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09.11.2001 - 

Wegen Lizenzstreitigkeiten mit Playmedia

AOL darf Zugangssoftware nicht mehr ausliefern

MÜNCHEN (CW) - Der amerikanische Softwarehersteller Playmedia Systems hat eine einstweilige Verfügung gegen AOL Time Warner erwirkt. Der Medienkonzern darf seine Zugangssoftware "AOL 6.0" vorerst nicht weiter verbreiten, da sie unerlaubterweise Playmedia-Technik enthält.

Stein des Anstoßes ist eine Software namens "Amp MP3 Playback". Sie dient zum Decodieren von im MP3-Format komprimierter Musik und ist Bestandteil des "AOL Media Player" in AOL 6.0. Die Technik fiel dem Konzern durch die Übernahme von Nullsoft zu. Dieser Anbieter stellt den MP3-Player "Winamp" her und hatte vor dem AOL-Deal eine Lizenzvereinbarung mit Playmedia über die Nutzung von Amp getroffen. Der Vertrag umfasst nach Meinung des Gerichts allerdings nicht die Verwendung der Technik in der AOL-Software. Dies ist nun Gegenstand des Verfahrens.

Kostspielige AuflagenAOL Time Warner will Berufung einlegen, um AOL 6.0 wieder verbreiten zu dürfen. "Dies ist eine einstweilige Verfügung, mit der wir nicht einverstanden sind", so AOL-Sprecher Jim Whitney. Bliebe es bei dem Verbot, könnte die Firma die rund 39 Millionen Dollar abschreiben, die für Werbematerial, darunter CD-ROMs mit der AOL-6.0-Software, investiert wurden. Zusätzlich würde es viele Millionen Dollar kosten, bereits ausgelieferte Kopien des Zugangsprogramms einzusammeln. Das Gericht verlangt zudem vom weltweit größten Online-Dienst, dass er ein spezielles Software-Update herstellt, das das betreffende MP3-Tool von Playmedia bei den Kunden, die mit AOL 6.0 surfen, entfernt. Insgesamt zählt der Provider 31 Millionen Mitglieder, rund ein Drittel davon gelangen mit der betreffenden Softwareversion ins Netz.

Die nun verhängte Verfügung des Gerichts geht auf eine Klage Playmedias zurück, die das Unternehmen im April dieses Jahres einreichte. Playmedia hat bereits Erfahrung mit solchen Streitigkeiten, und zwar mit Nullsoft. Die heutige AOL-Tochter wurde 1999 verklagt, da sie die Amp-Software ohne Erlaubnis in den Winamp-Player integriert hatte. Beide Seiten einigten sich damals auf die Zahlung einer Lizenzgebühr in Höhe von 7,5 Millionen Dollar. Noch im gleichen Monat schluckte AOL den Winamp-Anbieter. Der Online-Dienst baute die Amp-Technik in AOL 6.0 ein, in der Überzeugung, der Lizenzvertrag zwischen Playmedia und Nullsoft decke auch dies ab. Playmedia sah das anders, zog vor Gericht und verlangte 47 Millionen Dollar Schadensersatz.

Zudem erwägt der Kläger, auch die AOL-Tochter Compuserve in den Prozess einzubeziehen, da auch sie möglicherweise Amp in ihre Einwahlsoftware integriert hat. Lehnt das Gericht die Berufung des Online-Dienstes ab, wären auch PC-Hersteller betroffen, die AOL 6.0 gemeinsam mit ihren Produkten vertreiben. Sie müssten insgesamt etwa 4,2 Millionen AOL-6.0-CDs zurückschicken beziehungsweise die auf ihren Rechnern vorinstallierte Einwahlsoftware entfernen. Die dadurch anfallenden Kosten würden sich laut AOL auf rund 70 Millionen Dollar belaufen, berichtet der Brancheninformationsdienst "Computergram".

Auf der deutschen Homepage wird noch immer für die AOL-6.0-Software geworben, die auch von dort heruntergeladen werden kann. Anders in den USA: Auf Aol.com steht nur noch die jüngst veröffentlichte Version 7.0 der Einwahlsoftware zum Download bereit, die nicht von der einstweiligen Verfügung betroffen ist. Die deutsche AOL-Niederlassung wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die Konzernzentrale in Dulles, Virginia. Eine Anfrage dort wurde bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Bisher wurde nur eine einstweilige Verfügung verhängt. Der eigentliche Prozess findet im nächsten Jahr statt. (fn)