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09.06.1995

Anwendungsentwickler lassen sich nur schwer ueberzeugen IBM bezeichnet OS/2 weiterhin als die strategische Plattform

MUENCHEN (CW/IDG) - Den negativen Prognosen der Marktforscher zum Trotz glaubt Big Blue weiter an OS/2. Die Software-Entwicklung beziehe sich auf eine ganze Produktpalette, die vom Betriebssystem selbst ueber Middleware bis hin zu Applikationen reiche. Dennoch haben die Armonker nach wie vor Schwierigkeiten, unabhaengige Softwarehaeuser zur OS/2-Anwendungsentwicklung zu bewegen - eine Situation, mit der die IBM in Deutschland offensichtlich weniger zu kaempfen hat.

Selbst das von IBM-Chef Louis Gerstner initiierte "Executive Call Program", in dem sich hochrangige IBMer verpflichteten, Softwarehaeuser und -Entwickler von den Vorzuegen des 32-Bit- Betriebssystems telefonisch zu ueberzeugen und sie als OS/2-Warp- Entwickler zu gewinnen, brachte keinen durchschlagenden Erfolg.

Um unabhaengige Softwarehaeuser doch noch auf ihre Seite zu bringen und die Entwicklung von OS/2-Applikationen zu erleichtern, kuendigte IBM im vergangenen Monat ein API-Set fuer OS/2 an.

Diese aus 700 Application Programing Interfaces bestehenden Developer API Extensions (DAX) sollen, wie Big Blue jetzt in New Orleans bekanntgab, eine 80prozentige Codekompatibilitaet zu Windows aufweisen. Gleichzeitig erteilten die Armonker denkbaren Spekulationen eine Absage: "In naechster Zeit ist keine Win-95- Emulation zu erwarten", sagte Jim Grant, Vice-President der Software Solution Division. Durch die Codekompatibilitaet wolle man Windows-Entwickler ermutigen, zu portieren, damit ihre Applikationen im "native-mode" unter OS/2 ablauffaehig seien, meinte der Manager. Die vorerst letzte Waffe im Kampf um unabhaengige Softwarehaeuser, das API-Set, wird IBM in Kuerze als Alphaversion verfuegbar haben.

Laut Richard Seibt, Leiter des deutschen IBM-Bereichs Personal Software Marketing (PSM), muss hierzulande nicht um Softwarehaeuser gekaempft werden:

"Die Entwickler rennen uns die Tuere ein." Nicht zuletzt, weil viele Anwendungsprogrammierer von Microsoft enttaeuscht seien und sich die getaetigten Investitionen in Windows 95 bisher nicht bezahlt machten.

Seibt bezeichnet die Dataquest-Prognose, die OS/2 nach Erscheinen von Windows 95 keine Chance mehr einraeumt, als "verwegen".

Da die OS/2-Entwicklung sich nicht nur auf das Betriebssystem beziehe, sondern die Plattform auch "Investments betrifft, die in DB2, in CICS und Workgroup-Produkte gemacht worden sind, denken wir ueberhaupt nicht an eine Einstellung". An OS/2 und allen darauf basierenden Produkten werde weitergearbeitet. "Insgesamt ist das schon heute ein profitables Geschaeft, warum sollten wir das Engagement da zurueckfahren!?" Als Beweis fuehrt Seibt Zahlen der International Data Corp. an, denen zufolge die IBM mit OS/2 im Server-Bereich einen Marktanteil von 10,2 Prozent aufweise - mit steigender Tendenz.

Allerdings raeumt der IBMer auch ein, dass in der Diskussion um den Erfolg von OS/2 der Desktop-Sektor im Vordergund steht: "Wie sich hier der Markt entwickelt, haengt davon ab, fuer welche Applikationen sich der Kunde enscheidet." Die Vorherrschaft, die Microsoft mit Office in diesem Markt hat, will Big Blue mit Hilfe der Hamburger Star Division zumindest ankratzen:

"Wir haben angekuendigt, dass wir mit IBM Star Office 3.0 ein plattformunabhaengiges Produkt in diesem Markt etablieren wollen."

Suite soll in Workgroup-Konzept integriert werden

Den entscheidenden Vorteil sieht Seibt dabei in der Objektorientiertheit der Suite, die in das Workgroup-Konzept der IBM integriert werden soll. Die Geschwindigkeit, mit der neue Funktionen fuer ein solches Programm zur Verfuegung gestellt werden koennten, sei exponentiell hoeher als bei herkoemmlich programmierten Applikationen. "Sie sehen das beispielsweise an den Schwierigkeiten, die Lotus und selbst Microsoft beim Umstieg auf Windows 95 haben." Die Verschiebung des Microsoft-Betriebssystems fuehrt der Manager nicht zuletzt darauf zurueck, dass "Microsoft die eigenen Applikationen nicht fertig bekommt. Die laufen in die gleiche Schere wie wir damals mit OS/2".