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02.06.2000 - 

Kopplung von ISDN und Online-Dienst in der Kritik

AOL belegt T-Online mit einer Kartellbeschwerde

MÜNCHEN (CW) - Wieder einmal legt AOL gegen die Deutsche Telekom Beschwerde ein. Der zweitgrößte deutsche Internet-Service-Provider will beim Bundeskartellamt gegen die Konzerntochter T-Online eine einstweilige Anordnung erwirken. Der Grund: ISDN-Neukunden würden automatisch und ungefragt Mitglied beim Provider T-Online.

"Nach diesem Muster verfährt die Telekom-Tochter seit Oktober letzten Jahres", so AOL-Sprecher Frank Sarfeld. Zudem kassiere T-Online, wenn ein Internet-Kunde einen ISDN-Anschluss beantrage, eine Vermittlungsgebühr von 200 Mark. Auch die Neukunden der Telekom-Tochter T-Mobil erhielten Benutzerkennungen für den Internet-Service. Dies treibe die Kundenzahlen von T-Online künstlich in die Höhe und schade nicht nur OAL, sondern auch anderen Anbietern. "Diese Praxis ist wettbewerbsrechtlich bedenklich", bewertet denn auch Thomas Stormanns, Firmensprecher bei der Elmshorner Telekommunikationsfirma Talkline, die Praxis von T-Online. Talkline bietet ebenfalls Internet-Zugänge an.

T-Online weist die Vorwürfe zurück"Es gibt zwei unterschiedliche Verträge, einen für T-ISDN und einen für T-Online", entgegnet Telekom-Sprecher Stephan Broszio den Vorwürfen Sarfelds. Der ISDN-Neukunde werde nicht automatisch Mitglied des Online-Dienstes. Die Promotion für T-Online unterscheide sich nicht von den Marketing-Aktionen einiger Provider, die Vertriebsabkommen mit Computerherstellern abgeschlossen haben. Darüber hinaus gebe es die von Sarfeld beschriebene Vermittlungsvergütung von 200 Mark nicht.

Auch ein Sprecher von T-Mobil relativiert die Aussagen des AOL-Sprechers. Bei der Mobilfunktochter müsse der Kunde explizit angeben, ob er zusätzlich T-Online-Kunde werden möchte.

Der Vorwurf AOLs, die Telekom betreibe Quersubventionierung zugunsten von T-Online, ist nicht neu. Bereits im März letzten Jahres hatte der Online-Dienst vor dem Hamburger Landgericht einen Antrag auf einstweilige Anordnung gestellt. Damals war die Pauschale von sechs Pfennig pro Online-Minute Stein des Anstoßes (siehe CW 11/99, Seite 48). Das Gericht untersagte daraufhin der Telekom-Tochter die Kopplung von Zugangsgebühren und Verbindungsentgelten, die Beträge mussten einzeln ausgewiesen werden. Außerdem lässt AOL seit Februar 1999 bei der Europäischen Kommission prüfen, ob die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung im Ortsnetz zugunsten ihrer Internet-Tochter ausnutzt (siehe CW 8/99, Seite 6) - bisher jedoch ohne Ergebnis.

Ungeachtet der Vorwürfe des Konkurrenten arbeitet T-Online an der europäischen Expansion. Nachdem die Telekom-Tochter Ende Februar den französischen Provider Club Internet übernommen hatte, plant die Firma laut der britischen Zeitung "Sunday Times" nun offenbar den Kauf des dortigen Marktführers Freeserve. Wie das Blatt schreibt, soll der Deal bis Juli abgeschlossen sein. Doch neben den Deutschen interessieren sich angeblich auch der britische Kabelnetzbetreiber NTL sowie die spanische Terra Networks für Freeserve. Letztere hatte vor zwei Wochen das Internet-Portal Lycos gekauft (siehe CW 21/00, Seite 14).