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04.10.1991 - 

Client-Server-Struktur als Grundlage weiterführender Konzepte

Anwendungsintegration via NAS aus DEC-interner Sicht

DV-Strategien orientieren sich heute an Netzwerken, in denen die Anwendungen nicht mehr zentralisiert, sondern verteilt entwickelt und bearbeitet werden. Zum effizienten Einsatz der im Netz zusammengeschlossenen heterogenen Systeme wird eine Softwarearchitektur benötigt, die dem User wahlfreien und transparenten Zugriff auf alle Ressourcen ermöglicht.

Die Integration der PCs, die in alle Unternehmensbereiche auf sämtlichen hierarchischen Ebenen Eingang gefunden haben, ist zentrales Thema von DV-Konzepten. Doch es gilt auch, Unix-Rechner in die häufig noch herstellerspezifischen Welten einzubeziehen. Man findet heute allerdings kaum noch einen Anwender, der nur Systeme eines Herstellers im Einsatz hat.

Basis der Integration heterogener Systeme ist unter anderem die Integrität der eigenen Systemlandschaft, das heißt, die Homogenität der herstellereigenen Systeme. Eine Voraussetzung, die bei den Rechnerfamilien von Digital gegeben ist. Insofern ist das seit Mitte der 80er Jahre entwickelte Konzept NAS - Network Application Support - eine Erweiterung der bestehenden Architektur, durch die bereits Durchgängigkeit bei den hauseigenen heterogenen Rechnern realisiert ist.

Zugriff auf alle Komponenten im Netz

Mit NAS wurde das Spektrum der integrierbaren Systeme um Hardware und Betriebssysteme anderer Hersteller erweitert. PCs unter DOS oder OS/2 und Macintosh-Modelle von Apple werden ebenso einbezogen wie Unix-Rechner. Funktionelle Verbindungen zu Cray-Systemen und IBM-Mainframes sind dabei genauso selbstverständlich.

Das NAS-Konzept, bestehend aus einer Architektur, Standard-Schnittstellen und darauf abgestimmten Produkten, geht über die klassische Definition offener Systeme deutlich hinaus. Es sorgt nicht nur für Portabilität der Anwendungen, sondern integriert die unterschiedlichen Rechnersysteme (DOS, OS/2, Mac, Unix, VMS und IBM) so, daß von der jeweiligen Arbeitsstation - etwa einem PC - aus, mit den im Netz vorhandenen Komponenten gearbeitet werden kann.

Der User kann nicht nur auf Datenbanken wie DB2 von IBM oder Rdb von Digital zugreifen, sondern auch Anwendungen benutzen, die auf einem VAX-Cluster oder einem Unix-System angesiedelt sind, als gehörten sie zu seinem Rechner. Sein System ist nicht mehr nur der PC, an dem er gerade sitzt, sondern das gesamte Netzwerk mit allen Komponenten.

Der Benutzer kann, um etwa einen Bericht für die Geschäftsleitung zu erstellen, Tabellen, die mit einem Tabellenkalkulations-Programm auf einer Workstation erarbeitet wurden, mit Text aus einer DOS-Textverarbeitungs-Anwendung auf einem PC mischen, und dazu noch Daten von einem IBM-Großrechner importieren.

Das aus diesen Elementen zusammengestellte Dokument kann der Anwender für die Weiterverarbeitung beliebig im Netz verteilen oder - etwa als Postscript-File abgelegt - auf im Netz vorhanden Druckern ausgeben.

Dies ermöglicht die NAS-Subarchitektur CDA - Compound Document Architecture -, welche einen ungehinderten Dokumentenaustausch zwischen den Usern gestattet, so daß jederzeit die benötigten Informationen an den Bildschirm geholt werden können.

Hierbei werden alle gängigen Datenformate unterstützt: DDIF, ODIF, Word, Wordperfect, DTIF, Postscript, GKM und viele andere mehr.

Im Mittelpunkt des NAS-Konzepts stehen Anwendungen und die zugehörigen Schnittstellen. Die auf Standards basierenden Schnittstellen zum Benutzer, zum Netzwerk, zu den Daten und zum Betriebssystem sind in NAS implementiert.

Dem Anwendungsentwickler werden NAS-Spezifikationen an die Hand gegeben, mit denen er hochportable und integrierbare Applikationen erstellen kann.

Es handelt sich dabei um allgemeine Standards wie SQL, NFS, OSF/Motif, PHIGS, Posix, ANSI-definierte Compiler oder bestimmte Datenformate. Für Datenbeschreibungen steht ein einheitliches betriebssystemübergreifendes Repository zur Verfügung.

Durch Verwendung von Standards wird nicht nur für Portabilität der Programme gesorgt, sondern auch dafür, daß die Anwendungen neu entstehende Technologien integrieren können und daher langlebig sind.

Eine Software-Entwicklungs-Umgebung mit Compilern, Editoren, Analyzern etc., die seit: längerem für VAX/VMS verfügbar ist, wird derzeit auf Unix übertragen, so daß es dann unwesentlich ist, an welchem Arbeitsplatz der Entwickler, der mit diesen Tools arbeitet, sitzt.

Er kann an einem VAX-System in gleicher Weise wie an einer Unix-Workstation seine Programme schreiben. Unter den verfügbaren Produkten gibt es noch andere Entwicklungstools. So etwa eine CASE-Umgebung für VMS und Unix, mit der sich Programme für IBM-MVS-Rechner entwickeln lassen.

Mit NAS bietet Digital also ein Vehikel für offene Anwendungen. Entwickler, die Programme auf diese Schicht hin entwerfen, schaffen Applikationen, die vielfältig kompilierbar sind und in verschiedenen Betriebssystemwelten laufen können. Von der Möglichkeit, auf NAS-Basis portable Software produkte zu entwickeln, haben bereits mehr als 450 Softwarehäuser Gebrauch gemacht. Sie bieten vielfältige Lösungen, die sich in das Netzwerk des jeweiligen Unternehmens integrieren lassen. Zusätzlich zu Digitals Decnet werden das in der Unix-Welt gebräuchliche TCP/IP-Protokoll sowie OSI und SNA unterstützt. Das Netz ist nach dem Client-Server-Modell strukturiert, das eine Vielzahl an Funktionen - Anwendungen, Datenbanken, Druckoptionen etc. - bietet. Auf der Client-Seite können sich Personal Computer oder Workstations befinden, während als vollintegrierte Server sowohl VAX/VMS-Systeme als auch Unix-Rechner in Frage kommen.

Für den Zugriff auf IBM-Großrechner - einschließlich des Zugriffs auf IBM-Datenbanken - stehen umfangreiche SNA-Hard- und Softwareprodukte zur Verfügung. Ansonsten bildet: OSF/Motif den netzwerkweiten Windowing-Standard für die Kooperation zwischen den Systemen. Dabei handelt es sich nicht um einen interaktiven Zugriff, um eine sogenannte Terminal Emulation, vielmehr wird auf dem PC ein Fenster geöffnet für eine Anwendung, die auf einem Server läuft.

Ein zentraler Bestandteil von NAS sind PC-Integrationsprodukte für Macintosh, OS/2 und DOS, die mächtige Funktionen liefern. Um diese Funktionen, die das Ablegen von Daten, Ansprechen von Druckern, den Zugang zu Anwendungen, elektronische Post oder die Nutzung von netzwerkweiten Verbindungen ermöglichen, auf der PC-Ebene zu realisieren, waren weit kompliziertere Entwicklungsarbeiten erforderlich als bei der Integration der Unix-Systeme.

Anwendungen können irgendwo im Netz liegen

Die PC-Integrationsprodukte folgen dem Client-Server-Konzept. Sie ermöglichen dem PC aber gleichzeitig die Kommunikation als selbständiger Netzwerk-Knoten mit anderen "Nicht-Server-Systemen". Die Anwendungen können irgendwo im Netz liegen. Für den Benutzer sieht es so aus, als seien sie auf der lokalen Festplatte angesiedelt. Für den Zugriff auf Rdb-, DB2-, Ingres oder Oracle-Datenbanken stehen Query-Produkte mit grafischer Benutzeroberfläche zur Verfügung. Der Benutzer braucht keine Syntax-Kenntnisse für die verschiedenen Datenbanken.

Ebenfalls auf NAS implementiert wurde All-in-1 Phase II. Die Server-Komponente dieses Office-Pakets läuft unter VMS, während die Client-Komponente auf PC und Workstations unter Unix, OS/2, Mac, DOS und VMS verfügbar ist. Auch die OLTP-Software ACMS und das Maskensystem DECforms bestehen aus Server- und Client-Komponenten. Durch die Auslagerung bestimmter Funktionen auf den lokalen Arbeitsplatzrechner werden die Systemressourcen besser verteilt. So erzielt man einen weit höheren Durchsatz. Dabei werden wichtige Aspekte wie Sicherheit und Kontrolle ebenso wie Netzwerk- und Systemverwaltung mit einbezogen. NAS wird kontinuierlich weiterentwickelt und ausgebaut. Neue Standards und neue Technologien können integriert und den Anwendern verfügbar gemacht werden. Das NAS-Konzept als solches ist jedoch von der Architektur her festgeschrieben, so daß sich daran Anwenderunternehmen für ihre langfristige Planung orientieren können.

*Mark Oswald ist Produkt-Manager für Desktop Technologien und Offene Systeme bei der Digital Equipment GmbH.