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05.05.2000 - 

Klage von US-Mitbewerbern

AOL soll sein Messaging-Netz für Techniken von Konkurrenten öffnen

MÜNCHEN (CW) - In den USA ist der Online-Dienst AOL wegen seiner Messaging-Technik unter Druck geraten. Nachdem im vergangenen Jahr Microsoft daran gescheitert ist, mit einer eigenen Technik in das AOL-Netz einzudringen, wollen sich nun andere Mitbewerber den Zugang auf dem Rechtsweg erzwingen.

Eingereicht wurde die Klage von Icast Corp. und Tribal Voice Inc., zwei Tochterunternehmen der Internet-Beteiligungsfirma CMGI Inc., die zusammenarbeiten, um Unterhaltungsprogramme über eine eigene Messaging-Technik zu verbreiten. Sie argumentieren, dass AOL seine marktbeherrschende Stellung bei Online-Netzen ausnutzt, um mit einer proprietären Technik eine monopolähnliche Position beim Messaging zu erringen. Beim "AOL Instant Messenger" (AIM) sind derzeit rund 91 Millionen User registriert. "Trotz der Lippenbekenntnisse zur Offenheit tut AOL alles, um den Messaging-Markt abzuschotten. Rüpel bleiben Rüpel, und je größer sie werden, desto weniger nehmen sie auf andere Rücksicht", ereiferte sich Icast-Chefin Margaret Hefferman.

Mit ähnlichen Vorwürfen trat im vergangenen Jahr bereits Microsoft gegen AOL an. Damals reagierte der Online-Dienst mit der Lizenzierung von AIM an Firmen wie IBM, Novell, Lycos, Earthlink, Apple und Juno Online Services. Daraufhin gab Microsoft seine Kampagne auf. Die jetzigen Kläger wollen nun jedoch erreichen, dass AOL seine Technik so weit öffnet, dass sie mit den Produkten von Konkurrenten kompatibel wird.

Anlass für diese Forderung ist, dass Icast im Februar dieses Jahres ein Produkt auf den Markt brachte, das AIM überlegen sein soll. Es handelt sich dabei um eine Abspielsoftware für Video- und Audiosequenzen, deren eingebaute Messaging-Technik von Tribal Voice es ermöglicht, MP3-Dateien oder Radiosendungen per Drag and Drop an Messaging-Partner zu schicken. Die Versuche, hierbei sogennante Mitglieder von AOLs Buddy-Liste einzubinden, wurden jedoch vom Online-Dienstleister genauso abgeblockt wie im Sommer 1999 die Nachrichten von Microsofts Messenger.

Hoffnung auf einen Erfolg ihrer Klage machen sich die Kläger vor allem, weil AOL wegen des beabsichtigten Mergers mit Time Warner derzeit sowieso von der Katellbehörde Federal Communications Commission (FCC), einer Schwesterorganisation der Federal Trade Commission (FTC), unter die Lupe genommen wird. Ziel der Kläger ist, die Öffnung von AIM als Bedingung in die Fusionserlaubnis schreiben zu lassen. Kritiker wenden ein, daß Instant-Messaging nichts mit dem Merger zu tun habe und zudem in Softwarefragen das FTC und nicht das FCC zuständig sei.

Beide Argumente lassen die Kläger nicht gelten. Nach ihrer Ansicht handelt es sich beim Instant-Messaging um eine Kommunikationstechnik, die möglicherweise ähnlich wichtig werden könne wie heute das Telefonieren und für die Time Warner mit seinem Kabelnetz durchaus eine Infrastruktur dafür anzubieten habe.

David Hsieh, Gründer des Konkurrenzunternehmens Face Time Communications, sieht in der Klage jedoch eher egoistische Motive: "Im Markt für Instant-Messaging möchte sich eben jeder ein Stück vom AOL-Kuchen abschneiden." Außerdem habe Tribal Voice das Problem, dass seit der Übernahme durch CMGI auch Microsoft die Lust an einer Zusammenarbeit verloren habe. Das Management in Redmond, verriet Hsieh dem britischen Branchendienst "Computergram", sehe in der auf Internet-Techniken spezialisierten Beteiligungsgesellschaft einen ernst zu nehmenden Konkurrenten.