkt der Oxford Software Corporation, New Jersey. Dabei erforderte Ufo weder in den Benutzerdateien noch in CICS oder IMS/DC Änderungen und läuft wiederum selbst als ein Standard-Task unter diesen Systemprogrammen. Es verfügt über eine Abfragesprache, die dem Endbenutzer relativ schnell geläufig wird und ersetzt APL, wenn es darum geht, Management-

Informationen online zu erstellen. Der EDV-Mannschaft gelang es, Online-Anwendungen für ganze Sachgebiete wie etwa den Geldhandel zu realisieren.

Schneller und effizienter wird die Programmierung laut EDV-Leiter Günter Schieren durch Ufo, weil die Programmierer von den Überlegungen zur Steuerung der Masken und des Dateilesens entlastet werden. Zudem erleichtere das System auch die interne Steuerung der Anwenderprogramme. Die Programmierer könnten sich darauf konzentrieren, was in der Anwendung gemacht und wann es ausgeführt werden soll. Sie definieren lediglich Aufbau und Format des Bildschirminhalts in Form einer einfachen "Fill-in-the-blanks"-Technik. Ausführung, Test und Prüfung der Programme werden sofort online vorgenommen.

Wie sich Ufo auf die Produktivität in der Datenverarbeitung ausgewirkt hat, beschreibt der EDV-Chef: "Mit Ufo haben wir in den letzten zwei Jahren mehr Online-Anwendungen erstellt als in den sieben Jahren vorher. Einschränkend fügt er allerdings hinzu, daß die neue Anwendung geringfügig langsamer sei, weil Ufo interpretativ arbeite.

Trotz schnellerer und effizienterer Online-Anwendungen ist der Anwendungsdruck geblieben, denn die neuen und besseren Möglichkeiten haben vorhandenen Bedarf geweckt. Die Mitarbeiter in den Fachabteilungen haben erkannt, daß die DV jetzt über ein Instrument verfügt, mit dem sie mehr neue Anwendungen realisieren können als vorher. Das erhöhte den Bedienungskomfort für den Benutzer und entkrampfte das Verhältnis zwischen Fachabteilungen und DV zudem spürbar.

Ebenfalls zum Anwachsen des Anwendungsdrucks hat geführt, daß die DV-Mannschaft heute Projekte anpackt, an die sie sich früher wegen der langen Realisierungszeit nicht herangewagt hätte. Denn mit diesem Werkzeug kann ein Projekt auch in Teilschritten realisiert werden und bleibt so überschaubar. Es kommt nicht mehr vor, daß eine komplexe Anwendung bei Fertigstellung bereits überholt ist.

Klaus Herzig, Vorstandsmitglied der DKB, kommentiert die gestiegene Produktivität in der Programmierung: "Ingesamt ist bei uns keine Programmierkapazität durch den Einsatz von Ufo abgebaut worden. Aber die Programmierer sind wesentlich effektiver geworden.

Noch unter einem anderen Aspekt haben sich mit Ufo Verbesserungen ergeben. Mit diesem Werkzeug sind die Programme transparenter geworden. Dritte können sich leichter in fremde Programme einlesen und den Programmablauf nachvollziehen. Das ist besonders für den Vorgang der Revision ein wichtiger Fortschritt. Inzwischen benutzt die interne Revision der DKB Ufo für die gesamte Revisionsplanung. Sie erstellt ihre Zeitpläne, bestimmt den Prüfungsrhythmus pro Prüfungsgebiet und zieht ihre Stichproben selbst.

Vorstand Herzig wurde jetzt auch Datenverarbeiter: Mit Ufo produziert er seine eigenen Anwendungen. Er ändert oder teilt selbst Datenfelder, vergibt neue Feldnamen, legt Rechen- und Schreibfelder an oder kumuliert Werte.

Herzig verdichtet ganze Datenbestände der Bank und bereitet sie tabellarisch auf. Regelmäßig errechnet er sich so den Durchschnittswert der Zinsen, den die Bank für Einlagen zahlt. Dieser Wert ist bei der wöchentlichen Routinesitzung des Vorstandes Gegenstand der Besprechung; denn nach ihm richtet sich, ob die DKB bei der Kreditvergabe den Zinssatz halten oder ihn verteuern muß. In einer anderen Auswertung erstellt er sich eine Auflistung sämtlicher niedrigverzinslicher Ausleihungen, sortiert nach Geschäftsstellen und Bereichen. Damit läßt sich feststellen ob eine Geschäftsstelle einen übermäßig hohen Anteil an Krediten mit niedrigem Zinssatz hat: Herzig kann korrigierend eingreifen. Ebenso errechnet sich der Vorstand im Bereich der Prognoserechnung den Ablauf von Zinsbindungsfristen oder die Rückzahlungstermine von Einlagen selbst.

Keine Rückfragen bei der Zentrale

Durch den Anschluß an das zentrale Rechenzentrum über Datex-P und durch die Ufo-Anwendungen sind die Außenstellen der Bank stark aufgewertet worden. Herzig: "Früher waren das fast reine Akquisitionsbüros. Heute nähern wir uns dem Filialcharakter. Durch das Medium Elektronik besitzen die Mitarbeiter in unseren Außenstellen den Informationsstand der Zentrale und sind in der Lage, Verwaltungsarbeiten zu erledigen und Vorgänge vollständig zu bearbeiten. "

Mit den Online-Anwendungen agieren die Berater in den Außenstellen kundennäher. Sie können sich die komplette Kundenakte auf dem Bildschirm ansehen und am Terminal dem Kunden ohne Papierverkehr oder telefonische Rückfragen bei der Zentrale ein Finanzierungsangebot ausarbeiten. Der Kunde hat nur mit einem Ansprechpartner zu tun und braucht nicht auf Entscheidungen einer für ihn anonymen Stelle, der Zentrale, zu warten.

Auch den Fachabteilungen in der Zentrale stehen die Informationen durch die neuen Online-Anwendungen schneller zur Verfügung: Herzig: "In den mehr als zwei Jahren, die wir Ufo jetzt im Haus haben, ist die Servicequalität der Bank durch schnellere und bessere

Informationen deutlich gestiegen."

Das Unternehmen

Die Deutsche Kreditbank (DKB) ist ein Spezialinstitut für die Baufinanzierung. Im Mittelpunkt steht dabei die Finanzierung des Wohnungsbaus. Die DKB erreichte im Geschäftsjahr 1982 ein Bilanzvolumen von 4.2 Milliarden Mark und beschäftigt insgesamt rund 530 Mitarbeiter.

Im zentralen Rechenzentrum in Köln sind heute zwei IBM-Rechner 4341-2 mit 8- beziehungsweise 16-MB-Hauptspeicher installiert. Die Plattenperipherie erreicht eine Gesamtkapazität von 10,5 Gigabyte. Als Betriebssystem setzt die Bank DOS/VSE unter VM ein. Das Terminalnetz betreibt sie mit CICS unter VTAM/NCP. Die rund 30 Außenstellen sind über Datex-P an das zentrale Rechenzentrum angeschlossen.