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23.12.1998 - 

Firmen-Bosse beteuern Kontinuität - Anwender sind verunsichert

AOL-Netscape-Sun: Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

MÜNCHEN (wt) - Noch immer herrschen viele Unklarheiten über die zukünftige Produktstrategie des Gemeinschaftsunternehmens AOL/ Netscape und die Rolle von Sun Microsystems. Auch die große Entwicklergemeinde des von Netscape angestoßenen Mozilla-Projektes ist verunsichert. Während die beteiligten Firmen Kontinuität versprechen, raten Analysten Anwendern zur Vorsicht.

Führende Marktforschungsunternehmen beurteilen die Neuausrichtung vor allen Dingen der Internet-Server-Produkte von Netscape und Sun als kritisch. Weder AOL als Netscape-Käufer noch Sun hätten bislang eine klare Strategie auf den Tisch gelegt, ob und wie die unterschiedlichen Entwicklungen fortgeführt werden. Die Giga Information Group befürchtet, daß nach dem Deal Unternehmen im Regen stehen könnten, die Netscape-Software in anderen Umgebungen einsetzen als mit dem Sun-Betriebssystem "Solaris". Firmen, die mit Netscape-Produkten arbeiten "und keine Solaris-Fans sind, sollten weitere Investitionen zunächst zurückstellen, bis von seiten der Anbieter eindeutige Aussagen zur Plattformstrategie vorliegen", rät Giga-Analyst Philip Costa. Besonders gefährdet seien vor allem Anwender von Windows NT als Betriebssystem.

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen kündigten Sun und Netscape kürzlich an, nach dem endgültigen Abschluß des Deals zwei strategische Produktlinien zu vereinen. Alan Baratz, President von Javasoft, sagte, daß sein "Hotjava-Browser" und Netscapes "Navigator" zu einem einzigen, in Java geschriebenen Produkt verschmelzen würden. Außerdem will Sun seine Application-Server-Linie mit der von Netscape kombinieren. Vor knapp einem Jahr hatten beide Unternehmen jeweils einen der damaligen Marktführer aufgekauft. Sun schluckte Net Dynamics und Kiva ging an Netscape.

Insbesondere die Ankündigung, die beiden bekannten Browser zusammenzufügen, dürfte die mehrere tausend Köpfe zählende freie Entwicklergemeinde des Mozilla-Projekts (www.mozilla.org) aufs neue verunsichern. Netscape hatte Mozilla nach der Freigabe des Browser-Quellcodes angestoßen, um schneller zu Neuentwicklungen zu gelangen. Als erstes Ergebnis lieferte Netscape vor wenigen Tagen die "Gecko Browser Engine" aus. Sie soll als Kern künftiger Browser-Versionen die Vorgänger an Kompaktheit, Geschwindigkeit und Konformität bei weitem übertreffen.

Jamie Zawinski, Leiter des Mozilla-Projekts, dürfte über Suns Browserstrategie nicht gerade erfreut sein. Nach der Übernahmeankündigung hatte sich Zawinski in einem offenen Brief bitter über die mangelnde Wertschätzung für Mozilla beklagt und Befürchtungen über dessen baldiges Ende geäußert. AOL-Boß Steve Case reagierte umgehend und erklärte seine volle Unterstützung für das Projekt. Er glaube sogar, daß AOLs Engagement zusätzliche Entwickler anlocken könnte. Überdies versicherte er, daß die Autonomie von Mozilla gewahrt bleibe.